Eine Präsenz fühlen – Ist da noch jemand?

1. Mai 2018 en Psychologie 8 Geteilt
Jemandes Präsenz fühlen - Eine Frau fühlt sich sichtlich unwohl. Die ist unsicher und bedeckt ihr Gesicht mit ihren Haaren.

Vielleicht hast du ab und zu das Gefühl, jemand anderes wäre ich gleichen Raum wie du. Du schaust dich um, aber da ist niemand. Eine Präsenz fühlen, zu denken, dass da noch jemand sei, das passiert den Menschen öfter als wir denken. Aber das macht es nicht weniger angsteinflößend.

Das Phänomen, worüber wir hier sprechen, kennen viele Menschen. Unzählige Personen haben es schon erlebt, haben sich schon gefühlt, als wäre jemand bei ihnen, obwohl sie kein anderes Wesen sehen konnten. Betroffene haben das untrügliche Gefühl, nicht allein zu sein, obwohl niemand im gleichen Raum ist. Sie können auch nicht konkret sagen, woher das Gefühl kommt. Sie hören keine Stimme oder Musik und es gibt auch sonst kein eindeutiges Zeichen auf jemandes Präsenz.

Eine Frau, die jemandes Anwesenheit spürt. Sie fühlt sich unwohl und sieht Schatten.

Steht da wirklich ein Geist neben dir?

Wissenschaftler haben versucht, dieses Phänomen rational und wissenschaftlich zu erklären. In einem Experiment wurde Menschen erlaubt, aktiv jemandes Präsenz zu fühlen. Die Wissenschaftler untersuchten 48 freiwillige Versuchsteilnehmer, die zuvor schon einmal das Gefühl der Anwesenheit eines anderen Wesens erlebt hatten. Ihr Ziel war es, festzustellen, ob bestimmte Hirnareale während der Erfahrung mehr oder weniger aktiv werden.

Mit verschlossenen Augen sollten die Versuchsteilnehmer manuell einen Roboter steuern. Gleichzeitig ahmte ein weiterer Roboter, der hinter den Freiwilligen positioniert war, diese Bewegungen nach. Überraschend war, dass die Studienteilnehmer diese synchronen Bewegungen nicht wahrnahmen.

Im zweiten Teil des Versuches waren die Bewegungen des zweiten Roboters nicht mehr synchron zu denen des ersten. Die Kandidaten berichteten dann, die Anwesenheit eines Geistes zu spüren. Ein Drittel der Freiwilligen gab an, dass sie fühlten, dass jemand mit ihnen im Raum gewesen sei. Manche bekamen sogar so starke Angst, dass sie unbedingt die Augenbinde abnehmen und das Experiment beenden wollten.

Das gleiche Forscherteam untersuchte mithilfe der bildgebenden Diagnostik die Hirne von 12 Personen, die in der Vergangenheit das Gefühl der Anwesenheit eines Wesens verspürten. Ihr Ziel war es, herauszufinden, welcher Teil des Gehirns an diesem Erleben beteiligt war. Sie haben bewiesen, dass es jene Hirnareale sind, die auch für für die Wahrnehmung von Bewegung und räumlicher Ausrichtung des eigenen Körpers verantwortlich sind.

Eine Frau mit verbundenen Augen bedient einen Roboter.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Bewegung des zweiten Roboters vom Gehirn registriert wurden. Als die Versuchspersonen die Anwesenheit eines Geistes zu spüren glaubten, war das ein Botschaft ihres verwirrten Gehirns. Es hat die Bewegungen des Roboters falsch interpretiert und definierte diese fälschlicherweise als Bewegungen eines Geistes.

Wenn das Gehirn die Bewegungen eines Roboters (unbewusst) registriert, kann es dazu kommen, dass es diese auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers projiziert und doppelt wiedergibt. Das wird dann vom jeweiligen Menschen als zusätzliche Präsenz intepretiert.

„Das menschliche Gehirn funktioniert als Ganzes. Es sind nicht die einzelnen Sinne, sondern das ganze Individuum, das etwas wahrnimmt.

J. L. Pinillos

Die Psychologie der Vorstellungskraft

Die Psychologie der Vorstellungskraft und der Wahrnehmung ist zentrales Thema zahlreicher Studien. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich diesbezügliche Theorien noch immer in vielen Aspekten, ein Konsens wurde bisher nicht erreicht. Hoffnung ist ein gutes Beispiel dafür, dass Wahrnehmung nicht objektiv definiert ist. Wahrnehmung hängt nicht nur von den physikalischen Reizen ab, die wir empfangen. Vielmehr reagiert der Körper auf diese Stimuli, interpretiert sie in Abhängigkeit von Prägungen, Erwartungen und vergangenen Erfahrungen.

„In gewissem Sinne sind wir dazu in der Lage, die Informationen hinter dem eigentlichen Kontext zu erahnen.“

Amparo Belloch

Das führt dazu, dass unsere Wahrnehmung nicht nur von schlichten Daten abhängt, sondern auch von Gedanken, Urteilen und Konzepten. Wenn wir z. B. an Geister glauben, denken wir beim Gefühl einer Präsenz, dass es ein Geist sei, der da um uns wäre.

Das menschliche Gehirn im Querschnitt.

Aber woher sollen wir wissen, ob bestimmte Ereignisse tatsächlich stattfinden? Das Paradoxe ist, dass wir Objekte extern wahrnehmen. Aber der Verarbeitungsprozess, der unmittelbar folgt, findet intern statt. Und auch Träume, Vorstellungen und Gedanken werden in unserem Inneren beherbergt. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Einordnen und die Interpretation während des Wahrnehmens passieren. Das bedeutet auch, dass es zu Fehlern oder zu Täuschungen kommen kann.

Wegen verzerrter Wahrnehmung eine Präsenz fühlen

Fehlerhafte Wahrnehmungen und Vorstellungen werden in der Regel in zwei Gruppen unterteilt: verzerrte Wahrnehmung und Illusion.

  • Eine verzerrte Wahrnehmung hat ihren Ursprung in den Sinnen, oft in organischen Anomalien. Sie können sowohl den Empfang des Reizes als auch dessen Interpretation durch das Gehirn betreffen. Derartige Fehler treten auf, wenn ein Reiz aus dem Umfeld anders wahrgenommen wird als erwartet. Nach Beseitigung der ursächlichen Anomalie verschwindet auch die Verzerrung der Wahrnehmung.
  • Im Falle der Illusion wird eine komplett neue Vorstellung erschaffen, die nicht auf einem Reiz aus der Umwelt basiert. Dies geschieht z B. bei Halluzinationen. Sie wird meist von tatsächlichen Sinneseindrücken begleitet.

Wie kann man das Gefühl der Präsenz definieren? Wenn wir uns auf die gegebenen Definitionen beziehen, könnte das Gefühl der Präsenz eine Wahrnehmungsstörung sein, die wir wie folgt klassifizieren können:

  • Hyperästhesie oder Hypoästhesie als Beispiele für quantitative Alterationen, z. B. ein stärker wahrgenommener Schmerz
  • Abweichungen in der Wahrnehmung von Qualitäten
  • Metamorphopsien: Abweichungen in der Wahrnehmung von Größen und/oder Formen
  • Abweichungen in der Integration von wahrgenommenen Reizen
  • Echte Illusionen: Hier könnte man das Gefühl der Präsenz verorten, aber auch die Pareidolie. Letzterer Terminus beschreibt einen psychologischen Effekt, der den Menschen Bilder, Figuren und Gesichter sehen lässt. Er nimmt dann also gewohnte Formen wahr, obwohl sie nicht da sind. Bei Kindern tritt das sehr häufig auf.

Eine Frau, die scheinbar schizophren ist. Sie kann eine Präsenz fühlen.

Täusche ich mich, wenn ich die Anwesenheit eines Geistes fühle?

In der Tat scheint das so zu sein, wenn wir die Ergebnisse der Forscher und die oben genannten Klassifikationen bedenken. Das tägliche Leben liefert uns zudem jede Menge Beispiele für Fehlinterpretationen.

Wenn du jemals das Gefühl hattest, dass eine Präsenz zu fühlen, dann mach dir dennoch keine Gedanken. Jemandes Präsenz zu fühlen heißt nicht, dass du verrückt bist. Dieses Phänomen kann in zahlreichen Lebensstadien vorkommen, z. B. wenn du extrem erschöpft oder einsam bist.

Allerdings wird das Fühlen einer Präsenz auch mit spezifischen, pathologischen Zuständen in Zusammenhang gebracht, z. B. mit Angstzuständen, Schizophrenie, Hysterie und organisch bedingten psychischen Störungen. Wenn du vermutest, dass dein Gefühl mehr als ein kurzzeitiger Trugschluss ist, empfehlen wir dir deshalb, dir professionelle Hilfe zu suchen. So kann man deinen Fall genau untersuchen.

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