Deine Erwartungen: Frage nicht nach etwas, das du nicht geben kannst

· 22. August 2016

Dies ist etwas, das gewöhnlich in Paarbeziehungen geschieht, aber ebenso zwischen Eltern und Kindern, zwischen Freunden und in fast jeder Art von menschlicher Beziehung. Es geht um diese Situation, in der einer der Beteiligten mit großer Eindringlichkeit bestimmte Ansprüche, Forderungen oder Erwartungen stellt, wenn es jedoch darum geht, etwas zurückzugeben, reagiert er zurückhaltend und kleinlich.

Es geht um die Art von Personen, die das Gefühl haben, sie verdienen alles für nichts. Auch der SatzWas aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“  charakterisiert sie treffend. Sie sind extrem manipulativ und oftmals überzeugen sie andere davon, zu glauben, sie müssten ihnen immer gerecht werden. Sie bringen andere sogar dazu, sich schuldig zu fühlen, wenn sie diesem Muster nicht Folge leisten.

„Überlege einmal, bevor du gibst, zweimal, bevor du annimmst, und tausendmal, bevor du verlangst.“
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Die Beziehungen, die diese Personen aufbauen, sind ganz klar ausbeutender Art. Sie wissen diese Seite jedoch zu verstecken und so schaffen sie es, eine Menge einzufordern und wenig zu geben, und das sogar im Einverständnis mit den Betroffenen. Wenn du auf diese Verhaltensweise nicht hereinfallen möchtest, lohnt es sich, die fünf Situationen zu kennen, die du möglichst vermeiden solltest.

Frage nicht danach, gehört zu werden, wenn du selbst nicht zuhören kannst

Frau in herzförmigem Gefängnis

Dies ist einer der häufigsten Fälle: die Menschen, die die ganze Zeit reden wollen und andere haben, die ihnen zuhören. Aber wenn sie anderen zuhören sollen, gähnen sie, sind abgelenkt oder haben plötzlich keine Zeit und gehen einfach.

Dies geschieht oft mit Eltern, die ihre Kinder dazu bringen wollen, ihren Predigten zuzuhören, aber sich selbst nicht die Zeit nehmen, um ihnen zuzuhören. Es geschieht ebenso mit Paaren, wenn die Unterstützung von einem der beiden Partner zu einseitig wird. Es passiert mit Freunden, zwischen Lehrern und Studenten und unter Mitarbeitern.

Immer, wenn du das Gefühl hast, die anderen hören nicht richtig zu, solltest du dich selbst fragen, ob du wirklich zuhören kannst.

Frage nicht danach, verstanden zu werden, wenn du selbst nicht verstehen kannst

Frau mit Vogelhäuschen

Diese Situation ist auch sehr üblich. Das geschieht den Menschen, die sich immer missverstanden fühlen. Sie fühlen sich immer anders als alle anderen und beschweren sich immerzu über die Gleichgültigkeit derer. Für sie ist es ein Grundrecht, verstanden zu werden, das andere ihnen verwehren.

Deswegen sind ihre Beschwerden darauf fokussiert, andere zu beschuldigen, als ob es eine Verpflichtung gäbe, der diese nicht nachkommen. Sie haben noch nicht erkannt, dass Verständnis wie eine Blume ist, die gepflegt werden muss. Zuerst in dir selbst, dann in anderen.

Frage nicht nach Respekt, wenn du andere nicht respektieren kannst

Respekt ist nicht etwas, das verlangt wird. Er wird verdient. Dies zu verstehen setzt den vollen Glauben an das Prinzip der Gerechtigkeit voraus. Mit anderen Worten: Es gibt keinen anderen Weg, den Respekt anderer zu verdienen, als andere und dich selbst zu respektieren. Manchmal verwechseln Menschen Respekt mit Angst oder Ehrfurcht. Autoritätsfiguren neigen dazu, sich durch Angst und Zwang „Respekt zu verschaffen“. Was sie dabei bekommen, ist genau das, was sie suchen: Angst und Unterwerfung, aber nicht Respekt.

Herz im Glas

Frage nicht nach Frieden, wenn du Gewalt säst

Dies ist einer der widersprüchlichsten Fälle. Er ist bei Menschen zu beobachten, die andere mit „Schrei mich nicht an“  anschreien. Oder bei Menschen, die außer sich sind und schreien: „Wenn du ausrastest, machst du mich ganz verrückt!“

Für aggressive Menschen ist es sehr üblich, Ruhe einzufordern. Normalerweise machen sie andere für ihre heftigen Reaktionen verantwortlich. Offensichtlich beherrschen sie ihre eigenen Emotionen nicht; wenn die anderen Leute nicht wären, wären sie überaus friedlich. Die Fehler anderer Menschen bringen sie dazu, die Kontrolle zu verlieren.

Sie vergessen dabei, dass Frieden nirgends außer in uns selbst zu finden ist. Das Fundament liegt in uns allen. Sie ignorieren die Tatsache, dass wir alle selbst arbeiten müssen, um Selbstkontrolle und Autonomie zu erlangen. Wenn sie Frieden säen, ist das sicherlich auch das, was sie ernten werden.

Frage nicht nach Perfektion, denn du bist auch ein Mensch, wie wir alle

Manche Menschen haben eine übertrieben positive Meinung von sich selbst. Sie halten sich selbst für ein Vorbild für andere. Meistens sind hier psychologisch sehr starre Menschen mit im Spiel, die auf Regeln beharren, um andere besser beurteilen zu können.

Offenbar werden sie den geltenden Regeln gerecht, weshalb sie sich das Recht zugestehen, andere zu be- und verurteilen.  Sie verstehen nicht, dass sie vielleicht aus Angst oder Verdrängung so pingelig sind. Sie wollen nicht sehen, dass es andere Lebensweisen gibt, die genauso gültig sind wie ihre eigene. Sie fühlen sich „perfekt“, obwohl sie es nicht sind, denn keiner ist das. Aber in ihrem Geiste rechtfertigt diese Fantasie ihren Anspruch auf die Perfektion anderer.

Umarmung im Universum