Du erschaffst dir deine eigenen Verpflichtungen

7. Oktober 2017 en Psychologie 368 Geteilt

Wir werden unablässig mit Verpflichtungen überschüttet – angefangen mit jenen, die wir auf Arbeit erfüllen müssen, bis zu den Verpflichtungen daheim, denn es muss ja jeden Tag ein warmes Essen auf dem Tisch stehen. In dieser anspruchsvollen Gesellschaft, in der wir leben, müssen wir attraktiv, leistungsstark und immer auf der Höhe sein, aber auch gute Partner, Eltern, Kinder, Freunde und Kollegen.

Verpflichtungen sind die Erwartungen, die wir erfüllen müssen, wenn wir uns wie ein besserer Mensch fühlen wollen. Aber denke einmal nach: Wer bürdet dir denn deine Verpflichtungen auf? Von wem stammen diese Erwartungen wirklich?

Du wirst darauf vielleicht antworten, dass es unser Lifestyle sei, den wir alle leben, und der dafür verantwortlich ist, dass der Terminkalender aus allen Nähten platzt. Aber denke noch einen weiteren Moment lang nach: Du wirst feststellen, dass wir uns die meisten Verpflichtungen in der Tat selbst auferlegen. Die Erwartungen der anderen sollen erfüllt werden – und nicht deine eigenen.

Wie oft fühltest du dich schon verpflichtet, etwas zu tun, was du nicht tun wolltest? Weil es nämlich etwas war, das du tun solltest? Das Wörtchen „sollte“ ist Teil vieler unserer irrationaler Glaubenssätze. Es trägt ein verstecktes Bedürfnis in sich, das erfüllt werden muss, wenn wir glücklich oder wenigstens nicht traurig sein wollen.

Gedanken, die auf Verpflichtungen hindeuten

Unangenehme Gefühle entstehen gewöhnlicherweise aufgrund einer Verpflichtung. Wie der kognitive Psychologe weiß, sind unsere Gedanken die direkte Ursache unserer Gefühle. Aber andersherum beeinflussen unsere Gefühle auch unsere Gedanken. Wenn wir uns angespannt, depressiv oder wütend fühlen, erschaffen wir in unserem Kopf wahrscheinlich eine endlose Anzahl von Verpflichtungen.

Sie nähren unsere falsche Vorstellung davon, wie die Dinge sein sollten. Sie versperren die Tür zu einer bedingungslosen Akzeptanz, die der Schlüssel zum emotionalen Wohlbefinden ist. Wir akzeptieren uns nicht so, wie wir sind. Dies erzeugt in uns einen Mangel an Selbstvertrauen.

Dazu kommt dieses angespannte Gefühl ob unseres Versuches, all die Erwartungen, die wir uns selbst aufgebürdet haben, zu erfüllen. Oder auch ein depressives Gefühl, weil wir bereits wissen, dass wir diese Erwartungen nicht erfüllen können. Und dann erklingen folgenden Mantras in unserem Kopf: „Ich hätte in dieser Situation anders handeln sollen.“ – „Ich sollte meine Arbeit jeden Tag perfekt erledigen.“ – „Ich sollte nicht versagen.“  Dies sind nur ein paar Beispiele für störende Gedanken, die wir nähren, wenn wir uns dazu verpflichten, jemand zu sein, der wir nicht sind.

Wenn Verpflichtungen auf uns selbst gerichtet sind, dann denken wir, dass wir uns auf eine bestimmte Art verhalten müssten, anstatt eine andere Verhaltensweise in Betracht zu ziehen.

Verpflichtungen können sich um uns, andere oder die Welt im Allgemeinen drehen. Verpflichtungen uns selbst gegenüber verbergen oft das Bedürfnis nach Zustimmung und Perfektion, etwa im Sinne von: „Ich sollte meine Arbeit perfekt erledigen, weil es mir ein Bedürfnis ist, in der Firma Anerkennung zu finden.“  Wenn wir den Versuch unternehmen, unserer Umwelt eine bestimmte Verhaltensweise aufzuzwingen, dann folgen wir dagegen einem Bedürfnis nach Bequemlichkeit: „Es sollte keine Staus geben, weil sie mich langweilen, ja aufregen, weil ich dann zu spät komme.“

Ersetze „ich sollte“  durch „ich würde gern“

Wenn wir unseren inneren Dialog neu gestalten, damit er besser zu der Welt passt, wie sie nun einmal ist, dann öffnet sich der Weg zu einem glücklicheren Leben. Und diese Veränderungen sollten nicht nur ein Lippenbekenntnis sein; wir müssen auch an das glauben, was wir sagen. Und uns dementsprechend verhalten, bis sich unsere unangenehmen Gefühle in angenehme Gefühle verwandeln.

Die meisten Verpflichtungen, die uns auferliegen, haben wir uns selbst aufgebrummt – selbst wenn wir der Ansicht sind, das wir ihnen unmöglich entkommen konnten. Wenn du weiter darüber nachdenkst: Niemand hält dir eine Pistole an den Kopf, um dich zu zwingen, dein Leben so zu leben, wie du es tust.

Alles, was wir tun, ist das Ergebnis einer persönlichen Entscheidung und darum sind wir selbst das Einzige, das es zu verändern gilt.

Du denkst vielleicht, dass es unvermeidliche Verpflichtungen gäbe: zur Arbeit gehen und dich um die Kinder kümmern. Aber als du deinen Job angenommen und dich dafür entschieden hast, Kinder zu bekommen, hast du dir diese Verpflichtungen aufgeladen. Alle deine Handlungen ziehen Konsequenzen nach sich. Und wenn du weiter deine Hypothek abbezahlen und gut erzogene Kinder um dich haben willst, dann musst du dich entsprechend verhalten. Aber niemand hat dich zu dem Leben, das du heute lebst, gezwungen. Es ist in den allermeisten Fällen das Resultat einer Handvoll von Entscheidungen, die du aus freien Stücken getroffen hast.

Selbst, wenn du dich oft dazu verpflichtet fühlst, den einen oder den anderen Weg zu wählen – schlussendlich triffst du die endgültige Entscheidung, ob du sie als die beste Lösung empfindest, ob du von jemandem oder von etwas beeinflusst wirst, ob du aus Angst heraus handelst. Du entscheidest, du handelst.

Um die Last aus Verpflichtungen und Anspannung zu vermindert, konzentriere dich auf deinen inneren Dialog: Jedes Mal, wenn in deinem Kopf ein „ich sollte“  auftaucht, ersetze es schnell durch „ich würde lieber“  oder „ich möchte“,  ohne dass du in die Anforderungsfalle tappst. Zum Schluss fügst du dem „ich möchte“  noch hinzu: „Die Welt wird nicht untergehen, wenn es so läuft, wie ich mir das vorstelle. Aber auch wenn es nicht funktioniert, dann habe ich doch immerhin eine bewusste Wahl getroffen.“

Sich von anderen Leuten oder dem Leben die Erfüllung der persönlichen Ziele zu erhoffen, ist genauso unrealistisch wie der Wunsch, der Himmel möge sich purpurrot färben. Deshalb sollten wir unsere Energie auch nicht darauf verschwenden, die Träume anderer Menschen zu realisieren.

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