Vergebung und ein reines Gewissen sind ein sanftes Ruhekissen

· 28. August 2016

Jemandem vergeben zu haben, der mich verletzt hat, oder mir sicher zu sein, angemessen und bestmöglich gehandelt zu haben, hilft mir dabei, mit mir selbst zufrieden zu sein und Kopfschmerzen zu vermeiden, die für gewöhnlich Sorgen bereiten. Ich habe Fehler gemacht und andere haben das in Bezug auf meine Person auch. Aber ich habe die durch meine Fehltritte entstandenen Wogen wieder geglättet und genauso habe ich akzeptiert, was andere mir angetan haben.

Man sagt normalerweise, dass es unser Leben beeinträchtigt und wir vor allen Dingen nicht ruhig schlafen können, wenn unsere Sorgen unseren Verstand belagern. Aus diesem Grund bin ich davon überzeugt, dass um Vergebung zu bitten gleichzeitig bedeutet, sorgenfrei einschlafen zu können.

Meiner Meinung nach gibt es niemanden, der das mehr verdient, als jemand, der um Verzeihung gebeten hat, ohne dabei zu vergessen, dass das genauso schwer ist, wie einer Person zu vergeben.

Um Vergebung bitten können

Elvira Sastre sagte einmal, dass man sich unaufhörlich im Kreis drehe, wenn man ein Leben ohne Mut lebe,  und damit hatte sie vollkommen recht. Denn ich habe mir schon immer gedacht, dass auf den Mut, um Vergebung zu bitten, der großartige Mut, vergeben zu können, folgt.

Schlafende Frau

Anders gesagt heißt das, dass ich nach der Handlung, um Verzeihung zu bitten – was mir in gewisser Weise ein selbstkritisches, mich-selbst-hinterfragendes und vor allem demütiges Verhalten abverlangt – damit belohnt werde, aus mir einen besseren Menschen zu machen.

„Es gibt nichts Besseres, als sich selbst wiederzufinden und einer anderen Person zu verzeihen, egal ob sie recht oder unrecht hat, denn es gibt viele Menschen, die etwas Verletzendes normalerweise nur deshalb tun, weil sie es in diesem Moment nicht besser wussten, weil sie Angst verspürten. Dann ist Verzeihen etwas Wunderbares.“
Marwan

Um Vergebung zu bitten rettet mich, weil ich mir dadurch meine eigenen Fehler, die jemand anderen verletzt haben, und das manchmal sogar sehr, eingestehen muss. Wenn ich jemandem sehr viel zugemutet habe, dann war das sehr wahrscheinlich ungewollt, aber ich habe es getan, und ich fühle mich besser, wenn ich um Verzeihung gebeten habe und mir verziehen wird.

Meinen Mitmenschen und mir selbst zu vergeben und es geschafft zu haben, dass sie mir verzeihen, hat mir dabei geholfen, Groll, Unwohlsein, offene Wunden und eine Vergangenheit hinter mir zu lassen, die es mir nicht erlaubte, nach vorn zu blicken.

Was es mit dem reinen Gewissen auf sich hat

Sobald wir um Vergebung bitten, schaltet sich automatisch unser „Gewissen“ ein, welches einem Richter gleicht, der über unser Verhalten urteilt: Es beschuldigt uns, beglückwünscht uns für das richtige Verhalten, bildet sich eine Meinung über uns und teilt uns mit, was es von unserem Verhalten hält.
Ein schlechtes Gewissen wegen eines Fehlverhaltens oder falsch ausgewählter Worte setzt mir zu, macht mich nervös und wirkt sich negativ auf meine Gesundheit aus: Es wird zu einem unbequemen Kissen, welches es mir unmöglich macht, einen ruhigen Schlaf zu finden.

„Das Gewissen ist dafür verantwortlich, dass wir uns entdecken, uns unser Verhalten vor Augen führen oder uns selbst verurteilen, und da es bei dieser Verhandlung keine Zeugen gibt, sagen wir gegen uns selbst aus.“

Michael de Montaigne

Als ich ehrlich um Verzeihung gebeten habe und mir vergeben wurde – oder auch andersherum – wurde aus diesem Kissen, von dem ich zuvor sprach, ein anderes: Jetzt habe ich meinen Platz im Bett und im Leben gefunden, bin mit mir selbst und anderen im Reinen. Ein „gutes Gewissen“ zu haben, ist ein Schritt nach vorn und eine weitere Tür, die ich hinter mir schließe, eine Vergangenheit aus der ich gelernt habe und der ich nun den Rücken kehre.

Jeder hat schon einmal um Vergebung gebeten

Paar umarmt sich in der Nacht

Um Verzeihung zu bitten, vor allen Dingen wenn ich einen großen Fehler begangen habe, war für mich beschämend, weil sich niemand gern daran erinnert und sich eingesteht, was er falsch gemacht hat.

Jedoch weiß ich, dass jeder schon einmal um Vergebung gebeten hat und das auch notwendig ist. Niemand ist perfekt und jeder macht Fehler, so heißt es doch immer. Aus diesem Grund ist diese befreiende Tat keinem vorenthalten.

Habe Einsicht und korrigiere dein Verhalten, wenn du nicht recht hast, und urteile nicht zu streng über dich, wenn du es nicht verdienst. Sei demütig, aber beschäme dich nicht. Denke immer daran, dass niemand – auch du nicht – leben kann, ohne zu vergeben und um Verzeihung zu bitten.