Fibromyalgie und Probiotika – Wie hängen sie zusammen?

· 9. Oktober 2018

In einer Studie der Universität von Almeria (Spanien) wurde der Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Probiotika untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass der Verzehr bestimmter Bakterien die Lebensqualität von Patienten mit Fibromyalgie deutlich verbessern kann.

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung unbekannter Ursache, die durch umfassende und diffuse Schmerzen von Muskulatur und Skelett gekennzeichnet ist. Menschen mit Fibromyalgie erleben neben körperlichen Beschwerden aber auch psychische und emotionale Belastungen.

Psychologische Therapien und Praktiken wie Meditation helfen Fibromyalgiepatienten mitunter, dies verschiedenen Arten von Schwierigkeiten zu bewältigen. Doch nach den neuesten Daten scheint es, dass Probiotika eine Alternative seien, die unsere Aufmerksamkeit verdiene. Hier werden wir ihre Beziehung zur Fibromyalgie beleuchten.

Probiotika verbessern komplexe kognitive Funktionen

Probiotika sind lebende Bakterien, deren Verzehr mit Vorteilen für den Körper einhergeht. Sie helfen, die Darmflora zu kultivieren, eine bessere Verdauung zu erreichen und das Immunsystem zu stärken. Die von Wissenschaftlern der Universität Almeria durchgeführte Studie beschreibt nun die Auswirkungen von vier probiotischen Stämmen auf Personen, die an Fibromyalgie leiden.

In dieser Pilotstudie fanden die Forscher heraus, dass probiotische Verbindungen, die in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden, direkt zur Verbesserung komplexer kognitiver Funktionen beitragen, die bei diesen Patienten häufig beeinträchtigt sind. Damit kann diese Arbeit eine ausgezeichnete Ergänzung zu anderen Studien im Zusammenhang mit dem Essverhalten von Menschen mit Fibromyalgie sein.

Bakterien als Symbol für den Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Probiotika

Die Experten arbeiteten mit einer ersten Hypothese, nach der Probiotika eine Reihe von Vorteilen verleihen. Die meisten dieser Vorteile betrafen die Funktionen des Geistes und die physischen und emotionalen Symptome. Laut Pablo Román, dem Erstautor der Studie, wollte man zunächst abklären, ob diese Bakterien dazu beitragen, sowohl die Intensität der Schmerzen als auch die Angst und Depression von Patienten mit Fibromyalgie zu reduzieren. Sie wollten weiterhin wissen, ob sie zu einer kognitive Verbesserung führen.

Dazu nutzten die Forscher Fragebogen und wiesen zu praktischen Aufgabenn an, um die Patienten hinsichtlich ihrer kognitiven Leistung und ihres psychischen Zustandes zu bewerten. Auf diese Weise sammelten sie nützliche Informationen über Indikatoren wie die Lebens- und Schlafqualität, den Grad der Schmerzen, die Häufigkeit und Schwere der Fibromyalgiesymptome und machten eine Bestandsaufnahme der psychischen Erkrankungen, die die Betroffenen zusätzlich plagten.

Die Ergebnisse der Studie

Die dabei gewonnenen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Aufnahme von Mikroorganismen den Bereich des Gehirns, der für die motorischen Funktionen verantwortlich ist, nicht beeinflusst. Andererseits fördert sie den Teil des Hirns, der die Anpassungsfähigkeit an eine bestimmte Umgebung vermittelt. Darüber hinaus kommt es seltener zu Ermüdungserscheinungen, wenn die Patienten Probiotika konsumieren.

Die Forscher fanden heraus, dass, wenn es an der Zeit war, Entscheidungen zu treffen, die Gruppe der Patienten, die Probiotika erhielten, weniger impulsiv handelte und dennoch weniger Zeit benötigte, um sinnvolle Entscheidungen zu fällen.

Der Placeboeffekt in der Studie zu Fibromyalgie und Probiotika

Bis zu diesen Schlussfolgerungen über den Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und Probiotika untersuchten die Experten etwa 60 Fibromyalgiepatienten. Die Personen waren überwiegend Frauen, da diese Krankheit hauptsächlich das weibliche Geschlecht betrifft.

Zuerst wurde jeder Einzelne einer ausführlichen Anamnese unterzogen. Darin erfassten die Wissenschaftler sie mittels verschiedener Fragebögen und Aufgaben die kognitiven Fähigkeiten der Patienten sowie andere Faktoren, die mit ihrem körperlichen und emotionalen Zustand zusammenhingen. Zwei Tage lang maßen sie die Intensität der Symptome und evaluierten auf Angstzustände und depressive Symptome.

Schmerzen in Nacken und oberem Rücken

Anschließend wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe konsumierte während acht Wochen Probiotika, während die zweite Gruppe von Patienten im gleichen Zeitintervall Placebos einnahm. Die Dosis lag bei vier Tabletten pro Tag und die Kapseln mit den Bakterien als auch die mit dem harmlosen Placebo waren sich in Aussehen, Geschmack und Geruch gleich.

Nach Abschluss der Behandlung wurden die Patienten erneut befragt, um die Ergebnisse der Behandlung zu bewerten und zu vergleichen. Die Patienten, denen lediglich ein Placebo verabreicht wurde, machten keinerlei Fortschritte. Im Gegensatz dazu zeigten diejenigen, die Probiotika einnahmen, in verschiedenen Tests, dass ihre kognitive Flexibilität etwas größer war als vor der Studie. Daher ist der Placeboeffekt als Ursache der Effektivität der Behandlung ausgeschlossen.

Nach dieser ersten Untersuchung wird dieses multidisziplinäre Team aus Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Psychologen und Neurowissenschaftlern, das mit Mitteln der Universität von Almeria finanziert wird, weiterhin an neuen Therapieansätzen mit Probiotika arbeiten, die auch bei anderen Krankheiten Nutzen bringen können. Die positiven Effekte der Beziehung zwischen Fibromyalgie und Probiotika scheinen sich zumindest in dieser Pilotstudie bestätigt zu haben.