Es ist nicht die Last, die dich zerstört, sondern die Art, wie du mit ihr umgehst

· 30. August 2016

Du bist erschöpft und weißt, dass viel auf der lastet, auch wenn es auf den ersten Blick nichts an dir zu entdecken gibt, das darauf schließen lässt. Diese Last ist so real wie auch unsichtbar und sie erdrückt dich, sie drückt dich auf den Boden, nimmt dir deine letzte Kraft, macht dir Angst. Manchmal fehlt dir sogar die Luft zum Atmen und du hast das Gefühl, als würde die Zeit an dir vorbeiziehen, während du immer noch hier bist und versuchst, vor dem zu fliehen, was dich so aufwühlt.

Wir bezeichnen als Last eine Masse, die wie ein Gewicht auf uns liegt; eine Kraft, die wie ein Ballast gegen die von unserem Körper und unserem Verstand eigens bestimmte Gemütsbewegung arbeitet. Deshalb sprechen wir auch bei Erlebnissen und Ereignissen von einer Last, die uns unsere letzten Nerven kosten und uns dazu zwingen, mit den damit einhergehenden Emotionen umzugehen.

Die emotionale Last

Wir alle haben den folgenden Satz schon gehört und müssen dieser Aussage einfach zustimmen: „Im Leben wird einem nichts geschenkt.“  Um uns am Leben zu erfreuen, müssen wir unvermeidbar verschiedene Preise zahlen. Einer dieser Preise ist es, Gefühle zu verspüren – sowohl gute, als auch schlechte – mit denen wir uns normal leicht zurechtfinden.

Frau umarmt Katze

Wir sind jeden Tag Gefühlen ausgesetzt und wir tun uns manchmal schwer damit, mit vielen dieser Emotionen umzugehen. Die durch diese Gefühle hervorgerufene Last kann klein und leicht oder so groß und traumatisch sein, dass es für die Verarbeitung dieser am besten wäre, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Die einzige Möglichkeit, Angestautem entgegenzuwirken, ist, die Last zu verkleinern.“

Andrew Tanenbaum

In jedem Fall ist dieser Ballast dennoch spürbar und ob er dich zerstört oder nicht, hängt von den Werkzeugen ab, die du benutzt, um dich von ihm zu befreien. Auch dein Wille spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Werkzeuge, die dir helfen, um mit der Last fertig zu werden

Einer der Schlüsselfaktoren der emotionalen Intelligenz ist es, mit Werkzeugen zu arbeiten, die uns helfen, die Verbindung mit all jenem zu verbessern, was auf unserem Herz lastet: Negative Erlebnisse werden für immer ein Teil deiner selbst sein, aber sie müssen nicht unbedingt zu einer Last werden. Doch wie stellen wir das an?

  • Den Schmerz verstehen: Höchstwahrscheinlich fühlst du dich von deinen negativen Gedanken in die Ecke gedrängt und du spürst vielleicht sogar, wie die Last auf deinen Schultern durch das, was so schwer auf deinem Herzen liegt, noch zusätzlich verschlimmert wird. Daher würde es dir gut tun, wenn du es schaffen könntest, dich im Hier und Jetzt auf deinen durch die Last entstehenden Schmerz zu konzentrieren und diesem Grenzen zu setzen, damit er anfangen kann zu bröckeln und somit nach und nach wieder Licht in Sicht kommt.
  • Du solltest dir darüber klar werden, was du erreichen möchtest: Es ist definitiv keine leichte Aufgabe, die benötigte und so gesuchte Kraft zu finden, um diesem Gemütszustand zu entfliehen, aber es ist machbar. Man sagt, dass Willenskraft Macht sei, und das vor allem, weil wir die Fähigkeit besitzen, sie tief in unserem Inneren zu finden, wenn wir sie am meisten brauchen. Der Wille ist das Einzige, was dir genügend Kraft verleiht, um die Art, wie du deine Last erlebst, zu ändern.
  • Verstehe, das Vergessen nicht bedeutet, über den Berg zu sein: Der Großteil unseres emotionalen Ballastes hat mit der Vergangenheit zu tun, denn es handelt sich dabei um Gefühle, die wir im Laufe unseres Lebens ansammeln. Du kannst dir in diesem Fall immer wieder vorsagen, dass es sich mit schmerzlichen Erfahrungen so verhält, wie mit freudigen: Freude verleiht uns Flügel, um noch weiter emporzusteigen, und Schmerz kann für uns ein Sprungbrett sein, das uns den benötigten Antrieb gibt, um aus unseren Fehlern zu lernen. Unterdrücke deine Gefühle nicht, bringe sie zum Ausdruck und lasse sie frei, um deine Vergangenheit zu überwinden.
  • Habe Vertrauen in die innere Macht: Auch wenn es für dich unter bestimmten Umständen sehr nützlich sein kann, mit jemandem darüber zu sprechen, was dich so quält – und das ist ja auch gut, dass du das tust – darfst du dabei aber nicht vergessen, dass es deine Last ist und du lernen musst, sie zu erleben und dich wieder von ihr zu befreien, was an allererster Stelle ein Prozess ist, bei dem du dich selbst kennenlernst und persönlich wachsen kannst.
Frau mit Schmetterlingen auf dem Ruecken

„Erinnere dich daran, was es wert ist, sich daran zu erinnern.
Den Rest beachtest du schlichtweg nicht.“

John Katzenbach

Befreie deine Seele von der Last und sieh den Lernprozess als dein Gepäck auf deinem Weg an

Wenn wir eine Reise machen, für die wir schweres Gepäck mitnehmen müssen, brauchen wir große Koffer, um es darin zu verstauen. Aber noch mehr müssen wir uns reichlich Gedanken darüber machen, was wir mitnehmen, um uns darüber bewusst zu werden, was am Wichtigsten ist und was wir nicht brauchen. Mit den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln, passiert dasselbe: Falls wir vorhaben, unseren Weg mit einer Seele, die so belastet ist, zu gehen, kommen wir keinen Schritt weiter.

Frau blaest Sorgen hinweg

In dem Moment, in dem du es dann endlich geschafft hast, dich von deiner Last zu befreien und etwas aus deiner Erfahrung gelernt hast, wird dir vielleicht auffallen, dass du dazu fähig sein wirst, auszuwählen, welche Emotionen du in dir tragen und wie du mit ihnen umgehen musst – ganz genauso wie bei der Auswahl des Inhaltes deines Koffers, wenn du auf Reisen gehst.

Du wirst feststellen, dass dadurch dein Verstand befreit wird, und das nicht, weil weder deine Gefühle noch deine Gedanken darauf lasten, sondern weil sie zu dem Wind in den Segeln deines Bootes geworden sind.

„Wir müssen unsere Gedanken nicht mit dem Gewicht unserer Schuhe belasten.“

André Breton

Letztendlich ist die Art und Weise, in der du mit deiner emotionalen Last umgehst, ein Zeichen der inneren Reife: Denke daran, dass du sie tragen musst, weil sie dir etwas beibringen will und du sie mehr oder weniger spürst, je nach dem wie viel du aus ihr lernst.