Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Was sind die Unterschiede?

In beiden Fällen handelt es sich um neurologische Erkrankungen, die jedoch nicht verwechselt werden dürfen. In unserem heutigen Artikel zeigen wir die wichtigsten Unterschiede auf.
Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Was sind die Unterschiede?

Letzte Aktualisierung: 31. August 2021

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Weltweit leiden daran Millionen von Menschen. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist ebenfalls eine Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der jedoch die Motoneuronen, das sind spezifische Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark, zerstört werden.

In beiden Fällen handelt es sich um neurologische Erkrankungen, die jedoch nicht verwechselt werden dürfen. In unserem heutigen Artikel zeigen wir die wichtigsten Unterschiede auf.

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Unterschiede

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Was sind die Unterschiede?

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Symptome

Am Beginn des Krankheitsverlaufs können bei beiden Krankheiten ähnliche Beschwerden auftreten (Muskelschwäche und -steifheit, Schwierigkeiten beim Bewegen der Gliedmaßen, motorische Koordinationsstörungen…). Doch die Symptome unterscheiden sich in Wahrheit erheblich.

Menschen mit Multipler Sklerose zeigen normalerweise während der ersten Ausbrüche die folgenden Symptome: Kribbeln, unsicherer Gang, Ataxie… Im Verlauf der Krankheit treten emotionale und kognitive Beschwerden auf (Angst, Depression, Gedächtnisstörungen…). Logischerweise können sich diese Symptome von Patient zu Patient stark unterscheiden.

Bei ALS kommt es in der Regel nicht zu kognitiven Problemen. Andererseits treten viele motorische Symptome auf, die die Kontrolle willkürlicher Bewegungen nach und nach verringern. In den Armen und Beinen geht die Kraft verloren und am Ende der Krankheit treten Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken und Atmen auf.

Ursachen

Die Ursachen der beiden Krankheiten sind ebenfalls unterschiedlich. Die genauen Gründe für Multiple Sklerose sind nicht ausreichend erforscht, wir wissen jedoch, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Eine Hypothese spricht von einem unbekannten Virus oder Krankheitserreger, der die Myelinscheide angreift, welche die Nervenfasern umhüllt und schützt. Auch die Oligodendrozyten werden zerstört. Diese Glialzellen signalisieren, dass neue Myelinscheiden gebildet werden müssen.

Die Amyotrophe Lateralsklerose verläuft unterschiedlich, da in diesem Fall die Motoneuronen angegriffen werden. Diese Nervenzellen kontrollieren die willkürlichen Bewegungen. Im Verlauf der Krankheit kommt es deshalb zu einer Muskelatrophie, da der Nervenimpuls nicht auf die Muskeln des Körpers übertragen werden kann.

Inzidenz

Derzeit sind in Deutschland rund 220.000 bis 250.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. Die Inzidenz liegt in Europa durchschnittlich zwischen 8 und 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an MS erkrankt.

Die Amyotrophe Lateralsklerose hat eine jährliche Inzidenz von 1 bis 2 Patienten pro 100.000 Personen. In Deutschland beträgt die Prävalenz zwischen 6.000 und 8.000 Patienten, wobei jedoch die kurze Lebenserwartung der Patienten berücksichtigt werden muss.

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Alter und Geschlecht

Multiple Sklerose tritt normalerweise viel früher auf als ALS, das Alter bei der Diagnose liegt zwischen 20 und 40 Jahren (das  Durchschnittsalter beträgt 29 Jahre). Die Amyotrophe Lateralsklerose tritt meist erst im Alter zwischen 40 und 70 Jahren auf.

In Bezug auf das Geschlecht ist Multiple Sklerose häufiger bei Frauen als bei Männern zu beobachten, während ALS häufiger bei Männern auftritt. Die Gründe dafür sind nicht ausreichend erforscht.

Erblichkeit

Obwohl nicht nachgewiesen ist, dass Multiple Sklerose erblich ist, wird die Erkrankung eines Familienmitglieds als Risikofaktor betrachtet (insbesondere bei Verwandten ersten Grades, wie Eltern oder Geschwister). Im Falle von ALS sind 10 % der Fälle mit einer Mutation eines von den Eltern geerbten Gens verbunden.

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Behandlung

In beiden Fällen handelt es sich um Erkrankungen, die nicht geheilt werden können. Die Behandlungsmethoden zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten sind jedoch unterschiedlich.

Bei Multipler Sklerose sind wirksame Behandlungen bisher nur bei Menschen mit der schubförmig-remittierenden Variante möglich (bei der primär progredienten Variante gibt es keine wirksamen Therapien, obwohl die Behandlung mit Kortikosteroiden wie Dexamethason untersucht wird.

Als wirksam haben sich drei Interferone erwiesen: Avonex, Betaferon und Rebif. Copaxone (Polypeptidsatz), Mitoxantron (Immunsuppressivum) und Natalizumab (monoklonaler Antikörper) kommen ebenfalls zum Einsatz.

Zur Behandlung von ALS wird nur ein einziges Medikament kommerzialisiert: Riluzol, das aus einem Glutamatblocker besteht, der die Zerstörung von Nervenzellen durch diese Substanz verhindern soll.

Des Weiteren empfehlen sich für beide Krankheiten andere Behandlungsmethoden, wie Psychotherapien, die Physio- oder Logotherapie.

Krankheitsprogression

85 % der Patienten mit Multipler Sklerose leiden an der schubförmig-remittierenden Variante (mit Ausbrüchen, die zurückgehen und in der Regel kontrolliert werden können).

Die Symptome, die bei jedem Ausbruch auftreten, sind meist 24 bis 72 Stunden vorhanden, stabilisieren sich dann aber. Erwähnenswert ist hier, dass es Menschen gibt, die jahrelang ohne Ausbrüche leben.

Die schubförmig-remittierende Form kann sich zu einer sekundär progredienten entwickeln. Rund 50 % der Patienten erkranken an dieser Art von Sklerose. Die primär progrediente Form betrifft 10 bis 15 %, dabei schreitet die Krankheit allmählich fort.

Die Amyotrophe Sklerose ist jedoch immer progressiv und verläuft nicht schubweise.

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose: Sterblichkeit und Schweregrad

Amyotrophe Lateralsklerose und Multiple Sklerose

Die Amyotrophe Lateralsklerose ist deutlich schwerwiegender als Multiple Sklerose. Die Lebenserwartung nach der Diagnose beträgt im Durchschnitt drei bis fünf Jahre, es kann jedoch auch Ausnahmen geben. Das bekannteste Beispiel dafür ist Stephen Hawking.

Multiple Sklerose muss nicht tödlich verlaufen, allerdings ist die Lebensqualität meist stark eingeschränkt. Die Lebenserwartung bewegt sich jedoch im Normalbereich.

Andere Krankheiten, andere Realitäten

Die Multiple Sklerose und die Amyotrophe Lateralsklerose sind völlig unterschiedliche Krankheiten, obwohl sie beide das zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen. Symptome und Behandlungsmethoden unterscheiden sich deshalb ebenfalls. Es gibt jedoch für keine dieser beiden Krankheiten eine Heilungsmöglichkeit, deshalb zielen die Therapien darauf ab, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

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