Das totalitäre Selbst und die verzerrte Selbstwahrnehmung

Wie verändert sich unsere Denkweise? Wie beeinflusst die Umwelt diese Veränderungen? Erfahre heute Interessantes über die Theorie des autoritären Selbst.
Das totalitäre Selbst und die verzerrte Selbstwahrnehmung

Letzte Aktualisierung: 16. August 2021

Die Populärkultur hat die Wechselwirkung zwischen persönlichen Neigungen und dem Einfluss der Umwelt bereits assimiliert. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Theorien, die dieser Vorstellung vorausgehen und sehr interessant sind. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das totalitäre Selbst. 

In diesem Artikel sprechen wir über die Theorie von Anthony Greenwald. Es ist faszinierend, wie er die Entstehung von Ideen und die Wahrnehmung der Welt konzipiert. Lies weiter!

Das totalitäre Selbst

Die übliche Vorstellung von der Entstehung von Ideen und subjektiven Weltanschauungen ist, dass sie von der Außenwelt geformt werden, während wir Erfahrungen machen. Unser Gedächtnis und unsere Gedanken sind dementsprechend das Produkt der Wechselwirkung unserer genetischen Veranlagung mit dem Einfluss der Umwelt. Auf diese Weise konstruieren wir unsere Geschichte.

Wie Greenwald bereits 1980 postulierte, ist das totalitäre Selbst nach seiner Theorie dafür verantwortlich, all diese Informationen zu erhalten, die uns ausmachen. Doch wie geschieht das?

Die Antwort lautet: durch kognitive Verzerrungen oder die verzerrte Verarbeitung sozialer Informationen, die ein positives Selbstbild ermöglichen. 

Der Grund für die Bezeichnung “totalitär” liegt nach dieser Theorie darin, dass das Selbst Informationen ähnlich wie eine totalitäre Regierung verzerrt und auswählt. Die Prozesse, die wie im Folgenden darstellen, sind der Zensur sehr ähnlich, die Diktaturen anwenden, um das Bild der Notwendigkeit und des Guten aufrechtzuerhalten.

Das totalitäre Selbst und die verzerrte Selbstwahrnehmung

Kognitive Verzerrungen und das totalitäre Selbst

Kognitive Verzerrungen sind systematische Fehlinterpretationen von Informationen bei Urteilen, Entscheidungen oder bei der Verarbeitung von Gedanken. Obwohl dies negativ erscheinen mag, geht es um die Anpassungsfähigkeit, die die Entscheidungsfindung für das Überleben erleichtert. Wenn es um soziale Fragen geht, können diese kognitiven Verzerrungen jedoch ein echtes Problem sein.

Es ist eine Vielzahl von kognitiven Verzerrungen zu beobachten, aber das totalitäre Selbst prägt das Selbstkonzept durch drei wesentliche Phänomene: Egozentrik, Konservativismus und die verzerrte Selbstgenügsamkeit. Wir betrachten dieses Verzerrungen anschließend etwas genauer.

Egozentrik: das Selbst als Hauptdarsteller

Wenn eine Person gebeten wird, uns eine ihrer Erinnerungen zu erzählen, wird sie sich vermutlich selbst zum Hauptdarsteller der Geschichte machen, auch wenn dies vielleicht nicht der Wirklichkeit entspricht.

Wir Menschen sammeln vorwiegend autobiografisches Wissen, da Erinnerungen und Lernen durch Erfahrung aufgebaut werden. Tatsächlich können wir uns Informationen viel leichter merken, wenn sie uns selbst betreffen, anstatt sich auf andere zu beziehen. Dies wird als egozentrischer Bias bezeichnet.

Eine der Folgen dieser Voreingenommenheit ist die Tendenz, den eigenen Beitrag zu den Ereignissen um uns herum zu übertreiben, selbst wenn wir uns nicht an die genaue Beteiligung anderer erinnern. Auf diese Weise hält das totalitäre Selbst die Wahrnehmung aufrecht, wichtig für die Umgebung zu sein.

Die verzerrte Selbstgenügsamkeit

Mit dieser Voreingenommenheit ist es möglich, den Schwerpunkt der Verantwortung für das eigene Handeln so zu legen, dass die Vorstellung von Effizienz und Leistungsfähigkeit begünstigt wird. Wir können dies an zwei Beispielen veranschaulichen:

  • Die Fokussierung auf das Selbst, wenn es um Erfolg geht: Du bestehst eine Prüfung, indem du am Vortag lernst.
  • Äußere Umstände oder Pech bei Misserfolgen verantwortlich machen: “Ich habe versagt, weil ich krank wurde und nicht studieren konnte.”

Das Ziel dieser Voreingenommenheit ist, das Selbstwertgefühl zu schützen und ein Selbstkonzept zu schaffen, das mit positiven Vorstellungen über sich selbst übereinstimmt. Es hat auch einen Schutzwert gegen die negativen Emotionen, die mit dem Scheitern einhergehen. Diese Schaffung des positiven Selbstverständnisses und dessen Schutz ist der Charakterzug, der mit totalitären Regimen geteilt wird.

Konservatismus oder der Widerstand gegen Veränderungen

Das Selbstwertgefühl und das Selbstkonzept müssen minimal stabil sein, um ihre Kohärenz zu gewährleisten, da eine sich verändernde oder fragile Identität für die meisten ein Grund für psychisches Leid ist. Im Allgemeinen sind Veränderungen im Bereich der Persönlichkeit und Identität langsam und bestehen aus kleinen Schritten, die ein Gefühl von Stabilität vermitteln.

Daher bevorzugt das totalitäre Selbst alle Gedanken und Urteile, die helfen, unsere Identität zu bestätigen, aber nicht nur das: Da es sich im Allgemeinen um positive Urteile handelt, motiviert es auch das Fehlen von Veränderungen. Wie in einem autoritären Regime wird die Bewahrung des Bewährten verfolgt.

Das totalitäre Selbst und die verzerrte Selbstwahrnehmung

Obwohl der Begriff “totalitär” keinen optimalen Ruf hat, ist die Absicht dieser Theorie nichts anderes, als die Strategien zu definieren, die der Geist verfolgt, wenn es darum geht, unser Selbstwertgefühl zu schützen. Es ist unnötig zu erwähnen, dass das Wissen über diese “Tricks” äußerst hilfreich für die Selbstbeobachtung und die Ehrlichkeit mit sich selbst ist.

Andererseits wurde diese Theorie vor sechzig Jahren formuliert, sodass einige Details möglicherweise nicht unbedingt in den aktuellen Rahmen passen. Das totalitäre Selbst hat sich paradoxerweise im Laufe der Jahre weiterentwickelt, um sich den aktuellen Theorien anzupassen und allmählich die Tiefen des Geistes zu entwirren.

Es könnte dich interessieren ...
Selbstwahrnehmung: Akzeptiere deinen Körper
GedankenweltLies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Selbstwahrnehmung: Akzeptiere deinen Körper

Um mit unserem Körper respektvoll umgehen zu können, sollten wir damit beginnen, ihn zu verstehen. Er möchte nicht, dass es dir schlecht geht.