Chemsex: Eine gefährliche Sexualpraktik

24. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Chemsex - Menschen, die auf einem Konzert sind

In den letzten Jahren wurde eine Zunahme jener gefährlichen Sexualpraktik, die als Chemsex bezeichnet wird, registriert. Chemsex wird besonders häufig in Städten mit großer Bevölkerungsdichte praktiziert. Ursprünglich kommt diese Praktik aus Großbritannien und erstmals beschrieben wurde sie im Jahr 2012. Nach und nach wurde diese Art von Sex auch in anderen Ländern populär.

Aber was ist Chemsex? Der Begriff setzt sich offensichtlich aus den zwei Wörtern „Chemie“ und „Sex“ zusammen. Das bedeutet also, dass es bei dieser Sexualpraktik um die Kombination von Drogen und Sex geht. Diese explosive Mischung führt dazu, dass Menschen Grenzen überschreiten und so einer neuen Art von Sucht Platz gemacht wird.

Was ist Chemsex?

Diese neue Form des sexuellen Experimentierens beinhaltet den Drogenkonsum. Das Ziel von Chemsex ist es, die sexuelle Lust zu steigern. Es werden Betäubungsmittel genutzt, um genau dieses Ziel zu erreichen.

Ekstase, Kontrollverlust und der Abbau von Hemmungen sowie weitere Nebenwirkungen von Drogen können die Libido eines Menschen tatsächlich erhöhen. Die Folgen sind, dass er länger Sex hat oder aber mehr Experimentierfreudigkeit während des Geschlechtsverkehrs zeigt. Zumindest glauben das die Leute, die Chemsex haben.

Menschen, die auf einer Party in einem Club sind

In diesem Kontext, in dem Menschen Chemsex haben, verändert sich die Bedeutung des Drogenkonsums. Der Gebrauch des Suchtmittels ist jetzt nicht mehr nur durch seine entspannende oder euphorisierende Wirkung definiert. Anders ausgedrückt, es ist nicht alleine die angenehme Wirkung der Droge, die den Konsumenten interessiert. Das Besondere an dieser Art von Sex ist, dass sie für einen ganz bestimmten Zweck konsumiert wird, nämlich um Hemmungen zu verlieren und sexuelle Ekstase unter dem Einfluss von Narkotika zu erleben.

Die Drogen, die am häufigsten beim Chemsex genutzt werden, sind Mephedron, Methamphetamine und Liquid Ecstasy. Konsumenten nehmen diese Betäugunbsmittel jedoch auch zusammen ein oder kombinieren sie mit anderen wie Kokain, Poppers und Alkohol.

Häufig werden Menschen durch Berichte in den sozialen Netzwerken neugierig auf Chemsex. Denn die Fülle an Apps und Kontaktmöglichkeiten, die das Internet bietet, machen es einfach, mit Sexualpraktiken wie Chemsex in Kontakt zu kommen. Gerade wenn das Partyleben von Marathon-Exzessen geprägt ist, die manchmal ein ganzes Wochenende, von Freitag bis Sonntag andauern. Tatsächlich trifft sich die Mehrheit der Menschen, die Chemsex haben, über Apps. Grindr scheint dabei eine der beliebtesten Anwendungen zu sein.

Welche Personen haben Chemsex und warum ist er so gefährlich?

Die Mehrheit der Chemsex-Praktizierenden sind Männer, die Sex mit Männern haben: Laut einem Bericht einer Online-Ressource für HIV-Betroffene waren 39 % der Menschen, die Chemsex hatten, hoch qualifiziert, 84 % waren berufstätig und 96% waren Männer, die Sex mit Männern hatten. Ein geringer Teil der Menschen, die diese Spielart von Sex praktizieren, sind jedoch anderes sexuell orientiert.

Wenn wir darüber nachdenken, was Chemsex bedeutet, fällt es uns nicht schwer zu verstehen, dass das größte Risiko die Drogenabhängigkeit ist. Was zunächst mit gelegentlichem Drogenkonsum beginnt, kann schnell in die Sucht führen.

Neben der Sucht besteht ein hohes Risiko, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken. In der Tat wurden in vielen Städten jüngst wieder besorgniserregende Anstiege der HIV-Neuinfektionen registriert. Hemmungslosigkeit und sexuelle Rücksichtslosigkeit werden durch Chemsex gefördert. Infolgedessen ist die Wahrscheinlichkeit größer, ungeschützten Sex zu haben. Außerdem kann eine einzige Chemsex-Nacht durchaus Sex mit mehreren Partnern bedeuten.

Drogenübergabe zwischen zwei Männern

Chemsex hat auch das Wiedererstarken von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, wie Hepatitis B und C, begünstigt. Diese Arten von Krankheiten waren in den 80er Jahren hochprävalent, was mit dem Heroin-Boom der damaligen Zeit zusammenhängt. Konsumenten, die Spritzen und Kanülen teilten, waren einem hohen Übertragungsrisiko ausgesetzt. Heute sehen wir die Inzidenz dieser Infektionen wieder steigen.

Alles in allem ist es wichtig, zu verstehen, dass Chemsex nicht nur körperliche Auswirkungen hat. Denn Chemsex kann auch der Psyche schaden. Er kann Ängste und Depressionen, psychotische Störungen, visuelle und auditive Halluzinationen sowie akute oder chronische Verhaltensstörungen zur Folge haben.

Warum haben Menschen Chemsex?

Es gibt viele Gründe, warum Menschen Chemsex praktizieren. Doch einer der Hauptgründe ist, sich beim Sex sicherer zu fühlen. Menschen, die Chemsex haben, versuchen so, jene negativen Gefühle, die sie über ihre eigene sexuelle Orientierung haben, zu lindern: In unserer Gesellschaft wurde und wird Sex zwischen Männern weiterhin stigmatisiert. Diese latente Homophobie und Ablehnung des Anderen bedeutet, dass diese Art von Sex als unnatürlich oder verboten angesehen wird. Viele Schwule haben diese Ideale verinnerlicht und haben deshalb Probleme, sich selbst und ihre Sexualität zu akzeptieren.

Andere Gründe, die wir bereits erwähnt haben, spielen ebenfalls eine Rolle. Menschen nutzen Drogen beim Sex, um das Vergnügen zu steigern. Vielleicht wollen sie auch ihre körperliche Leistungsfähigkeit bzw. Ausdauer erhöhen. Schließlich machen Drogen es möglich, zu erleben, was sonst vielleicht zu schmerzhaft wäre.

Doch wie wir leicht feststellen können, überwiegen die Nachteile des Chemsex seine Vorteile bei Weitem. Folglich muss sich die Präventionsarbeit nicht nur auf die gefährdete Bevölkerungsschicht, sondern auf alle Mitglieder unserer Gesellschaft konzentrieren – vor allem auch, um Vorurteile abzubauen, die in Menschen in solche Praktiken treiben.

Auch interessant