Selbstfürsorge für Psychologen: 8 Strategien

Wenn du anderen Menschen helfen möchtest, dann musst du zuerst einmal für dich selber sorgen. Hier findest du einige Tipps zur Selbstfürsorge für Psychologen.
Selbstfürsorge für Psychologen: 8 Strategien

Letzte Aktualisierung: 13. März 2021

Psychologen sind auch nur Menschen. Auch während der täglichen Ausübung deines Berufes ändert sich daran nichts. In diesem Sinne gehört es zu deiner Aufgabe, auch auf deine eigene Gesundheit zu achten, insbesondere wenn du die Risiken eines möglichen Burnouts verstehst. Aber wie kann diese Selbstfürsorge für Psychologen umgesetzt werden? Welche Situationen, mit denen du konfrontiert wirst, sind für dein eigenes Wohlbefinden besonders gefährlich? In unserem heutigen Artikel wollen wir dir einige Strategien vorstellen und diese Fragen beantworten.

Obwohl Psychologen in vielen verschiedenen Kontexten arbeiten, ist die menschliche Interaktion immer ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Unabhängig von deinem Fachgebiet solltest du dir stets vor Augen halten, dass du nicht aus einem leeren Krug gießen kannst. Wenn du anderen Menschen helfen willst, musst du sicherstellen, dass du dich auch um dich selbst kümmerst. Daher ist eine angemessene Selbstfürsorge für Psychologen so wichtig.

“Kenne alle Theorien, beherrsche alle Techniken, aber wenn du eine menschliche Seele berührst, sei einfach eine andere menschliche Seele.”

-Carl Jung-

Selbstfürsorge für Psychologen - Therapeut

Selbstfürsorge für Psychologen: 8 Strategien

Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) definiert Fürsorge als “Sorge um jemanden, jemanden umsorgende Hilfe, Pflege” und der Duden erklärt Fürsorge als “aktives Bemühen um jemanden, der dessen bedarf”. Infolgedessen ist Selbstfürsorge die Sorge und das aktive Bemühen um dich selbst.

Selbstfürsorge für Psychologen beinhaltet bestimmte Praktiken, die das eigene Wohlbefinden sicherstellen. Es geht darum, sich auf ganzheitliche Weise um die eigene Gesundheit zu kümmern. Hier sind einige unserer Vorschläge:

1. Selbsterkenntnis

Selbsterkenntnis ist etwas, das jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad praktiziert. Sie stammt sowohl aus der Erfahrung als auch aus der Meta-Erfahrung. Für Psychologen ist diese Praxis ganz besonders wichtig. In diesem Beruf ist es von entscheidender Bedeutung, nicht den Fokus zu verlieren oder der Versuchung zu erliegen, das Wissen, das du über dich selbst hast, auf den Patienten zu projizieren.

Außerdem hilft dir Selbsterkenntnis zu erkennen, welchen Patienten du helfen kannst und welche du zu einem Kollegen oder an einen anderen Spezialisten verweisen solltest. Im klinischen Umfeld ist dies eine ganz besonders wertvolle Fähigkeit.

2. Selbstfürsorge für Psychologen: Selbstkontrolle

Eine weitere Strategie zur Selbstfürsorge für Psychologen ist die Selbstkontrolle. Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) definiert Selbstkontrolle als “Kontrolle des eigenen Tuns und Verhaltens” in Form von “Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin”.

Daher ist die Selbstkontrolle ein Schlüssel für das Wohlbefinden eines Psychologen, da sie dir hilft, Grenzen zu setzen und diese zu respektieren. Diese Grenzen setzt du in Momenten analytischer Reflexion, damit deine Überlegungen nicht durch dabei auftretende Impulse beeinflusst werden. Außerdem erleichtern Selbstkontrolle und eine angemessene Durchsetzungsfähigkeit, mit anderen Menschen auf persönliche Weise in Kontakt zu treten.

3. Resilienz

Resilienz ist die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen. Wenn du anderen Menschen helfen möchtest, kann diese Kompetenz sehr wichtig sein, da du deine eigenen Erfahrungen bei der Bewältigung und Überwindung von Widrigkeiten mit ihnen teilen kannst.

Wenn du resilient bist, hast du auch die Kraft, mit den Problemen anderer Menschen umzugehen, die dich an deine eigenen erinnern. Obwohl unsere natürlichen Abwehrmechanismen normalerweise versuchen, derartige Trigger-Situationen zu vermeiden, kann dir Resilienz dabei helfen, damit angemessen umzugehen.

Klinische Psychologen sind häufig von den Kämpfen und Problemen ihrer Patienten bewegt und berührt. Das ist nichts, wofür du dich schämen musst. Wenn es dir gelungen ist, deine eigenen Widrigkeiten zu überwinden, wirst du auf positive Weise davon berührt sein. Darüber hinaus könnte dies sogar eine transformierende Erfahrung sein.

4. Selbstfürsorge für Psychologen: Mache selber eine Therapie

Dies ist eine exzellente Gewohnheit, und zwar sowohl für klinische Psychologen als auch für diejenigen, die in anderen Kontexten tätig sind. Wenn du dir vor Augen führst, dass eine Therapie dir dabei helfen kann, dich selbst besser zu verstehen und deine Probleme zu bearbeiten, erkennst du, dass du auf diese Weise einen wertvollen Beitrag für deine eigene Tätigkeit leisten kannst. Daher ist dies eine Investition, die großartige Resultate liefert.

Darüber hinaus fördert eine Therapie auch deine Resilienz und verbessert dein Emotionsmanagement. Beide Kompetenzen sind von grundlegender Bedeutung für deine emotionale, soziale und physische Gesundheit.

Die permanente Interaktion mit Patienten kann schnell zu einem Burnout führen. Daher ist eine Psychotherapie ein großartiges Instrument, um einer emotionalen und intellektuellen Erschöpfung vorzubeugen. Darüber hinaus kann eine gute psychotherapeutische Supervision dir auch dabei helfen, deine eigenen Schwächen und charakterlichen Eigenheiten (die jeder Mensch hat) in Schach zu halten. Wenn du Probleme bei der Arbeit hast, solltest du nicht zögern, dir selber Hilfe zu suchen. In der Tat ist dies eine der wichtigsten Strategien zur Selbstfürsorge für Psychologen und alle in diesem Bereich praktizierenden Fachkräfte.

5. Nutze dein soziales Unterstützungsnetzwerk

Aber das ist noch nicht alles, denn auch ein erfülltes soziales Leben ist für das Wohlbefinden von grundlegender Bedeutung. Daher ist dies eine wichtige Form der Selbstfürsorge für Psychologen, an die wir dich erinnern möchten. Die Förderung von Verbindungen zu anderen auf professioneller Ebene trägt zur Entwicklung von Empathie bei. Auf persönlicher Ebene erweitert und stärkt es dein Unterstützungsnetzwerk.

Um den größten Nutzen aus deinem sozialen Umfeld zu ziehen, solltest du Beziehungen mit Menschen pflegen, die dein Leben bereichern. Aber auch hier solltest du nicht vergessen, sowohl bei deinen professionellen als auch privaten Kontakten gesunde Grenzen zu setzen. Denn eine toxische Beziehung wird keinerlei positiven Beitrag zu deiner psychischen Gesundheit leisten.

Du kannst das Setzen von Grenzen sehr gut bei Menschen aus deinem Umfeld praktizieren, die dich um (unbezahlte) Unterstützung bitten. Erkläre ihnen, inwiefern diese Dynamik Teil deiner Arbeit ist und wie das im klinischen Umfeld funktioniert.

6. Ich kümmere mich um dich und ich kümmere mich um mich selbst

Die Tätigkeit als Psychologe beinhaltet die Verpflichtung, sich um das Wohlbefinden anderer Menschen zu kümmern. Aber dieses Engagement führt manchmal dazu, dass du dich auf eine Art und Weise engagierst, die außerhalb der Grenzen eines verantwortungsvollen Verhaltens liegt.

Darüber hinaus vernachlässigen viele Psychologen in ihrem Wunsch, anderen zu helfen, ihre eigene psychische Gesundheit. Allerdings solltest du dir bewusst machen, dass sich ein derartiges Verhalten letztendlich nachteilig auf die Versorgung auswirken wird, die du deinen Patienten offerieren kannst.

7. Selbstfürsorge für Psychologen: Praktiziere Achtsamkeit

Die Forscherin Therese Eriksson von der Umeå Universität in Schweden fand heraus, dass Achtsamkeit dazu beitragen kann, ein Burnout bei praktizierenden Psychologen zu verhindern. Diese Studie stützt die Idee, dass Praktiken zur Selbstfürsorge von entscheidender Bedeutung sind, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Psychologen zu erhalten.

Wenn du dir deiner Bedürfnisse bewusst bist, kannst du dadurch vermeiden, diesen Punkt des Zusammenbruchs zu erreichen. Es gibt verschiedene Praktiken, die du anwenden kannst, um dein Bewusstsein zu verbessern, unter anderem: Meditation, nicht-wertende Beobachtung, Loslösung von Ergebnisorientierung, Akzeptanz und Loslassen, dir selber zuhören und dich mit dem gegenwärtigen Moment verbinden.

Selbstfürsorge für Psychologen - Meditation

8. Abkoppelung von deiner Arbeit

Abkopplung bedeutet, jedem Moment seinen Raum zu geben. Zu verstehen, wann es besser ist, die eigene Aufmerksamkeit von deinem bewussten Willen zu lösen – zum Beispiel, wenn du dich ausruhen möchtest – und wann es besser ist, dies nicht zu tun – zum Beispiel, wenn du in einem Gespräch mit einem Patienten bist.

Daher solltest du dir verschiedene Prioritäten setzen, die das schützen, was sich direkt auf dein Wohlbefinden auswirkt. Mit anderen Worten, was dein physisches, emotionales, soziales und spirituelles Selbst beeinflusst. Hier findest du einige hilfreiche Aktivitäten:

  • Körperliche Bewegung und Sport
  • Ein Treffen mit deinen Lieben
  • Ein Essen mit deinem Partner
  • Achtsames Essen
  • Zeit für dich alleine
  • Spielen
  • Künstlerisch tätig sein
  • Musik hören
  • Meditieren

Wie du siehst, gibt es zahlreiche Strategien der Selbstfürsorge für Psychologen. Das Wichtigste dabei ist, dass du dir der Bedeutung der Selbstfürsorge bewusst bist und diese Strategien regelmäßig anwendest. Denn sie sind der Schlüssel zur Vermeidung eines Burnouts und erlauben dir, deinen Patienten die bestmögliche Versorgung bieten zu können.

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