Ed Wood: Der schlechteste Regisseur aller Zeiten

· 27. März 2019
Ed Wood ist bekannt als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Aber seine Begeisterung, sein Optimismus und sein Charisma haben ihn auch zu einem Symbol für die Energie und Kraft gemacht, die man braucht, um an sich selbst zu glauben. Tim Burton drehte 1994 einen biographischen Film über ihn.

Ed Wood war ein Regisseur und Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler, der nichts anderes wollte, als seine Kreationen auf der großen Leinwand zu sehen und in die Filmgeschichte einzugehen.

In gewisser Weise hat er das erreicht, aber wahrscheinlich nicht so, wie er es erwartet hatte. Nach seinem Tod bezeichneten ihn die Kritiker als „einen der schlechtesten Regisseure aller Zeiten“. Sie nannten auch seinen Film Plan 9 aus dem Weltall  den wohl schlimmsten aller Zeiten. Dieser Film inspirierte den Begriff „Trashfilm“, der eine minderwertige Version eines B-Movies beschreibt. Aber im Laufe der Zeit ist Wood doch noch zu einer Kultfigur in der Filmwelt geworden: Wichtige Filmemacher wie John Waters und Tim Burton nennen ihn beide als Einfluss. War Ed Wood also nun doch nicht so schlecht?

Seine Filme ließen viel zu wünschen übrig: Handlungslücken, Skriptprobleme, Mikrofone im Bild, Pappkartonsets und andere Fettnäpfchen, die sie schwer zu glauben machten. Die großen Produzenten hatten Woods Arbeit abgelehnt, was bedeutete, dass er seine Filme mit extrem niedrigen Budgets auf die Leinwand bringen musste. Dies, kombiniert mit der damals noch nicht ausgereiften Technik, war ein wichtiger Grund, warum seine Filme von so schlechter Qualität waren.

Aber er war weder ein Perfektionist, noch machte er sich jemals zu große Sorgen um Fehler und Inkonsistenz. Er hat einfach gefilmt, weil er glaubte, dass Filme über die Perfektion hinausgehen, dass alles in ihnen glaubwürdig sei. Und trotz aller Fehler haben seine Filme etwas Faszinierendes an sich, etwas Einzigartiges.

Damals, in den 1950er Jahren, wurden viele seiner Themen als provokativ angesehen und nicht ernst genommen. Das ist auch mit Glen or Glenda passiert. Wood versuchte hier, eine tief empfundene, persönliche Geschichte über einen Transvestiten zu erzählen, aber die Zuschauer verstanden den Film als eine Komödie.

Szene aus "Glen or Glenda"

Ed Wood: Die Filmbiografie

1994 veröffentlichte Tim Burton seinen Film über Ed Woods Leben. Burton hat oft über den Einfluss gesprochen, den B-Movies, insbesondere Horrorfilme, auf ihn hatten. Das kann man definitiv in seinen Filmen sehen.

Wood war einer dieser Einflüsse. Burton sah Plan 9 aus dem Weltall  als Kind und hatte eine gute Erinnerung daran. Woods Filme mögen voller Fehler sein, aber sie sind auch voller Begeisterung – und es ist genau diese Begeisterung, die Burton in seinen Film über das Leben des Regisseurs einbrachte.

Im Gegensatz zu Wood ist Burton ein konsistenter Regisseur und der Film ist perfekt verarbeitet und macht in jeder Hinsicht Spaß. Er hat ein erstaunliches Drehbuch und erfahrene Schauspieler wie Johnny Depp und Martin Landau geben ihr Bestes, um das Werk zu einem Erfolg zu machen. Aber es war nicht alles rosig. Als Burton sagte, dass er den Film in Schwarz-Weiß drehen würde, beschloss der Produzent, das Projekt zu beenden. Burton aber wollte die Essenz der Zeit, das Gefühl der 1950er Jahre einfangen. Dafür musste er in Schwarz-Weiß drehen.

Der Film war dann auch nicht sehr erfolgreich, als er 1994 herauskam. Aber immerhin gewann er zwei Oscars, für das beste Make-up und Hairstyling und für den besten Nebendarsteller. Beide Auszeichnungen haben mit einer der Hauptfiguren des Films zu tun, nämlich mit Bela Lugosi. Der legendäre Schauspieler wurde durch das spektakuläre Make-up und das hervorragende Schauspiel von Landau wieder zum Leben erweckt.

Viele Leute halten Ed Wood  für Tim Burtons besten Film. Vor allem, weil er eine Menge Persönlichkeit hat und sich unter all seinen anderen Filmen auszeichnet. Er schafft es darin, die Essenz der dunklen Seite Hollywoods zu vermitteln und porträtiert Lugosi und Wood auf wunderschöne Weise.

Eine Hommage an den Film

Burtons Film ist mehr als nur eine Hommage an Ed Wood. Er ist auch eine Hommage an B-Movies. Er ist eine Ode an den Film, die 50er Jahre, an Schwarz-Weiß-Produktionen und die „glorreichen Alten“ des Films, wie Bela Lugosi. Schon im Vorspann vermittelt er eine Magie und Nostalgie, die moderne Filme weitestgehend verloren zu haben scheinen.

Der Stil ist ganz und gar der von Ed Wood. Der Film beginnt mit Aufnahmen von Grabsteinen mit den Namen der Schauspieler und Bildern von Tentakeln und fliegenden Untertassen. Dann trägt gruselige Musik den Zuschauer in einen dunklen, geheimnisvollen Raum. Die Kamera zeigt dann einen Sarg unter einem düsteren Fenster, während draußen ein Sturm tobt.

Szene aus "Ed Wood"

Der Sarg öffnet sich und The Amazing Criswell (gespielt von Jeffrey Jones) taucht auf, um zu erzählen, dass man im Begriff ist, die wahre Geschichte von Ed Wood kennenzulernen. Diese klassische B-Movie-Einführung ist absolut fesselnd und endet damit, dass die Kamera in das Fenster schwenkt und den Zuschauer per Zoom in die Tiefe des Sturms führt.

Die letzte Szene des Films führt direkt an den Anfang zurück, aber in umgekehrter Reihenfolge. Es wird herausgezoomt und der Zuschauer wird in den beschriebenen Raum zurückversetzt. Dann schließt sich der Sarg. Einfach magisch.

Ein weiterer Teil, den man lieben muss, ist das Hollywood-Zeichen, das mehrmals im Film erscheint, umgeben von Blitzen und Dunkelheit. Man fragt sich, ob das Mekka des Films wirklich so wunderbar ist, wie einem glauben gemacht wird. Burton schafft dann einen scharfen Kontrast, indem er eine winzige, einfache Wohnung zeigt, die symbolisch für die dunkle Seite Hollywoods steht.

Ed Wood: Der Inbegriff von Begeisterung

Wood war leidenschaftlich und empfand eine tiefe Liebe zum Film. Aber die Leute haben sein Talent immer infrage gestellt. Er fühlte sich wie Orson Welles und war überzeugt, dass er etwas Großes, etwas Wichtiges tun konnte. Er war sich seiner selbst so sicher, dass er sogar als sein eigener Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler arbeitete.

Burtons Film präsentiert Wood als liebenswerten, unschuldigen Mann mit kindlichen Hoffnungen und Träumen. Trotz all der harten Kritik und Rückschläge verlor Wood nie sein Lächeln. Er glaubte an sich selbst und drehte weiterhin Filme, egal wie klein das Budget war.

Irgendwann freundete er sich mit Bela Lugosi an, dem ungarisch-amerikanischen Schauspieler, der für seine Darstellung von Dracula bekannt war. Burton sah in dieser Freundschaft eine Reflexion dessen, was ihm mit Vincent Price passiert war: Er war ein beliebter Horrorschauspieler, dem Burton die letzte Rolle seiner Karriere gab, ähnlich wie Wood es mit Lugosi getan hatte.

Szene aus "Ed Wood"

Wood war charismatisch und seine Freunde halfen ihm, die Ablehnung der Branche zu ertragen. Tatsächlich ließen sie sich taufen, um Geld von einer religiösen Gruppe zu bekommen, damit Wood Plan 9 aus dem Weltall filmen konnte. Sein unglaublicher Optimismus hat ihn schließlich zu einer Kultfigur gemacht. Und bis heute gibt es sogar eine spirituelle Bewegung, die nach ihm benannt ist!

Am Ende seines Lebens begann der Optimismus von Wood zu schwinden und er verstarb als verarmter Alkoholiker. Glücklicherweise gelang es Burton, seine Essenz einzufangen und einen Film voller Optimismus und Hoffnung zu schaffen.

Es ist ein nostalgischer Film, der es dem Zuschauer erlaubt, diesen merkwürdigen Regisseur schätzen zu lernen, sich die Hoffnung auch im Angesicht von Schwierigkeiten zu erhalten und sich zu fragen, wie das Leben von Wood wohl gewesen wäre, wenn er in einer anderen Zeit geboren worden wäre.

„Die Verrücktheit einer Person ist die Realität einer anderen.“

Tim Burton