6 Modelle der politischen Psychologie

Der Einfluss verschiedener psychologischer Schulen sowie einer Vielzahl verwandter Disziplinen hat zu unterschiedlichen Modellen in der politischen Psychologie geführt. Erfahre mehr darüber!
6 Modelle der politischen Psychologie

Letzte Aktualisierung: 23. August 2021

In der politischen Psychologie gibt es verschiedene Modelle, wobei dieser Bereich im Allgemeinen sehr umstritten ist. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Erstens ist es ein Fachgebiet, in dem viele Disziplinen zusammenlaufen. Die vorherrschende Inzidenz der einen oder der anderen bestimmt die verschiedenen Modelle.

Ein weiterer Grund, warum es so viele Modelle in der politischen Psychologie gibt, ist die Politik selbst. In diesem Wissensbereich geht es darum, bei der Analyse der Macht einen Standpunkt einzunehmen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Perspektiven, die ihrerseits zu Analysemodellen werden.

Schließlich ist in diesem Wissenszweig der Kontrast nicht vermeidbar, der sich aus der Existenz verschiedener Schulen und Strömungen in der Psychologie ergibt. Auch dieser Faktor trägt zu einer nuancierten Betrachtung der politischen Phänomene bei. Daraus ergeben sich die sechs Modelle der politischen Psychologie, die wir im Folgenden vorstellen.

“Unserer Meinung nach ist es wichtig, dass wir wissen, was und für wen wir arbeiten, wenn wir in der Psychologie tätig sind. Und wir sind der Meinung, dass die politische Psychologie ein praktisches Feld für die Reflexion über diese brennenden Fragen ist.”

Elio Rodolfo Parisí

6 Modelle der politischen Psychologie

1. Kritische Psychologie der Befreiung

Dieses Modell der politischen Psychologie betrachtet Macht aus einer kritischen Perspektive. Es entstand in den 80er Jahren in Lateinamerika unter der Leitung von Martín Baró. Es basiert auf der Idee, dass politische Phänomene im Hinblick auf die Suche nach sozialem Wandel betrachtet werden müssen.

Der Untersuchungsgegenstand, d. h. Macht und politische Aktivitäten, wird aus der Perspektive der unterdrückten Gruppen analysiert – in ihrem spezifischen Kontext und mit dem Ziel, das Bewusstsein der sozialen Akteure für die Handlungen der Macht zu schärfen.

2. Psychopolitische Kollektivpsychologie

Dieses Modell entpuppt sich als ein Feld, das zusammen mit der Sozialpsychologie zu einem viel größeren Wissensgebiet gehört, das als Kollektivpsychologie bezeichnet wird. Es wurde in Lateinamerika von Fernández Christlieb entwickelt.

Diese Perspektive schlägt die Analyse politischer Phänomene als Ausdrucks- und Interpretationssysteme der Realität vor. Dank dieser Systeme werden Erfahrungen, Gegenstände und Ereignisse geschaffen und entdeckt, die mit Bedeutung ausgestattet sind und zusammen die kollektive politische Realität ausmachen.

3. Rhetorisch-diskursives Modell der politischen Psychologie

Dies ist eines der jüngsten Modelle der politischen Psychologie und geht auf die konstruktivistische Schule zurück. Diese Denkschule besagt im Wesentlichen, dass die Realität in der Sprache liegt, die sie konstruiert. Diese wird durch Prozesse der Benennung, Entschlüsselung, Erklärung und Bedeutungszuweisung geprägt.

Im Rahmen des rhetorisch-diskursiven Modells sollte die politische Psychologie die Konstruktion und Funktion des politischen Diskurses untersuchen. Hier sind die Gründe, Rechtfertigungen, Ursachen und Wirkungen des politischen Verhaltens zu finden. Der politische Akt ist ein Sprechakt.

4. Psychohistorisches Modell

Es handelt sich um ein Modell, das darauf abzielt, den Marxismus und die Psychoanalyse bei der Untersuchung der politischen Phänomene zu vereinen. Seine treibende Kraft war Wilhelm Reich, der das Konzept des “Freudomarxismus” vorschlug. In dieser Perspektive ist der historische Faktor von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis der politischen Prozesse von Individuen und Gesellschaften.

Die Analyse politischer Ereignisse wird auf der Grundlage historischer Dokumente von Einzelpersonen und Gruppen erarbeitet. Die Analyse von Psychobiografien ist ein zentrales Element dieses Ansatzes. Denn die zentrale Idee hinter diesen Modellen ist, dass psychologische Phänomene die Entwicklung und Charakterisierung von politischen Gruppen und Bewegungen beeinflussen.

5. Rationalistisches Modell der politischen Psychologie

Von allen Modellen der politischen Psychologie ist dies dasjenige, das der kognitiv-behavioralen Strömung am nächsten kommt und in Ländern wie den Vereinigten Staaten besonders wichtig ist. Obwohl es innerhalb dieser Perspektive verschiedene Ansätze gibt, besteht der gemeinsame Nenner darin, dass sie politisches Verhalten als das Ergebnis überlegten Handelns betrachten.

Daraus folgt die Vorstellung, dass politische Handlungen aus bewussten Motivationen, aus Prozessen des Vergleichs, der Entwicklung und der Entscheidungsfindung entstehen. Politisches Verhalten ist auf die Suche nach Ausgewogenheit, Kohärenz und Gleichgewicht mit dem sozialen Kontext, in dem es entsteht, ausgerichtet.

6 Modelle der politischen Psychologie

6. Materialistisches Modell

Dieser Ansatz basiert wie der psychohistorische Ansatz auf der Idee, dass historische Fakten für das Verständnis politischer Phänomene grundlegend sind. Auch hier wird die Prämisse aufgestellt, dass das sozioökonomische Leben das kollektive Leben und damit die Politik bestimmt. Darüber hinaus misst dieses Modell der Untersuchung von Ideologie- und Entfremdungsprozessen große Bedeutung bei. Es geht davon aus, dass diese immer mit bestimmten Interessen verbunden sind und zur Aufrechterhaltung von Ungleichheiten in der Gesellschaft beitragen.

Man kann sagen, dass alle diese Modelle der politischen Psychologie noch in den Kinderschuhen stecken. Sie sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden und haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und bereichert, befinden sich aber noch im Aufbau.

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  • Parisí, E. R. (2008). Definiendo a la psicología política. Boletín (Sociedad de Psicología del Uruguay. En línea), (46), 20-38.