Ikigai: Die Kunst, deinen Lebensinhalt zu finden

· 18. Februar 2018

Ikigai ist ein japanisches Wort, das so viel bedeutet wie „der Grund zu sein“ oder „der Grund, warum wir jeden Morgen aufwachen“. Die Japaner glauben, dass wir alle unser eigenes Ikigai in uns trügen und es essenziell sei, es zu entdecken und zu erkunden. Denn dann hätten wir alle Mittel, um Schwierigkeiten zu überwinden.

Wenige psychologische und existenzielle Prinzipien sind so grundlegend für unser tägliches Leben wie das, was Ikigai umfasst. Eine Bedeutung für dein Dasein zu finden und Gründe dafür, zu leben – dies sei der Schlüssel, um Verzweiflung zu vermeiden, meinen die Japaner. Und es sei fundamental, um mit dem schlimmsten Übel der heutigen Zeit umzugehen, der Depression.

„Der Sinn des Lebens ist es, deine Gabe zu finden. Der Lebensinhalt besteht darin, sie zu nutzen.“

William Shakespeare

Viele unserer psychologischen Probleme könnten behoben werden, wenn wir das manchmal verborgene, unterdrückte oder sogar zum Schweigen gebrachte Ikigai fänden. Es hat die Kraft, unsere Lungen mit Luft zu füllen und uns unseren Lebenswillen zurückzugeben.

Es ist beispielsweise bekannt, dass viele affektive Störungen behandelt werden können, wenn eine Person dazu motiviert wird, sich sich selbst zu widmen und einfach zu tun, was sie mag. Das generiert positive Gedanken und eine Einstellung, die als Puffer fungieren und uns vor einschränkenden Überzeugungen und Ängste, ja gar vor Selbstmordgedanken schützen.

Dennoch wissen wir, dass es nicht leicht ist, uns zu unserem Ikigai zu bekennen, unserem Lebenszweck. Darum erinnern uns die Japaner daran, dass wir wie ein loyaler und energetischer Krieger sein müssen, der ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt: seine Integrität und die Liebe des Lebens zu wahren.

Ikagai in Form einer Blume

Dein Ikigai will nur eines: deine Passivität abschütteln

Sebastian Marshall ist ein Schriftsteller, der vor ein paar Jahren ein Buch mit dem einfachen Titel Ikigai  veröffentlichte. Es soll hier erwähnt werden, dass unter aller Literatur, die zu diesem Thema veröffentlicht wurde, dieses Buch den größten Einfluss hat.

Dieses Buch zeigt uns, dass unsere Welt voll von Pessimisten ist. Dass uns die Gesellschaft vom ersten Tag an dazu einlädt, glücklich zu sein. Dass wir jedoch mehr und mehr Probleme sehen, wenn wir älter werden. Die erste Lektion, die wir lernen müssen, ist deshalb die, nicht nach dem gleichen Glück zu streben, was andere scheinbar haben. In den meisten Fällen ist dieses Glück gar nicht real. Wenn wir davon besessen sind, das Gleiche wie alle anderen um uns herum zu haben und zu tun, werden wir wie 99% der Bevölkerung sein.

Wenn wir uns hingegen trauen, unseren Träumen, Wünschen und Lebensinhalten entsprechend zu handeln, werden wir einzigartig sein. Wir werden zu den 1% der Bevölkerung gehören, die ihre persönliche Erfüllung anstreben. Und dies kann nur auf eine Art und Weise erzielt werden: indem wir die Passivität zurücklassen und das eigene Ikigai finden. Wenn wir es erst einmal definiert haben, werden folgende Dinge passieren:

  • Als erstes werden wir nonkonformistischer, und das ist gut.
  • Als zweites werden wir uns endlich unseres Potenzials bewusst und können es in „Dynamit“ verwandeln.
Japanischer Samurai

Wie finde ich meinen Lebensinhalt?

Dies mag für einige unserer Leser eine komische Frage sein. Wer weiß nicht, was sein Lebensinhalt ist? So merkwürdig es auch scheinen mag, er ist uns nicht immer klar. Der Druck unserer Erziehung, unserer Familie und unseres sozialen Umfeldes formt uns auf eine Art, derer wir uns nicht immer bewusst sind. Tatsächlich verfolgen wir manchmal Ziele, Ideale und Pläne, die möglicherweise durch Werte gestört oder gefärbt sind, die nicht unsere eigenen sind.

Das Ikigai ist immer da, obwohl wir uns ihm gegenüber nicht immer bekennen. Wir entscheiden, es zum Schweigen zu bringen und zu ignorieren, weil wir denken, dass uns niemand verstehen würde. Wir haben Angst davor, kritisiert oder missverstanden zu werden.

Wir müssen damit aufhören, unsere Bedürfnisse, Vergnügen und Leidenschaften zu vernachlässigen, die uns zu dem machen, was wir sind, und die letztendlich unseren Weg bestimmen. Es ist nicht leicht, aber wie müssen es tun.

Wir erklären im Folgenden, wie du dein Ikigai definieren kannst.

Ikigai

7 Schlüssel, um dein Ikigai zu entdecken

Dein Ikigai wird durch die Schnittmenge von vier grundlegenden Aspekten geprägt: deiner Leidenschaft und deiner Lebensaufgabe oder Mission, deinem Beruf und deiner Berufung. Um jeden dieser Schlüsselaspekte zu analysieren, werden dir diese Strategien helfen:

  • Höre auf damit, auf Autopilot zu leben: Frage dich täglich, ob das, was du tust, dich glücklich macht.
  • Vergleiche dich nicht mit anderen. Versuche nicht, wie andere zu sein. Du bist deine eigener Referenzpunkt.
  • Wir alle haben Talent. Auch du besitzt eine außergewöhnliche Fähigkeit, die dich von anderen unterscheidet und die du nutzen solltest. Mache sie dir zu eigen und genieße sie.
  • Ikigai ist nicht nur ein Lebensinhalt oder ein Bestreben. Es ist eine Art zu leben, die im Hier und Jetzt gefühlt werden muss.
  • Es gibt uns jeden Morgen Energie und drückt sich in den Dingen aus, die wir jeden Tag tun und in die wir Zeit investieren, um besser zu werden.
  • Manchmal bedeutet ein Leben im Einklang mit deinem Ikigai, einen großen Teil deiner Umgebung beiseite zu lassen. Darum sei dir klar darüber, dass dies Mut braucht.
  • Ikigai ist das Gegenteil von Passivität und Konformismus. Es verlangt alles von dir, doch dadurch fühlst du dich lebendig, frei und voller Energie – dein Alter oder deine körperliche Fitness spielen keine Rolle, denn schließlich ist es ein Geisteszustand.

Um zusammenzufassen: Falls du dein Ikigai noch nicht gefunden hast, ist das in Ordnung. Auf dem Lebensweg passiert die Erkenntnis manchmal so unvermittelt, dass es kein Zurück gibt. Wenn dir das geschieht, wirst du keine andere Wahl haben, als deinem Ikigai zu folgen. Aber du kannst dich auch auf die Suche nach ihm und deinem Glück begeben.