„In A Heartbeat“: Ein wunderbarer Kurzfilm über zwei verliebte Jungs

25. April 2018

In a Heartbeat  ist der Titel eines Stummfilms, der in den sozialen Netzwerken ein absoluter Hit geworden ist. Das liegt daran, dass er einfach und unverklärt die Anfänge der Liebe zwischen zwei Jugendlichen zeigt. Das Video zeigt, wie einer der Jungen errötet, als er den anderen sieht, und wie andere Leute wegblicken, als sie zu erahnen glauben, was da gerade passiert, was jedoch noch nicht definitiv ist …

Der Schlüssel zum Erfolg dieses Films liegt darin, wie er die Gesellschaft mit homosexueller Liebe in einer frühen, aber deshalb nicht weniger komplizierten Zeit der Identitätsfindung konfrontiert. Es geht um die Jugend, eine Zeit, in der junge Erwachsene zu fühlen beginnen und Kinder immer noch nicht wissen, woher diese intensiven Gefühle kommen.

In a Heartbeat  klärt, was homosexuell nicht bedeutet

Wir leben in einer eher toleranten Gesellschaft, wenn wir auf eine globale Skala schauen. Aber das heißt nicht, dass es nichts mehr zu tun gäbe und bei uns kein dominantes Modell der Sexualität vorherrschen würde. Während wir grundsätzlich tolerant gegenüber Heterosexualität sind, ist die Gesellschaft bezüglich der Homosexualität noch sehr unsicher.

Das heißt, wir sind restriktiv, was manche unserer Werte und Überzeugungen anbelangt, während wir hinsichtlich anderer sehr ausdrucksstark sind. All dies geschieht im Rahmen dessen, was wir als akzeptable Form der Sexualität betrachten – und was wir glauben, was der Gesellschaft akzeptabel scheint. Daraus entsteht Unsicherheit, vor allem in folgenden Punkten:

  • Erkennen und Akzeptieren, dass man sich von bestimmten Faktoren, die das Objekt der Begierde ausmachen, angezogen fühlt.
  • Für sich eine sozio-sexuelle Kategorie definieren, die nicht notwendigerweise einem vorgegebenen Schema entsprechen muss.
  • Sie sollte auch nicht auf das Sexualverhalten beschränkt oder mit Sexualverhalten verwechselt werden.
  • Sie umfasst Aspekte wie emotionale Bindung, Anziehung, erotische Fantasien und natürlich Sexualverhalten.

Es gilt Mythen und Vorurteile niederzureißen. Was Homosexualität nicht bedeutet, ist:

  • Dass man in allen Fällen eine Anziehung spürt, ein Begehren, Fantasien hegt, und reagiert, wenn man einer Person des gleichen Geschlechts gegenübersteht. Auch ein heterosexueller Mensch denkt doch nicht 24/7 an Sex.
  • Dass man keine freundschaftlichen Kontakte zu gleichgeschlechtlichen Personen pflegen könnte.
Verzweifelte Frau beugt sich über ihre Knie

Verwirrung und Gesellschaft

Jemand mit einer Identität und Orientierung, die sich von der Heterosexualität unterscheidet, die innerhalb des dominanten Models binär normiert wurde –  nämlich als Mann und Frau -, kann sensibel auf seine Gefühle der Anziehung reagieren, sie können ihm Probleme bereiten. Da sind Zweifel und Unsicherheit, Angst vor Ablehnung. Für den Jugendlichen bedeutet das eine Zeit der Verwirrung, die die Gesellschaft allerdings mitverarbeiten kann.

Kurzfilme vermitteln diese Aufgabe, entstigmatisieren Anziehung und Liebe, egal zu wem, egal auf Basis welcher sexuellen Orientierung. Deshalb helfen Filme wie In a Heartbeat  den Zuschauern, die Gefühle in ihrem Inneren zu verstehen und zu bestätigen. Gefühle, die sie nicht vielleicht nicht akzeptieren wollen und unterdrücken.

In den meisten Fällen vergehen Jahre, bis eine Person ihre andersartige sexuelle Orientierung akzeptiert. Dieser Prozess bedarf der Akzeptanz von Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen, die mit der eigenen Sexualität verbunden sind. Aber Zeit allein reicht dazu nicht aus. Es ist notwendig, dass Barrieren abgebaut werden, die diese Akzeptanz erschweren.

Junge stützt seinen Kopf auf seine Arme und weint

Die Schwierigkeit, homosexuell und ein Kind zu sein

Diese Barrieren bestehen weiterhin, weil sie nicht angesprochen und unterrichtet werden. Die meisten Menschen mit heterosexueller Orientierung wissen, wie sexuelles Verhalten zwischen Männern und Frauen aussieht. Aber können wir das Gleiche über die Beziehung Mann-zu-Mann oder Frau-zu-Frau sagen?

Diese Unkenntnis ist ein Beleg dafür, dass Menschen mit homosexueller Orientierung bei Null anfangen müssen. Das heißt, sie müssen sich an „besondere Orte“ zuwenden, um ihre Sexualität zu erforschen. Tatsächlich bedeutet die Existenz dieser Orte, dass es einen Mangel hinsichtlich der Toleranz sexueller Orientierungen gibt, die nicht dem traditionellen Konzept entsprechen. Das ist Diskriminierung.

Vielleicht gilt es auch, darüber zu reflektieren, warum der Inhalt von In a Heartbeat überhaupt solcher Aufmerksamkeit bedarf. Aber die Antwort ist leicht zu geben: Weil es immer noch Gruppen in der Gesellschaft gibt, die Unterschiede in der Sexualität nicht verstehen und nicht tolerieren wollen. Deshalb ist es für uns so wichtig, diese Informationen zu verbreiten. Denn wenn es um Sexualität geht, gilt es noch viele Barrieren abzubauen und Toleranz zu schaffen.

Beginnen wir mit In a Heartbeat.