Glück ist ein Geisteszustand

· 26. Februar 2019

Bücher und Konferenzen vermitteln uns ein scheinbar komplettes, aber extrem verschachteltes Bild von und verschiedene Formeln für das Glück, die rund um diffuse Konstanten aufgebaut sind. Viele von ihnen beinhalten jedoch den gleichen Fehler, der auf einer weitverbreiteten Annahme beruht: dass das Glück in unserer Umgebung zu finden wäre. Sozusagen auf dem Gipfel eines Berges, der nur über steinige Pfade und steile Hänge erreicht werden könnte.

Doch vor diesem Panorama müssen wir uns eine Frage stellen: Warum muss es eine Form des Glücks geben, die für alle gleichermaßen gilt? Eine Definition, die mir, meinem Nachbarn und den Menschen auf der anderen Seite des Planeten gleichermaßen dient? Das Glück ist immer abhängig von den Umständen, in denen wir uns befinden und somit eine individuelle Angelegenheit. Vielleicht ist das, worüber wir auf komplizierte Art und Weise reden, eine Form des Glücks, so wie die Fata Morgana in der Wüste, die, wenn wir uns ihr zu nähern versuchen, nur eine große Leere hinterlässt.

Ein Mädchen, das auf Stufen in den Himmel steht

In unserer Umgebung zu suchen ist ein Fehler

Alles um uns herum drängt uns dazu, das Glück in „da draußen“ zu suchen. Wenn wir uns dieses neue Auto kaufen, werden wir glücklich sein; wenn wir einen Partner finden, werden wir uns endlich zufrieden fühlen. Die Werbung verlockt uns, in den Apfel zu beißen. Es ist so, dass wir dabei vielleicht Freude erleben, aber kein Glück – und dass wir beide miteinander verwechseln.

Das Glück scheint eher ein Zustand zu sein, etwas, das mehr damit zu tun hat, was beständig ist, und weniger mit Dingen, die bald vergänglich sind, so wie die Blasen des Champagners. Ein Echo, das die Emotionen übersteht. Ganz egal, was auch passieren mag, es wird bestehen bleiben. Vielleicht sprechen wir hier von der Fähigkeit, die Teile dessen, was unsere Welt ausmacht, zusammenzufügen, damit wir lernen können und uns mit uns selbst in Frieden fühlen können.

„Wir sind nicht fähig, das Glück in uns selbst zu finden, darum suchen wir es verzweifelt in Gegenständen, Erfahrungen, Denk- oder Verhaltensweisen, die immer seltsamere Züge aufweisen. Kurz gesagt: Wir distanzieren uns vom Glück, in dem wir an Orten nach ihm suchen, an denen es nicht existiert.“

Matthieu Ricard

Die Kraft unserer Gedanken

Wenn das Glück ein Geisteszustand ist, dann sind unsere Gedanken die Hauptakteure. Diese Besetzung ist durch unsere Emotionen oder das, was uns passiert, motiviert und nicht immer von einem Skript abhängig, das nach unseren Interessen geschrieben wurde. Das Gute an diesem Skript ist aber, dass wir in es eingreifen können. Wir müssen uns nur selbst beobachten. Dafür kann es beispielsweise hilfreich sein, uns in der Meditation zu üben.

Wir müssen die vielen automatischen Gedanken, die wir an einem Tagen fassen, identifizieren und darauf achten, wie viele Klagen, Urteile, Beschwerden und Selbstkritik diese beinhalten. Uns dessen bewusst zu werden, kann sehr aufschlussreich sein. Auf diese Art und Weise können wir einen neuen Teil von uns entdecken, oder jenen Teil wiedererwecken, den wir zwar vergessen, aber nie verloren haben.

Wenn wir einen Fehler als Chance verstehen, wenn wir den Abschied von einem Job als Herausforderung betrachten, uns die Arbeit zu suchen, der wir schon immer nachgehen wollten, dann werden wir einen großen Schritt in Richtung dieses Geisteszustandes des Glücks machen. Die Tatsache, negative Gedanken gegen positive zu tauschen, ist der Schlüssel dazu.

Paar mit Flügeln

Uns gut zu fühlen, bedeutet nicht, dass wir keine negativen Gedanken mehr in unserem Kopf hätten. Es bedeutet eher, dass unser Geist sie nicht nährt. Wie jener Mann, der als „der glücklichste Mann auf der Welt“ gilt, Matthieu Ricard, erklärt, sollten wir immer an das Meer denken, wenn wir dies verstehen wollen. Denn obwohl seine Oberfläche durch den Wind oder einen starken Wellengang verändert wird, so liegt die Ruhe des Meeres doch in dessen Tiefe.

„Mit dem Glück meine ich ein tiefes Gefühl des Erwachens, das aus einem außergewöhnlich gesunden Geist entspringt. Dies ist nicht nur eine angenehme Empfindung, eine flüchtige Emotion oder ein Geisteszustand; es ist der optimale Zustand des Seins. Das Glück ist auch eine Art und Weise, wie man die Welt interpretieren kann. Denn obwohl es schwierig sein mag, die Welt zu verändern, ist es immer möglich, die Art zu verändern, wie wir sie sehen und wahrnehmen.“

Matthieu Ricard

Viele Menschen verstehen das Glück als eine Art Wohlbefinden, andere wiederum als Gleichgewicht. Nicht als etwas Momentanes, sondern als etwas Dauerhaftes. Damit dies jedoch möglich ist, müssen wir unsere eigene Definition des Glücks finden, sie auf unsere Bedürfnisse zurechtschneiden und ihre Taschen mit unseren persönlichen Wünschen befüllen.

Wir sollten uns von dieser Art der „Wahrheit über das Glück“ entfernen, die in diversen Werbungen unsere Interesse weckt. Nur wenn wir es zulassen, dass dieser Raum in unserem Gehirn geöffnet wird, können wir entscheiden, was darin installiert wird. Es geht hierbei nicht nur darum, ob wir etwas kaufen oder nicht; es geht darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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