Was Liebe laut dem Buddhismus ist

· 17. September 2018

Was Liebe laut dem Buddhismus ist, unterscheidet sich vollkommen von der Vorstellung der westlichen Welt. Zuallererst wird sie als reines Gefühl gesehen, das einem anderen Lebewesen ganz selbstlos entgegengebracht wird. Zudem verspürt der Liebende ein absolutes Wohlbefinden in dem Wissen, dass er niemandem Schmerz oder Leid zufügt, sondern dazu beiträgt, jemandem eine Freude zu bereiten.

In der westlichen Welt ist die Liebe ein zwiespältiges Konzept, das die Anwesenheit einer anderen Person sowie Erwiderung und Zugehörigkeit verlangt. Man kann dies als zwiespältig bezeichnen, da ein Teil davon die Befriedigung eines fremden Verlangens erfordert und sich der andere, nicht weniger wichtigere Teil, völlig auf einen selbst bezieht. Deshalb sprechen wir von einer „weniger selbstlosen“ Liebe. Hier stehen wir also einem gegensätzlichen Konzept gegenüber, bei dem der Gegenstand der Liebe, wie Sigmund Freud es ausdrückte, einerseits geschützt werden, andererseits jedoch als Eigentum behalten werden soll und Ziel für Anfeindungen und Beleidigungen werden kann, sobald die Liebe anders gesehen wird. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die Instinkte des Lebens und des Todes eine dialektische Beziehung pflegen, auf die sie zurückgreifen. Die Liebe kann nicht ohne Hass verstanden werden. Laut der Theorie der Psychoanalytik sei der Lebensinstinkt, der den Menschen erhalten möchte, mit dem Todesinstinkt, der zerstören möchte, untrennbar verbunden.

Die Hauptmerkmale der Liebe laut dem Buddhismus

Was Liebe laut dem Buddhismus ist, hat daher rein gar nichts mit der verbreiteten Vorstellung von der Liebe in der westlichen Welt gemein. Eine der fundamentalen Eigenschaften der Liebe gemäß dem Buddhismus ist die Fähigkeit, anderen gegenüber Mitgefühl aufzubringen. Dabei müssen alle Lebewesen vollständig respektiert werden.

Buddha umgeben von Bäumen

Zudem gilt in der buddhistischen Vorstellung, dass die Absicht in der Liebe die gleiche wie beim Glauben sein müsse, der die Erleuchtung suche, wodurch wir uns vom Leiden, das die Liebe der westlichen Welt umgibt, befreien können. Es handelt sich hierbei um den aufrichtigen Wunsch, gut zueinander zu sein, indem Energie und Mittel geteilt werden.

„Die positive Energie kann auf viele verschiedene Weisen gesteigert werden, aber am mächtigsten ist das Erschaffen von Liebe und Glauben, die aus der Energie der ursprünglichen Weisheit stammen. Wenn wir uns über den Glauben mit der weiten und tiefen Kontinuität des Geistes verbinden können, dann können die durch die Energie der ursprünglichen Weisheit erleuchteten inneren Qualitäten wachsen. Die Essenz der Liebe ist das Mitgefühl der erhabenen Wesen, die immer Energie geben.“

Thinley Norbu

 

Freundlichkeit und Wohlwollen als wichtiger Teil der Liebe

Die Liebesvorstellung des Buddhismus zeichnet sich durch Freundlichkeit und Wohlwollen aus, ist jedoch nicht auf eine Person fixiert, da eine solche Fixierung Leid verursacht. Um die Liebe im Sinne des Buddhismus zu leben, muss man sich an nichts festhalten, da dies an sich schon eine unmögliche Aufgabe ist, denn nichts bleibt jemals so wie es ist: Alles verändert und wandelt sich.

Die buddhistische Lehre besagt, dass Glück und Zufriedenheit allein in uns wohnen und nur von diesem Ort aus geteilt, aber nie vollständig gegeben werden können: Abhängigkeit kommt in dieser Philosophie nicht vor.

Gemäß dem Buddhismus sei die Liebe unerschöpflich, da die dazugehörige Energie dem Kosmos und nicht den einzelnen Individuen gehöre. Wenn die Liebe die vorangegangenen Merkmale nicht aufweist, dann beruht sie gemäß der buddhistischen Lehre auf einer egoistischen Projektion der eigenen Bedürfnisse.

„Die Lehren der Liebe von Buddha sind klar, wissenschaftlich und anwendbar. Liebe, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit liegen in der Natur einer erleuchteten Person. Dies sind die vier Aspekte der wahren Liebe in uns, zwischen uns und in allem.“ 

Thích Nhất Hạn

Hände halten ein rosa Herz

Sich für andere Menschen zu freuen, ohne dabei Neid zu empfinden, ist eine weitere der Eigenschaften der wahren Liebe. Zuletzt muss sie noch ausgeglichen und gemäßigt sein, damit sie die Seele nicht erschüttert und sich nicht zu einer Abhängigkeit entwickelt.

Die wahre Liebe einem anderen Menschen gegenüber aus der orientalischen Sichtweise zu verstehen, mag für uns aufgrund unseres kulturellen und natürlichen Hintergrunds vielleicht eine schwierige Aufgabe sein. Trotzdem sollten wir uns darin üben, da dies eine wunderbare Möglichkeit darstellt, all das zu genießen, was wir zu dieser Welt beitragen können.