Nutze das Hanlon-Prinzip zur besseren Kommunikation in sozialen Netzwerken

· 18. Juni 2017

Soziale Netzwerke haben unsere Art der Kommunikation grundlegend verändert. Noch bis vor einigen Jahren war es undenkbar, fast in Echtzeit mit unseren Freunden zu kommunizieren, wenn wir nicht mit ihnen zusammen waren. Jetzt brauchen wir lediglich eine Internetverbindung und einen Benutzernamen.

Nicht weiterentwickelt haben sich hingegen die Art, wie wir uns mit anderen Menschen verstehen, und die wichtige Rolle unserer Sprache beim Knüpfen von Beziehungen. Und natürlich kommt es zu Missverständnissen, wenn die Kommunikation nicht von Angesicht zu Angesicht verläuft. Dies sagt meist mehr über den aus, der die Nachricht interpretiert, als über denjenigen, der sie sendet.

„Ich bin dafür verantwortlich, was ich sage, nicht dafür, wie du es verstehst.“

Der Elefant im Raum

Das Handy klingelt. Es ist eine Nachricht aus einem deiner sozialen Netzwerke. Du schaust auf den Bildschirm und liest: „Hey! Wie geht’s?“

Es kann sein, dass du einfach einen schlechten Tag hattest. Oder vielleicht kommt die Nachricht vom Handlanger deines Chefs und du denkst, dass er dich mal wieder um einen Gefallen bitten will. Oder du hast richtig gute Laune und es ist dein bester Freund, mit dem du so dringend sprechen wolltest. Aber die Person, von der die Nachricht stammt, kann all das nicht wissen. Sie kann es nicht wissen, weil die Kommunikation nicht persönlich stattfindet. Es fehlt deshalb der Zugriff auf andere Zugänge zum Gesagten, die genauso wichtig sind wie die Worte an sich:

  • Proxemik: die räumlichen Verhältnisse und der Ort, an dem das Gespräch stattfindet. Es ist ein Unterschied, ob man jemanden auf der Straße grüßt, der es offensichtlich eilig hat und sich im Vorbeigehen dafür entschuldigt, oder ob das Gleiche in einem sozialen Netzwerk passiert. Während wir in unseren sozialen Netzwerken verbunden sind, sind wir vielleicht mit unserer Arbeit am Computer beschäftigt. Wir lesen unsere Nachrichten, um zu sehen, ob sie wichtig sind, haben aber keinen Grund, zu antworten. Und hier kann die andere Person verschiedenste, zum Teil dramatische Rückschlüsse ziehen, wie etwa: „Sie kann mich nicht leiden und antwortet deshalb nicht“, „ich habe ihn verärgert“,  oder, „Was habe ich nur falsch gemacht?“
  • Vokales oder extralinguistisches Verhalten: Dieses bezieht sich auf die Vokalisierung der Sprache, auf Tonfall und Form, aber nicht auf den Inhalt. Obwohl viel genutzt, sind Ironie, Sarkasmus und sogar Scherze in unserer Kommunikation über soziale Netzwerke nur schwer zu erkennen. Der Tonfall ist ein wichtiger Teil der Sprache, um die Bedeutung einer Nachricht zu verstehen. In einer Welt der Technologie kann er nur durch Sprachnachrichten vermittelt werden.

  • Verbales oder linguistisches Verhalten: Ja, hier geht es um die eigentliche Sprache, die wir beim Schreiben einer Nachricht verwenden. Aber auch hier spielt die räumliche Distanz zum Empfänger eine Rolle. Wenn der Typ, den du toll findest, dich persönlich grüßt, macht dich das vielleicht nervös und bringt dich dazu, zu antworten, als hättest du eine Kommunikationsstörung: Stottern, Aphasie, Anomie… Das ist nicht dasselbe, als wenn er „Hallo“  schreibt, während du mit Freunden bei dir zu Hause sitzt. Hier hast du Zeit, darüber nachzudenken und zu besprechen, was du antwortest, um „nicht ängstlich oder dumm zu wirken“ oder „um etwas Originelles zu sagen“.

All dies sind Dinge, derer sich die meisten von uns bewusst sind. Wir wissen, dass beim Kommunizieren alles zählt, vom Tonfall bis zur räumlichen Distanz. Aber in den sozialen Netzwerken lassen wir dieses Wissen außer Acht. Es verwandelt sich in einen Elefanten im Raum: Alle sehen ihn, aber jeder erklärt seine Anwesenheit auf eine andere Art und Weise und interpretiert Nachrichten so, wie es ihm am besten passt.

„Um effektiv zu kommunizieren, müssen wir uns uns darüber bewusst werden, dass wir alle die Welt unterschiedlich wahrnehmen und uns in unserer Kommunikation mit anderen von diesem Verständnis leiten lassen.“

Tony Robbins

Das Hanlon-Prinzip

Robert J. Hanlon lieferte uns schon 1980, bevor sie überhaupt existierten, in seinem berühmten Buch über Murphys Gesetz die Lösung für dieses Problem der Kommunikation in sozialen Netzwerken. In diesem Buch stellte er eine Idee vor, die heute als das Hanlon-Prinzip oder Hanlons Rasiermesser bekannt ist: „Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

Das Hanlon-Prinzip zu befolgen bedeutet, das Ausmaß an Intention, welches wir den meisten Aussagen in sozialen Netzwerken zuschreiben, zu verringern. Ein Großteil des Fehlverhaltens, auf das wir aufmerksam werden und als absichtliche Kränkung auffassen, entsteht vielmehr aufgrund der Umstände oder aus Versehen. Der springende Punkt ist, dass es wesentlich wahrscheinlicher ist, dass die Welt uns vergisst, als dass sie sich gegen uns verschwört.

Wie im vorherigen Abschnitt dargelegt, fehlt es der schriftlichen Kommunikation an vielen Anhaltspunkten, die in der direkten Kommunikation gegeben sind. Aus diesem Grund müssen wir mit unseren Interpretationen von schriftlichen Aussagen vorsichtiger sein. So können wir Ärger und Missverständnisse vermeiden, die wirklich keinen Sinn machen.