Pythagoras, Magie und Esoterik

Können Magie und Mathematik nebeneinander bestehen? Sind Zahlen nur geistige Abstraktionen oder metaphysische Wesenheiten? Erfahre Wissesnswertes über die Entdeckungen des griechischen Denkers Pythagoras.
Pythagoras, Magie und Esoterik
Matias Rizzuto

Geschrieben und geprüft von dem Philosophen Matias Rizzuto.

Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2023

Pythagoras war einer der ersten griechischen Denker, der versuchte, ein rationales System zu entwickeln, um die Welt zu erklären. Obwohl er für seine Fortschritte auf dem Gebiet der Mathematik bekannt ist, beeinflussten Magie und Esoterik die Praktiken seiner Schule.

Pythagoras hinterließ keine Schriften und seine einzigen Biografien wurden erst Hunderte Jahre später verfasst, deshalb ist sein Leben und Werk von Legenden und Mythen umwoben, die schwer von der Realität trennbar sind. In diesem Artikel sehen wir uns die magischen Elemente in seinem Leben und seiner philosophischen Schule an.

Pythagoras und die Zahlen als Grundlage des Universums

Für den griechischen Philosophen waren Zahlen keine bloßen Abstraktionen physischer Objekte, sondern eine eigenständige Entität. Fürh ihn waren die Zahlen der Anfang von allem, was wir sehen. Wir können also die Mathematik, so wie wir sie heute verstehen, nicht mit der Disziplin der alten Pythagoreer vergleichen.

Für sie hatten Geometrie und Zahlen einen heiligen Charakter. Sie entwickelten daraus eine ganze Kosmologie. Die Zahlen waren damals die metaphysische Grundlage der Existenz. Aber wie leiteten die Pythagoreer die materielle Realität aus den Zahlen ab?

Dem griechischen Historiker Diogenes Laertius zufolge repräsentierte die Zahl “Eins” die Realität von allem, was existiert, den Anfang, den Ursprung und schließlich auch das Prinzip. Die Griechen nannten dieses Konzept “Arché”.

Die “Zwei” hingegen ist näher an der Materialität, denn durch sie entsteht die Linie. Wenn wir dann einen weiteren Punkt hinzufügen, wird die Existenz der Ebene angepasst und es entsteht die geometrische Grundfigur: das Dreieck. Erst mit dem vierten Punkt entsteht die dreidimensionale Wirklichkeit in Form des Tetraeders.

Mathematik und Esoterik

Da die Pythagoreer glaubten, dass Zahlen heilig sind, hatte nicht jeder Zugang zu ihrem Studium. Dieses Wissen war einer kleinen Gruppe von Eingeweihten vorbehalten, die viele Prüfungen bestehen mussten, bevor sie die Schule betreten durften.

Der berühmte Mathematik- und Wissenschaftshistoriker Paul Tannery differenzierte in seinem Werk La géométrie grecque zwischen Eingeweihten und Nichteingeweihten: akoustimatikoi und matematikoi.

Die akoustimatikoi hatten Zugang zu den sogenannten exoterischen Lehren, die meist philosophischer oder ethischer Natur waren. Akousmata bedeutet wörtlich “das, was gehört wird”.

Die matematikoi hatten dagegen Zugang zu bestimmten Kenntnissen, die der Mehrheit verboten waren: mathematische Entdeckungen. Diese zirkulierten nur innerhalb der Schule und galten als esoterisches Wissen.

Das Pentagramm

Das Fünfeck oder Pentagramm ist ein Symbol, das eng mit Pythagoras verbunden ist. Wenn man die Eckpunkte mit einer Linie verbindet, entsteht eine Grundfigur, in der das Verhältnis des Goldenen Schnittes wiederholt zu sehen ist. Die Seite des Fünfecks steht zu seinen Diagonalen im goldenen Verhältnis und die Diagonalen teilen sich ebenfalls im goldenen Verhältnis. Dieses Verhältnis ist in der Natur immer wieder zu beobachten, auch in der Musik. 

Da die Pythagoreer den Zahlen und mathematischen Sätzen einen heiligen Charakter zusprachen, war diese Figur für sie von großer Bedeutung. Die Revista Brasileira de Historia Da Matematica erinnert daran, dass das Pentagramm ein unverwechselbares Symbol der pythagoreischen Schule darstellte.

Musik und Magie

Eine der berühmtesten und revolutionärsten Entdeckungen, die Pythagoras zugeschrieben werden, ist das harmonische Verhältnis der musikalischen Tonleiter.

Die Legende besagt, dass der griechische Denker bei einem Schmied vorbeikam und die wohlklingenden Hammerschläge hörte. Die unterschiedlichen Töne, die durch die verschiedenen Gewichte der Hämmer entstehen, verhalten sich in einem bestimmten Verhältnis. Diese Beobachtung machte sich Pythagoras zunutze, indem er ein Experiment mit einer schwingenden Saite eines Monochrods durchführte.

Dies führte ihn zu der Erkenntnis, dass die Töne in mathematischen Verhältnissen ausgedrückt werden können. Die pythagorische Stimmung definiert die Stimmung durch reine Quinten (1:2 Oktave, 2:3 Quinte und 3:4 Quarte), die einen goldenen Schnitt bilden. Deshalb gilt Pythagoras als Begründer der Musiktheorie.

Da Musik mathematisch erklärbar wurde, schrieben ihr die Pythagoreer ebenfalls einen heiligen Charakter zu und setzten sie ein, um Körper und Seele zu heilen. Pythagoras entwickelte die Idee, dass die Bewegungen der Himmelskörper und der durchsichtigen Sphären, von denen sie vermeintlich getragen wurden, unterschiedliche Töne erzeugen – die Sphärenmusik.

Pythagoras und die mystischen Kulte

Die Mathematik hatte zu Zeiten von Pythagoras eine enorme Bedeutung. Die pythagoreische Schule war jedoch Teil einer mystischen Tradition, die nur wenigen Eingeweihten zugänglich war. Diese mystischen Traditionen waren in der antiken Welt sehr einflussreich und nahmen viele verschiedene Formen an.

Einige dieser Traditionen kamen aus Ägypten, einem Land, das von vielen Griechen sehr geschätzt wurde. Ein Teil des Wissens, das dem Mathematiker zugeschrieben wird, könnte aus diesem Land stammen, in dem die Mathematik weit entwickelt war.

Tatsächlich gibt es Beweise dafür, dass der berühmte Satz des Pythagoras schon lange vor der Existenz des Philosophen bekannt war und in Babylon, Indien und China verwendet wurde.

Schlussfolgerungen

Wie wir gesehen haben, waren mathematische Formeln und Sätze für die Pythagoreer mehr als nur Abstraktionen. Zahlen waren Teil einer theologischen Dimension, die die Entwicklung einer ganzen Kosmologie ermöglichte: Sie waren mathematische Entitäten, die unabhängig von der Materie waren.

Näher an den mystischen Traditionen als an der Philosophie, verstanden die Pythagoreer Mathematik, Musik und Metaphysik als Ausdruck einer ultimativen Realität. Die Zahlen repräsentierten das Heilige, das sich in der Welt manifestierte, und das Verständnis mathematischer Phänomene ermöglichte es dem Menschen, mit der göttlichen Wirklichkeit in Kontakt zu treten.


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