Kleine Tyrannen: Autoritäre Kinder

25. Januar 2018

Wir sind von Mal zu Mal mehr verwundert über die Verhaltensweisen von Kindern, die sie gegenüber ihren Eltern an den Tag legen: Sie haben keinen Respekt mehr, werden beleidigend oder laut – um nur ein paar Probleme zu nennen. Das hängt mit einem autoritären Auftreten zusammen, welches nicht mehr von den Eltern ausgeht, sondern von den Kindern.

Es scheint so, als wären die Rollen vertauscht. Es sind längst nicht mehr die Eltern, die Regeln aufstellen oder Strafen verteilen, nein, es sind die Kinder, die die absolute Autorität besitzen.

„Bei der Erziehung eines Kindes geht es nicht darum, ihm etwas beizubringen, das es noch nicht kannte, sondern darum, aus ihm jemanden zu machen, den es noch nicht gab.“

John Ruskin

Aber was ist nur passiert? Was beeinflusst diesen Wandel? Seitdem jeder „Klaps auf den Hintern“ oder „Ohrfeigen“ als Misshandlung angesehen werden, sind Eltern etwas eingeschüchtert und Kinder nutzen diese Möglichkeit, um ihre Eltern zu manipulieren.

Diese unterdrückende Art ist für unsere Kinder keinesfalls gut, die in ihrer eigenen Familie in einem Umfeld voller Feindseligkeit und selbst als autoritäre Personen aufwachsen, was sich früher oder später rächen wird.

Der Verstand eines autoritären Kindes

Wenn ein Kind eine Verhaltensstörung aufweist, durch welche es autoritär auftritt, entscheidet es immer darüber, was gegessen wird, was andere machen sollen, wann etwas unternommen wird, wo die Familie in den Urlaub hinfahren wird, was im Fernseher läuft, etc. – kurz gesagt, bestimmt es über sich und andere.

Trauriges Kind

Woher kommt diese Verhaltensauffälligkeit? Diese Kinder haben ein unterentwickeltes Mitgefühl. Das heißt, dass sie nicht dazu in der Lage sind, die Gefühle ihrer Mitmenschen nachvollziehen zu können.

Wenn wir den „Befehlen“ eines autoritären Kindes nicht Folge leisten, müssen wir Geschrei, Wutanfälle und manchmal auch Aggressionen über uns ergehen lassen. Auf diese Art und Weise wird aus einem autoritären Kind ein kleiner Tyrann. Anhand der folgenden Charaktereigenschaften ist es sehr leicht, ein autoritäres Kind zu erkennen:

  • Es ist egozentrisch
  • Ist leicht frustriert
  • Kann sich und seine Gefühle nicht kontrollieren
  • Kann es nicht tolerieren, wenn seinen Forderungen nicht nachgekommen wird
  • Kennt die Schwächen der anderen
  • Ist ein Experte darin, sein Umfeld psychologisch zu manipulieren

Sobald wir diese Eigenschaften bei einem Kind erkennen, fragen wir uns manchmal, wieso wir nicht dazu in der Lage sind, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Vor allen Dingen geht es uns so, wenn wir ein Außenstehender sind. Viele Fernsehsendungen behandeln diese Problematik. Wieso können Eltern nicht konsequent handeln? Ganz einfach: weil sie Angst haben, aber vor allem, weil sie zugelassen haben, dass ihre eigenen Kinder sie unterdrücken.

Maedchen sitzt neben Treppe mit Vogel

Wie wichtig Erziehung doch ist

Aus für uns unbekannten Gründen gibt es Eltern, die ihre Kinder passiv und zu entspannt erziehen, was dazu führt, dass diese Kinder auf kurze oder lange Sicht zu kleinen Tyrannen werden. Das verursacht nicht nur daheim Probleme, sondern auch in der Schule. Wie sollen Lehrer mit dieser autoritären Persönlichkeit umgehen?

Diese Kinder kennen keinen Respekt, keine Entschuldigungen, etc. Sie wissen schlichtweg nicht, welche Rolle sie spielen. Daher werden sie zu fordernden Personen, die in ihrem Leben kein Ziel haben und jeder muss nach ihrer Pfeife tanzen. Ihre Eltern haben sich dazu entschlossen, ihre Kinder passiv zu erziehen, ohne jegliche Konsequenzen, was sie aber irgendwann bereuen werden.

Wir alle wissen, dass die Erziehung eine anstrengende, komplizierte Aufgabe ist, die uns viele Bemühungen und Energie kostet, die wir hin und wieder nicht haben oder nicht haben wollen. Doch wenn wir uns dazu entschließen, Kinder zu bekommen, ist das eine der Grundvoraussetzungen, die wir akzeptieren müssen. Wir übernehmen die Verantwortung dafür, unsere Kinder zu erziehen, was nun mal mit Anstrengungen einhergeht.

Gerade weil es noch Kinder sind, könnten wir glauben, dass wir noch Zeit hätten, um diese Verhaltensweise zu ändern, die uns momentan über den Kopf wächst. Aber das Problem ist, dass das Jugendalter schneller kommt als uns lieb ist und wir uns dann mit widersprüchlichen Aktionen konfrontiert sehen, die mit einem aggressiven Verhalten enden können. Dieser Reifeprozess ist dann von Vorgehensweisen bestimmt, die sie als „richtig“ erachten. Jedoch verlieren sie ihre Zeit und glauben, dass sie das Leben in vollen Zügen auskosten, wobei sie es Stück für Stück verlieren.

Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass wir uns als Eltern bemühen, damit auch unsere Kinder den Wert der Anstrengung lernen und verstehen, dass es wichtig ist, verantwortungsbewusst und respektvoll mit anderen umzugehen.

Mutter liest ihrem Kind ein Buch vor

Grenzen zu setzen ist wichtig. Wir ziehen kleine Wesen groß, die in dieser Welt aufwachsen werden und auf die wir stolz sein können. Wenn uns das nicht kümmert, dürfen wir auch keinen Wandel erwarten.

Autoritäre Kinder ecken oft an, bis sie etwas lernen oder verstehen. Aber sie werden niemals verstehen, wieso ihnen niemand die Hand gereicht und sie von Anfang an erzogen hat.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Nicoletta Ceccoli, Iván Alfaro