Mit den Jahren lernen wir, die Menschen besser auszuwählen

5. September 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Je älter wir werden, desto ausgewählter wird unser Freundeskreis. Das heißt weder, dass wir zu unsozialen Menschen werden, noch haben wir wegen unserer Verantwortlichkeiten zu wenig Zeit, um uns unseren Freundschaften zu widmen. Mit den Jahren haben wir ganz einfach gelernt, die Personen besser auszuwählen, die wir an unserer Seite haben wollen.

Wenn wir jünger sind, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen ein großes Mysterium. Man muss mit vielen Emotionen umgehen, viele Enttäuschungen überwinden und sich von einigen toxischen Menschen entfernen. Mit den Jahren schaffen wir es, all die Leute aus unserem Leben zu entfernen, die uns nichts geben und die wie ein Stein in unserem Schuh stören.

 „Sie sollten nach Freunden genauso wie nach guten Büchern suchen. Das Glück liegt weder darin, dass es viele sind, noch das sie besonders aufregend sind, sondern dass es wenige, gute, und gut bekannte sind.“
Mateo Alemán

Wir wählen besser aus, weil wir gelernt haben

Mit der Zeit ändern wir uns, unsere Prioritäten wandeln sich und wir schätzen auf einmal Situationen und Personen, die wir zuvor völlig ignoriert haben. Wenn wir älter werden, verstehen wir, dass die Qualität wichtiger als die Quantität ist, wenn es um Beziehungen geht. Jetzt interessieren uns nur die Personen, die wirklich zählen, die positive Schwingungen in unser Leben bringen.

All dies ist verständlich und natürlich. Es kommt ein Moment, in dem wir uns voll bewusst sind, dass unsere Zeit sehr wertvoll ist und dass wir sie weniger genießen können, wenn wir sie mit Personen vergeuden, die es einfach nicht wert sind. Unser Freundeskreis wird kleiner bis nur noch die übrig bleiben, die für uns etwas Besonderes sind.

Freunde-betrachten-die-Landschaft

Doch all dies ist nicht einfach nur eine Überlegung, sondern auch das Ergebnis einer Studie, die Licht auf dieses Thema geworfen hat und herausgefunden hat, in welchem Alter wir uns über all dies bewusst werden. Die Untersuchung wurde an der Rochester Universität in New York (USA) durchgeführt. Sie stellte heraus, dass für uns mit 20 Jahren die Quantität der Freunde wichtiger ist als die Qualität. In diesem Alter fühlen wir uns mit dieser Entscheidung wohl.

Die Zeit führt nicht dazu, dass wir Freunde verlieren, sondern dass wir sie unterscheiden lernen.

Es ist nicht mehr das Gleiche, wenn wir die 20 bereits durchlaufen und schon ein Alter von 30 Jahren erreichen. Hier sorgen wir uns bereits darum, richtige Freunde zu haben, gute Freunde, die uns von toxischen Beziehungen fernhalten als auch von der Trauer und Einsamkeit, die viele Situationen bei uns hervorrufen. Es ist lebenswichtig in dieser Epoche, unsere emotionale Ausgeglichenheit zu finden.

Auch wenn viele Personen sich damit identifizieren können und diese Studie eine klare Idee davon gibt, was in groben Zügen passieren kann, so gibt es immer Ausnahmen. Abhängig von unserem Grad der Reife fangen wir vielleicht mit 20 Jahren schon an, unseren Freundeskreis einzugrenzen, oder andersherum, wir können es auch mit 30 Jahren weiterhin bevorzugen, lieber viele als gute Freunde zu haben.

Mit den Jahren schätzen wir die Freundschaft

Mit den Jahren werden wir uns bewusst, dass viele Personen es nicht verdient haben, den Titel „Freund“ zu tragen. Freundschaft ist nicht das, was sie uns gegeben haben, sie geht weit darüber hinaus. Welche Personen waren in schlechten Momenten an deiner Seite? Wen kannst du anrufen, wenn du dich mal richtig ausweinen musst? Du kannst gern sofort diese Fragen beantworten.

Vielleicht fällt es dir nicht sehr schwer, einen Namen zu finden, oder vielleicht sogar zwei oder drei. Aber für viele gibt es vielleicht keine Antwort. Wenn dies so ist, dann fange nicht an, dich deshalb schlecht zu fühlen. Das bedeutet, dass du den Wert von Freundschaft schätzt, und dass wahrscheinlich noch nicht diese Person gekommen ist, die dein echter Freund sein wird. Es ist schwierig ihn zu finden, aber nicht unmöglich.

Alte-Freundinnen

An diesen Punkt angekommen, kommt dir bestimmt auch die Scheinheiligkeit der sozialen Netzwerke in den Sinn. In denen wir 100, 200 und mehr Freunde haben, von den wir aber seltsamerweise viele nicht einmal kennen. Der Eifer, uns sozial zeigen und damit angeben zu wollen, hat nichts mit der Realität zu tun. Jedoch verliert der Schein mit den Jahren an Wichtigkeit.

Ein wirklicher Freund kommt zur richtigen Zeit. Die anderen, wenn sie Zeit haben.

Wenn du dich noch nicht in der Übergangsphase befindest, langsam deinen Freundeskreis einzugrenzen, dann hast du dich noch nicht mit der Angst auseinandergesetzt, die wohl alle Menschen überkommt, die dabei zusehen, wie die große Anzahl an Freuden, die sie zu haben geglaubt hatten, beträchtlich abnimmt, bis sie sich an zwei oder sogar einer Hand abzählen lässt. Hier ist es, wenn du dir der wahren Realität bewusst wirst, und der Lüge, in der du gelebt hast.

Bist du einer derjenigen, denen die Qualität wichtiger ist als die Quantität? Wie wir gut gesehen haben, gibt es einen Moment des Lernens, an dem wir aufhören, viele Freundschaften zu haben und stattdessen anfangen, das wirklich wertzuschätzen, was das Wort „Freundschaft“ eigentlich meint. All dies ist ein Prozess, der natürliche Verlauf unserer Existenz, der es uns mit den Jahren erlaubt, all jene Personen wertzuschätzen, die trotz aller Umstände immer an unserer Seite sein werden.

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