Aspasia von Milet: Biografie der schönen Hetäre

23. Juli 2019
Aspasia war eine führende Figur im kulturellen Bereich der Demokratie in Athen und repräsentiert eine Schlüsselrolle bei der Geburt der Emanzipation der Frau.

Aspasia von Milet war eine griechische Frau, die im 5. Jahrhundert vor Christus lebte. Der Name Aspasia bedeutet „das schöne Willkommen“. Sie wurde in Milet geboren, ebenso wie einige der frühen griechischen Philosophen wie Thales, Anaximander und Anaximenes. Mit 20 Jahren verließ sie ihre Heimatstadt und zog nach Athen.

Es ist bekannt, dass sie eine schöne und intelligente Frau war; man nimmt an, dass es ihr Vater war, der sie zur Prostitution brachte. Doch im Gegensatz zu den Pornai / Huren (Prostituierte, die für gewöhnliche Menschen ohne großes Vermögen bestimmt sind), besaß Aspasia von Milet eine gute intellektuelle Bildung. Aus diesem Grund wurde sie als Teil der Hetären (Frauen mit großer Kultur, die sehr für ihre Weisheit respektiert wurden) angesehen.

Die Daten über das Leben von Aspasia sind etwas unsicher, obwohl der Name in Werken von Autoren wie Platon oder Aristophanes auftaucht. Aspasia hatte einen starken Einfluss auf das politische und kulturelle Leben Athens, insbesondere aufgrund ihrer Beziehung zu Perikles.

Der Name Aspasia erscheint jedoch nicht nur in Texten der Antike, sondern auch in Werken der Neuzeit, insbesondere als Inspiration für einige romantische Autoren des 19. Jahrhunderts. Es ist schwierig ihre Biographie vollständig nachzuvollziehen, da die meisten uns bekannten Dinge nur auf Spekulationen beruhen. Trotzdem möchten wir dich heute dazu einladen, die Bedeutung dieser Frau aus dem antiken Griechenland zu entdecken.

Das Leben von Aspasia von Milet

Als Aspasia nach Athen zog, begann sie damit, ein Bordell zu betreiben, das nur von Männern aus den wichtigsten Kreisen der Stadt besucht wurde. Unter den Besuchern waren: Sokrates, Anaxagoras und Gouverneur Perikles. Von Letzterem wir behauptet, dass er sich in sie verliebte und sie zu seiner Geliebten machte, wobei er seine legitime Frau für sie verließ.

Dieser Akt provozierte viele Komiker dieser Zeit, die auf das Paar hinwiesen und in Folge dessen wurde Aspasia von Milet zum Opfer von Lächerlichkeiten. Der Dichter Hemipo zwang sie unter doppelter Anklage vor Gericht zu erscheinen: Unverschämtheit und Zügellosigkeit. Doch Perikles half ihr, nicht verurteilt zu werden und sie erhielt die Vergebung ihrer Richter.

Aus der Vereinigung von Aspasia und Perikles entstand ihr Sohn Perikles II, der scheinbar gesagt haben soll, dass Aspasia abgesehen davon, seine Mutter zu sein, auch noch Lehrerin war. Als sie später zur Witwe wurde, heiratete sie Lysicles; aus dieser Ehe soll Poristes hervorgegangen sein.

Aspasia und Sokrates

„Bestehe hartnäckig auf dein Recht zu reflektieren, denn selbst der Akt des falschen Denkens ist besser, als überhaupt nicht zu denken.“

Hypatia von Alexandria

Frau sein in Griechenland

Einige zeitgenössische Autoren haben sie in ihren Texten zitiert, darunter auch diejenigen, die sie nach ihrem Beruf beurteilten, doch auch jene, die sich wegen ihrer Schönheit, ihrer Intelligenz und ihrer Redegewandtheit an sie erinnerten. Aspasia von Milet war in der Antike eine sehr wichtige Frau, doch unter welchen Bedingungen erlangte sie diese Anerkennung?

Die erste Frage, die dazu beantwortet werden muss, ist, wie das Leben der griechischen Frauen in dieser Zeit war. Die Wahrheit ist, dass es viele Hindernisse für Frauen gab und sie zahlreiche Einschränkungen und Verbote in der Polis vorfanden.

Frauen hatten keine Bürgerrechte, ihre Aufgaben beschränkten sich rein auf die Betreuung des Hauses und die Erziehung der Kinder. Sie waren voll und ganz vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und verließen das Haus nur, um an großen Veranstaltungen teilzunehmen. Es ist durchaus möglich, dass die Situation in Milet etwas anders aussah und die Frauen dort mehr Freiheiten besaßen als in Athen.

Eine Frau zu sein bedeutete, ein Teil von jemandem anderen zu sein, sozusagen jemandes Besitz zu sein. Je mehr Mut der Mann besaß, desto mehr Frauen durfte er laut Gesetz haben. Das heißt, Frauen wurden als eine Art „Preis“ oder Anerkennung des Mannes angesehen.

„Die Liebe war das Opium der Frauen, wie die Religion der Massen. Während wir liebten, herrschten die Männer.“

Kate Millet

Aspasia von Milet: Frau und Ausländerin

Aspasia war nicht nur eine Frau, sie musste auch noch mit anderen Etiketten leben: nämlich Ausländerin zu sein. Für die Einheimischen aus Athen galt, dass Ausländer, genauso wenig wie Frauen an den Entscheidungen der Stadt teilnehmen dürfen.

Unsere Protagonistin vereint in ihrer Person also diese beiden Zustände – zwei Formen der Andersartigkeit in einer Gesellschaft, die auf der Vorherrschaft von Männern beruht. Im Falle von Aspasia hatte sie jedoch aufgrund ihres ausländischen Status eine andere Ausbildung als die Athener und wuchs mit einer größeren Freiheit und Kultur auf.

Obwohl Aspasia von Milet eine Frau und ebenso eine Ausländerin war, hielt sie sich nicht an die Aufgaben, die ihr zugewiesen wurden, sondern kümmerte sich auch um einige der Aufgaben, die eigentlich nur Männern vorbehalten waren. Die Historikerin Eva Cantarella weist darauf hin, dass Männer in Griechenland zu dieser Zeit drei Arten von Frauen haben konnten: Ehefrauen (um für die Nachkommen zu sorgen), Konkubinen (für sexuelles Vergnügen) und Hetären (für das Vergnügen).

Aspasia von Milet: Hetäre

Auf diese Art und Weise trug Aspasia von Milet noch ein weiteres Etikett: Hetäre. Doch trotz all dem, was man in Bezug darauf denken könnte, war dieses Etikett nicht negativ behaftet, denn die Hetären waren die einzigen Frauen, die wirklich frei waren.

Sie konnten ausgehen, an den Banketten Seite an Seite mit Männern teilnehmen und sogar „zu Hause empfangen“, wenn sie das Glück hatten, von einem mächtigen Mann unterhalten zu werden. Sie waren die große Ausnahme der Bedingungen, die für Frauen in Athen herrschten und hatten einen sehr deutlichen Unterschied in Bezug auf die legitimen Ehefrauen der Männer.

Die Hetären standen in Bezug auf die Ausbildung weit über den verheirateten Frauen. Aus diesem Grund wurden sie von Politikern und Philosophen als gute Gesprächspartner betrachtet. Aspasia von Milet war etwas noch Besondereres unter den Kurtisanen, da sie das Vertrauen vieler Intellektueller und wichtiger Männer für sich gewinnen konnte.

Aufgrund ihrer Arbeit wurde sie großer Kritik ausgesetzt, doch dank dieser, verbrachte sie viel Zeit in Gegenwart der wichtigsten Männer ihrer Zeit, so wie zum Beispiel mit Sokrates. Dieser suchte sie regelmäßig auf, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen und empfahl sogar seinen Schülern, mit ihr zu lernen.

„Jener, der weiß, wie man denkt, aber nicht weiß, wie er ausdrückt, was er denkt, ist auf dem gleichen Level, wie jener, der nicht weiß, wie man denkt.“

Perikel

Eine großartige Rednerin

Die Hetären wurden tiefgehend in der Rhetorik geschult – Aspasia war hierbei keine Ausnahme. Man erzählt sich, dass Sokrates von ihrer Intelligenz höchst fasziniert war. Ihre Figur konnte sogar Platons Aufmerksamkeit auf die Fähigkeiten der Frauen lenken, wenn sie außerhalb der engen Grenzen erzogen wurden, die der Unterricht in Athen für sie vorgesehen hatte.

Dank dieser Fähigkeit erlangte sie große Anerkennung und eroberte den Gouverneur Perikles, der nicht nur aus erotischer Sicht an ihr interessiert, sondern auch in sie verliebt war. Es heißt, er habe seine legitime Frau verlassen und Aspasia zu seiner ilegitimen Frau oder Kokubine gemacht – aufgrund ihres Status als Ausländerin.

Die Komiker dieser Zeit, wie etwa Aristophanes, wiesen kritisch darauf hin, dass es Aspasia war, die die Reden von Perikles schrieb und auch die Politik ihres Mannes stark beeinflusste. Zum Beispiel bevorzugte er in einer Schlacht zwischen Milet und Samos, die ionische Stadt.

Nach dem Tod von Perikles nahm sie den Viehhändler Lisikles als ihren Geliebten, ein vulgärer Mann, der es dank ihr für einige Zeit schaffte, ebenso eine wichtige Rolle in der Politik in Athen zu spielen. So demonstrierte sie also ihre Fähigkeiten in den politischen Beziehungen ebenso wie ihren Einfluss, mit ihren Worten an die Macht zu gelangen.

Was wissen wir über ihre Reden?

Die Rolle der Frau im antiken Griechenland zu studieren impliziert das Fehlen von Beweisen ihrer Arbeit in Textform. Daher müssen wir versuchen die Geschichte ihres Lebens nachzuvollziehen, die fast immer in die Aussagen anderer Denker und manchmal in deren zweifelhafte Zuverlässigkeit verstrickt ist.

„Die Sprache, das Wort, ist eine weitere Form der Macht, eine der vielen, die uns verboten wurden.“

Victoria Sau

Aspasia spricht mit einem Philosophen

In einer Probe ihrer rhetorischen Fähigkeiten fragte sie Xenophon und Filesia, ob sie die Ehemänner ihrer Nachbarn bevorzugen würden, wenn diese besser wären, als ihre eigenen Partner. Als niemand diese Frage beantwortete, sagte sie: „Wenn beide den besten Ehemann und die beste Ehefrau haben wollen, wollen beide der beste Ehemann beziehungsweise die beste Ehefrau sein.“

Hier kan man deutlich die Freude erkennen, die sie mit jedem Wort zum Ausdruck bringt. Diese rhetorische Komposition ist kein Argument, das die logische Wahrheit zum Ausdruck bringt, sondern ein Diskurs, der das Ohr erfreut und das Paar zum Zusammenleben anregen soll.

Etwas Ähnliches geschah mit der Gefallenenrede des Perikles, welche an all jene Menschen adressiert war, die im Kampf getötet wurden. Aspasia verwirrt hier durch den Vergleich tugendhafter Dinge mit den echten Dingen ohne Tugend.

Feministische Figur

Aspasia von Milet war eine der bedeutendsten Figuren Griechenlands im fünften Jahrhundert vor Christus, deren Merkmale nicht der traditionellen Rolle der Frau entsprechen, die man in Athen als die Rolle einer „guten“ und „ehrenwerten“ Frau betrachtete.

Die einzige Rolle der Frau war es damals, der Schatten ihres Mannes zu sein und so gut wie unbemerkt zu bleiben. Ihr Bild stand also sozusagen im Kontrast zu dem der meisten Athenerinnen der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Christus.

Aspasia war eine führende Figur im kulturellen Bereich der Demokratie in Athen und repräsentiert eine Schlüsselrolle bei der Geburt der Emanzipation der Frau. Mit ihrem Unterricht für die neuen jungen Athenerinnen trug sie dazu bei, dass diese Frauen künftig in das öffentliche Leben der Stadt eingreifen durften. Ebenso verteidigte sie in ihren Reden auf diskrete Art und Weise die Würde der Frauen.

Dies ermöglicht es uns, zum ersten Mal, das Weibliche in der Geschichte wahrzunehmen, was Aspasia von Milet zur Hauptrepräsentantin einer anderen Art der Interpretation vom Athen unter Perikles macht und zeigt, dass es auch Raum für Frauen gab.

  • Calvo Martínez, J.L., (1995): La mujer en la época helenística” en Hijas de Afrodita: la sexualidad femenina en los pueblos mediterráneos. Madrid, Ediciones Clásicas.
  • Cantarella, E., (1991): La calamidad ambigua; Condición e imagen de la mujer en la antigüedad griega y romana. Madrid, Ediciones clásicas.
  • Gleichauf, I., (2010): Mujeres filosofas en la historia: Desde la antigüedad hasta el siglo XXI. Barcelona, La Desclosa.
  • González Suárez, A., (1992): Lo femenino de Platón. Madrid, Universidad Complutense, pp. 34-35.