4 Wege, effektiv und elegant (!) zu widersprechen

2. Mai 2018 en Psychologie 4 Geteilt
Effektive widersprechen - 8 Fische sind in einer Runde. Ein Fisch verlässt den Schwarm.

Effektiv zu widersprechen ist eine sehr sinnvolle Kunst, dank derer du verhindern kannst, in eine blanke Diskussion zu verfallen. Außerdem schaffst du dir so eine Umgebung, die Konflikten keinen Nährboden bietet und vertrittst deine Meinung auf elegante Weise. Wir können all dies erreichen, ohne anzugreifen oder zu beleidigen. Ohne Frage ist dies eine Fähigkeit, die auf intelligentem Widersprechen beruht. Wir alle sollten wissen, wie man diese Art des Widersprechens im Alltag anwenden kann.

Seien wir doch mal ehrlich. Wenn es etwas gibt, von dem viele nicht wissen, wie man es richtig tut, dann ist es das Widersprechen. Darüber hinaus gibt es immer noch einige Menschen, die das Widersprechen einem Kampf gleichsetzen. Es geht in einer Diskussion jedoch nicht darum, den Gegner auf den Boden zu zwingen, sondern darum Kernidee deutlich zu machen. Zu widersprechen bedeutet, dass man nicht mit einem Gedanken oder einer Meinung übereinstimmt und dies ausdrückt, ohne dass dazu eine Bedrohung oder eine Anklage ausgesprochen wird.

„Es ist besser, ein Thema zu diskutieren, ohne eine Lösung zu finden, als eine Lösung zu finden, ohne dass zuvor diskutiert wurde.“

Joseph Joubert

Außerdem sollten wir uns auch bewusst sein, dass eine Nicht-Zustimmung uns in gewisser Art und Weise einzigartig macht. Sie gibt dir die Möglichkeit, deine eigene Meinung zu haben und zu verteidigen. Du musst auf intelligente Weise diskutieren, um den kommunikativen Prozess und die Beziehung selbst zu bereichern.

Heutzutage bedeutet Widersprechen oftmals eine plötzliche Polarisierung, während der zwei Menschen ernsthaft glauben, einen absoluten Wahrheitsanspruch zu haben. Bald schon sind ihre Kommentare frei von stichhaltigen Argumenten. Ehe man sich versieht, entsteht ein Streit, in dem niemand gewinnen und alle nur verlieren können. Genau dies können wir in sozialen Netzwerken beobachten. Auch für politische Diskussionen ist es typisch. Deswegen ist es dringend angeraten, zu lernen, effektiv und elegant zu widersprechen, um solche sinnlosen Situationen zu vermeiden. Wir stellen euch vier Strategien vor, mit deren Hilfe euch das gelingt.

Zwei Menschen streiten sich.

1. Die Kunst, ruhig zu bleiben

Menschen, die geschickt widersprechen, kennen ein ganz einfaches Geheimnis: Um effektiv zu widersprechen, musst du ruhig bleiben. Du solltest dem Sprechenden aufmerksam zuhören und verstehen, dass nichts von dem Gesagten persönlich gemeint ist. In dem Moment, in dem du das Gesagte als Angriff oder Bedrohung auffasst, wird der Streit beginnen und niemand kann mehr gewinnen. Will sagen, wenn dir die Person vor dir erzählt, dass die schönste Farbe der Welt grün sei, dann musst du keinen Streit entfachen, nur weil du glaubst, gelb sei schöner.

Deswegen ist es eine gute Idee, unvoreingenommen und entspannt zu bleiben. Gib den Argumenten anderer Personen nicht die Kraft, in dir Emotionen auszulösen. Und verstehe auch, dass zum Widersprechen nicht gehört, den anderen anzugreifen oder seine Meinung gering zu schätzen.

2. Widersprechen ist eine nützliche Übung

In unserem Alltag stolpern wir sehr oft darüber. Menschen sind daran gewöhnt, die Welt nur aus ihrem eigenen Betrachtungswinkel zu sehen. Eine logische Argumentation kann so unmöglich werden. Deswegen tendieren wir manchmal dazu, ruhig zu bleiben und vorzugeben, zuzustimmen. Wir vermeiden es „Ich bin nicht deiner Meinung“  zu sagen, sei es aus Müdigkeit oder um einfach, um keine Zeit zu vergeuden.

Begehe diesen Fehler nicht. Mit dem Widersprechen wirst du viele neue Dinge erlernen. Erstens bestätigst du dir selbst deine Identität, deinen Selbstwert und deine Meinungen. Zweites wirst du dadurch ein gutes Stück sozialer. Es wird deine Beziehungen bereichern und dir erlauben, immer nach dem zu gehen, was du fühlst, sagst und tust.

Tatsächlich wird in Bezug auf Organisationen und in der Arbeitswelt Folgendes gesagt: Wenn 10 Personen an einem Meeting teilnehmen und sie alle einer Meinung sind, dann sind 9 Personen mehr vorhanden als nötig. Heißt auch, dass der Chef nicht unbedingt immer im Recht sein muss. Widersprechen erzeugt neue Ideen, eine große Anzahl an neuen Gedanken und menschliches Potenzial.

Zwei Menschen ziehen jeweils am Ende eines Seiles, das in einem riesigen Knoten verworren ist.

3. Achte auf den Ton deiner Worte

Oft ist es so, dass sich der Klang unserer Worte verändert und wir unsere Stimme erheben, wenn wir mit einer Tatsache, einem Konzept oder einem Gedanken nicht einverstanden sind. Genau in dem Moment werden unsere Argumente keine Rolle mehr spielen, weil der drohende Ton dem Konflikt Nährboden gibt und zu einem Moment der Spannung führen wird.

Um dies zu vermeiden, sollte man lernen, seine Gefühle zu steuern. Auch hier musst du wieder verstehen, dass es nicht als Angriff gedeutet werden darf, wenn man einer Sache widerspricht. Beobachte deine Gefühle und achte auf deinen Tonfall.

„Wenn du eine Person dazu gebracht hast, ruhig zu sein, heißt das nicht, dass du sie überzeugt hast.“

Joseph Morley

4. Die Paul-Graham-Theorie

Paul Graham ist ein britischer Informatiker und Essay-Schreiber, dem sein englischsprachiges Werk mit dem Titel How to Disagree  (zu Deutsch: Wie man widerspricht)  im Jahre 2008 erheblichen Ruhm beschert hat. Er sagt, dass wir, um zu widersprechen, erst verstehen müssen, dass es mehrere Ebenen einer Diskussion gebe. Dabei könne es Ebenen geben, die zu wenig sinnvollen Szenarien wie Beleidigungen und Anklagen führen.

Um dies zu verhindern, müssen wir zum höchsten Punkt der folgenden Skala vordringen. Nur dann können wir  effektiv und elegant widersprechen. Wir müssen an der argumentativen Spitze bleiben. Mit der Zeit kann man lernen, wie das geht.

Die Skala

  1. Beschimpfungen: Die klingen wie „Du bist ein Arschloch!“.
  2. Beweisrede gegen den Menschen: Die Charakterzüge oder die Autorität der redenden Person werden attackiert, ohne das eigentliche Argument angesprochen wird.
  3. Den Ton kritisieren: Der Ton des Gesprochenen oder Geschriebenen wird kritisiert, ohne dass das Argument selbst angegangen wird.
  4. Widerspruch: Es wird das Gegenteil behauptet, trotz wenig oder ganz und gar fehlenden Beweismaterials.
  5. Gegenargument: Widerspruch und wiederholter Widerspruch, jedoch mit stichhaltiger Argumentation und/oder Beweismaterial.
  6. Widerlegung: Wer widerlegt, findet den Fehler und erklärt, worin er besteht. Zitate werden angebracht, um die eigene These zu stützen.
  7. Widerlegung des Kernpunktes: Es werden Beweise gegen das zentrale Argument angebracht.

Wie du in dem Diagramm sehen kannst, solltest du dich auf die Ebenen mit den Nummern 4, 5, 6 und 7 konzentrieren, wenn es dir darum geht, Diskrepanzen aus der Welt zu schaffen. Die Ebenen 1, 2 und 3 basieren auf Attacken, Vorwürfen und Angriffen. Daher wäre es ideal, wenn du in allen deinen Konversationen, in denen du jemandem widersprichst, Folgendes erreichst:

  • Diskutiere konstruktiv und sinnvoll über den Kernpunkt der Uneinigkeit.
  • Stelle sicher, dass die andere Person deinen Standpunkt versteht. Liefere dazu gegensätzliche Argumente und Gründe, warum der Gegenpart nicht im Recht ist oder warum der Gegenstand seiner Argumentation nicht gültig ist. Du musst wissen, wie du Gegenargumente gewandt und flüssig präsentierst.
  • Bringe die andere Person dazu, einzusehen, dass es keinen konkreten und verlässlichen Beweis für ihr Argument gibt. Das ist vor allem dann sehr nützlich, wenn uns jemand erzählt, dass etwas „wahr ist, weil jeder weiß, dass es nun einmal so ist.“

Zum Schluss müssen wir noch ein weiteres Detail hinzufügen. Wir wissen alle, dass es nicht immer einfach ist, das Widersprechen zu lernen. Oft reagieren wir emotional auf einen Streit und genau dann verlieren wir jegliche Kontrolle. Wir müssen dann verstehen, dass eine andere Meinung kein Angriff auf unsere Persönlichkeit ist. Sie ist vielmehr eine gute Möglichkeit, Gemeinsamkeiten zu finden, von anderen zu lernen und gemeinsam Probleme zu bewältigen.

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