Haiku, um deine Gefühle zu befreien

20. Dezember 2017

Ein Haiku ist ein kurzes Gedicht, dass vom Gefühl des Moments inspiriert wird, durch das Staunen und durch die Verbindung mit der Natur. Es ist eine japanische Tradition, die die Dinge bis auf die Seele zurückführt und dabei hilft, sich wieder zu erholen und neuen Mut, Widerstandskraft und Stärke zu gewinnen. Seine in der Tat reinigende Wirkung und befreiende Natur machen es zu einem perfekten psychologischen Werkzeug. Zusätzlich zu seiner ästhetisch befriedigenden Natur, kann man Haiku auch dazu benutzen, um seine Gefühle zu befreien.

Einige Menschen sagen, dass das Gehirn wie ein Museum von unendlich langen Gallerien ist, die aus verzerrten Bildern bestehen. Es ist nicht immer einfach, eine Bedeutung in dem zu finden, was dort ausgestellt ist. Aus diesem Grund kann es nützlich sein, andere künstlerische Techniken zu benutzen, um einen Sinn, Ordnung und Ruhe inmitten des ganzen Chaos zu finden.

Dieser schmale Weg!
Nicht ein einziger Mensch kommt
in dieser Herbstnacht.

Matsuo Basho

Das ist, was Haikus erreichen können. Haikus sind kurze Gedichte, die aus drei Versen mit 5,7, und 5 Moras oder Silben bestehen. Das Ziel eines Haiku ist es, sich universelle Themen aus der Perspektive eines Kindes anzusehen. Ein Haiku zielt darauf ab, vom gewöhnlichen zum magischen hinüberzugehen und dabei den Lärm von zwanghaften und grüblerischen Gedanken abzustellen. Die Idee ist hierbei, im Gefühl des Moments eingeschlossen zu bleiben.

Für viele Menschen ist es fast so, als ob man die Welt durch einen Tautropfen hindurch betrachtet. Es geht hierbei darum, mit einem bestimmten Moment in Verbindung zu bleiben, um eine andere Perspektive zu gewinnen. Man sieht dann Dinge durch eine Linse, die alles intensiver und heller erscheinen lässt.

Ein Haiku Gedicht

Haiku als ein psychologisches Werkzeug

Robert Epstein ist ein bekannter Autor und Psychologe an der Harvard Universität. Er hat Bücher geschrieben wie „Das Heilige im zeitgenössischen Haiku“ und viele Artikel, die den Nutzen des Haikus als Therapie herausstellen. Dank seiner Schriften und seiner Verfechtung, wissen wir, dass diese Art des Schreibens sehr nützlich ist, um Suchtprobleme zu behandeln. In der Tat, kann ein guter Haiku, wie Dr. Epstein sagt „Wunder an einer müden Seele bewirken“.

Es ist hierbei klar, dass wir nicht über eine Behandlung sprechen, die zu einer kompletten Wiederherstellung oder Loslösung von Sucht oder Depression für sich alleine genommen führen kann. Es ist ein ergänzendes Werkzeug, das uns dabei hilft, dass wir uns mit uns selbst in Verbindung setzen. Dieses Werkzeug hilft dabei, den vergessenen Ort zu finden, an dem noch die Hoffnung lebt. Es kann uns auf den Weg der Widerstandsfähigkeit führen und zu dem Bambusfeld, wo wir stark und flexibel im Angesicht von Widerständen sein können.

Auf der anderen Seite ist es üblich, dass man den Gebrauch von Haiku mit der Welt des Zens in Verbindung bringt. Es ist hierbei aber wichtig, herauszustellen, dass es sich um eine viel ältere Praxis handelt. Obwohl es stimmt, dass die Zen Philosophie sich des Haikus bedient hat, um seine Vorstellungen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verbreiten, ist das Haiku viel älter als das Zen. Haiku war schon immer ein Kanal für japanische Männer und Frauen, um sich auszudrücken und sich gefühlsmäßig zu befreien. Die japanische Kultur benutzt Haiku, um über die Ruhe der Natur nachzudenken und um einen Weg zu finden, wie man seiner Traurigkeit, seinem Verlangen und seiner Freude eine Form gibt und sie ausdrückt.

Ist’s ein Königreich,
Dies Licht, das erlischt oder
Nur ein Glühwürmchen?
Jorge Luis Borges

Eine Landschaft in Japan

Darüber hinaus ist es interessant, festzustellen, dass viele Experten Haiku als einen hervorragenden Weg ansehen, um Achtsamkeit zu üben. Die Person, die Achtsamkeit übt, sollte sich selbst öffnen und aufnahmebereit für die Sinneswelt sein, um den Moment einzufangen und sich ihres inneren Selbst bewusst zu sein. Es ist ein tolles Werkzeug, um die Geschwindigkeit zu drosseln, seine Sorgen in Perspektive zu bringen und Gefühle der Ruhe, des Friedens und des Mitleids zu erzeugen.

Wie man ein gutes Haiku schreibt

Matsuo Basho ist der berühmteste Dichter aus der Edo Epoche in Japan. Er ist auch einer der Dichter, der am erfolgreichsten darin war, den Gebrauch des Haiku bekannt zu machen. Nach seinen Worten, ist ein gutes Gedicht solch eins, dass die Essenz des Moments einfängt. Ein gutes Haiku drückt einen Augenblick aus, den man mit sich, seiner Seele und der Natur teilt.

  Der Frühling scheidet:
Die Vögel weinen – selbst den Fischen
kommen die Tränen.

Matsuo Basho

Wenn man also diese therapeutische Kunst versuchen will, dann sollte man den Anweisungen weiter unten folgen. Es ist hierbei wichtig, zu bemerken, dass der wahre Nutzen eines Haikus dann entsteht, wenn man in der Lage ist, die Regeln, das Metrum und die Struktur zu vergessen. Das kommt mit der Zeit und mit der Übung. Wenn man sich daran hält, dann kann man wirklich sein Denken befreien.

  • Ein Haiku reimt sich nicht und hat keinen Titel.
  • Das ideale Metrum für ein Haiku sind 5 Silben in der ersten Zeile, 7 in der zweiten, und 5 in der dritten.
  • Verben stören, denn man soll keine Bewegung ausdrücken. Der Gedanke hierbei ist, ein unbewegliches Bild oder ein Gefühl einzufangen.
  • Das Verb „sein“ sollte nicht eingefügt werden, denn es ist schon enthalten.
  • Die Einfachheit hat das Sagen.
  • Haiku ist kein reflexives oder zu Ende geführtes Gedicht.
  • Ein gutes Haiku drückt etwas aus, das über den Moment hinausgeht. Doch zur selben Zeit ist es etwas, das nur „in dem Moment“ ausgedrückt werden kann.
  • Ein Haiku neigt dazu, den „Kigo“ einzubeziehen, oder eine Anspielung auf die Natur oder die gegenwärtige Jahreszeit.
  • Haikus sind privat, sie beziehen sich nur auf uns. Deswegen sollten wir nur einfache oder simple Bilder imitieren oder benutzen…Ein gutes Gedicht verlangt Intimität, Bewusstsein und gefühlsmäßige Freiheit.
Mehrere Pflanzen mit Haiku

Zusammenfassend gesagt, denk daran, dass ein Haiku ein Pinselstrich in der Zeit ist, der aus dem Herzen der Person kommt, die es geschrieben hat. Es ist ein Kanal, ein Seufzen, das wir herauslassen, um uns selbst für uns selbst auszudrücken. Ein einfacher Ratschlag, den man berücksichtigen sollte, ist dass die schönsten Haikus diejenigen sind, die im dritten Vers einen Sprung machen. Die ersten zwei Zeilen sind eine einfache Einleitung, und der dritte hinterlässt den besten Eindruck.