Emotionales Schlussfolgern: Was es bedeutet und welche Konsequenzen es hat

· 1. Oktober 2018

Weißt du, wie es ist, etwas zu erleben, ohne dass es einen Beweis dafür gäbe, dass es wirklich geschieht? Nun, wenn du dich damit identifizieren kannst, dann hast du bereits erfahren, was zu einer der unbequemsten psychologischen Fragen führt. Es ist ein häufiges Problem, das als emotionales Schlussfolgern beschrieben wird.

Emotionales Schlussfolgern ist ein Begriff, der eine Art von kognitiver Verzerrung beschreibt. Aaron Beck, der Begründer der Kognitiven Therapie, war derjenige, der diesen Begriff in den 1970er Jahren definierte: Wenn du entscheidest, dass deine emotionale Reaktion mit der Realität übereinstimmt, dann schaffst du einen Fall von emotionalem Denken. Du wirfst Beweise über Bord oder ignorierst sie einfach und achtest nur auf diese „Wahrheit“, die von deinen eigenen Gefühlen herrührt. Darüber hinaus sagte Beck, dass diese Art der Argumentation ihre Basis in negativen Gedanken habe, die unwillkürlich, unkontrollierbar und automatisch seien.

Gefühle sind keine Fakten

Emotionales Denken beruht auf der Annahme, dass das, was du fühlst, wahr sein müsse. Zum Beispiel müsse es wohl wahr sein, dass es nicht gut für dich läuft und du eine Pechsträhne hast, wenn du traurig bist. Natürlich kann es förderlich sein, mit den Gefühlen in Verbindung zu treten – aber nicht, wenn das, was du fühlst, sich deutlich von dem unterscheidet, was tatsächlich passiert.

Schatten einer Rose auf dem Pullover eines Mannes

Die Stärke deiner Gefühle führt zu Überzeugungen, die meist bestehen bleiben, bis der emotionale Sturm abklingt. Wenn du emotional argumentierst, vertraust du den automatisch generierten Gedanken, die emotionale Probleme verursachen. Dann endest du damit, die Situation auf Basis deiner Gefühle zu beurteilen.

Deshalb verzerrt emotionales Denken deine Wahrnehmung von der Realität und rückt sie – in aller Regel – in ein negatives Licht. Prinzipiell kann sie sie auch in einem positiven Licht erstrahlen lassen, aber darauf werden wir in diesem Artikel nicht eingehen. Dieses Dunkel passt perfekt zu deiner Welt und du bemerkst seinen Einfluss auf dich nicht. Also fragst du dich auch nicht, ob das, was du zu sehen glaubst, tatsächlich wahr ist oder ob deine Gefühle dich manipulieren.

„Negative Emotionen wie Einsamkeit, Neid und Schuld spielen in einem glücklichen Leben eine wichtige Rolle; sie sind große, blinkende Zeichen, dass sich etwas ändern muss.“

Gretchen Rubin

Emotionales Schlussfolgern kann den gegenwärtigen Moment sabotieren

Emotionales Schlussfolgern ist eine sehr knifflige Argumentation, weil sie allein auf Gefühlen basiert. Das Problem daran ist, dass Gefühle nur Gedanken und Überzeugungen widerspiegeln, keine Realitäten. Zum Beispiel hat sich jeder irgendwann in seinem Leben wie ein Idiot gefühlt. Aber das heißt nicht, dass wir alle Idioten wären, nur weil wir uns so gefühlt haben, richtig?

Natürlich nicht! Diese Annahme beruht auf einer verzerrten Wahrnehmung unserer Umwelt, was bedeutet, dass die Emotionen, die wir verspüren, kein Beweis dafür sind, dass wir tatsächlich Idioten wären. Das gilt übrigens auch, wenn du dich wegen etwas überwältigt oder hoffnungslos fühlst. Diese Gefühle bedeuten nicht, dass deine Probleme unmöglich zu lösen wären und dass ein katastrophales Ende nahe.

Emotionales Denken hat auch eine wirklich häufige Nebenwirkung: Prokrastination. Wenn du das Gefühl hast, etwas zu vermasseln, wirst du es wahrscheinlich aufschieben oder gar nicht erst versuchen. Diese Verschleppung verhindert, dass du gesunde Entscheidungen hinsichtlich deiner Selbstversorgung triffst.

Wenn etwas als sicher gilt, ist unsere natürliche Reaktion nicht, zu kämpfen, um es zu vermeiden oder loszuwerden. Normalerweise geben wir uns dieser Realität hin und akzeptieren sie einfach als Tatsache. Deshalb wird unsere Wahrnehmung der Realität in den meisten Fällen zur Realität.

Frau sitzt nachdenklich am Fenster.

Emotionales Schlussfolgern und Depression

Emotionales Schlussfolgern spielt in fast allen Fällen von Depression eine große Rolle. Da depressive Menschen die Welt so negativ wahrnehmen, gehen sie normalerweise davon aus, dass die Realität wirklich düster wäre. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, zu hinterfragen, ob die Wahrnehmung, die auf ihren Gefühlen beruht, gültig ist oder nicht.

Viele depressive Menschen – und ebenso viele, die nicht an Depressionen erkrankt sind – praktizieren emotionales Schlussfolgern. Sie filtern, um sich auf die negativen Aspekte eines eigentlich positiven Ergebnisses konzentrieren zu können. Sie tun das, weil sie sich in einem negativen Zustand durch das Leben bewegen. Außerdem macht es für sie keinen Unterschied, ob sie diese Situation kontrollieren können oder nicht. Am Ende wird sie ihnen über den Kopf wachsen, solange sie emotional argumentieren.

Eines der großen Probleme ist, dass emotionales Schlussfolgern ein erlerntes Verhalten ist. Erwähnenswert ist auch, dass emotionales Argumentieren nicht per se zu Depressionen führt. Aber die Denkmuster, die es mit sich bringt, machen es wirklich schwer, Depressionen zu bekämpfen.

Frau im Winter ist depressiv

Die Wahrheit ist, dass emotionales Schlussfolgern wirklich weitverbreitet ist. Wir alle gehen davon aus, dass wir rationale Entscheidungen treffen, aber wir in aller Regel tun wir das nicht. Es ist viel einfacher, uns von unseren Gefühlen leiten zu lassen. Aufgrund der Art und Weise, wie unser Gehirn verkabelt ist, ist es viel einfacher, eine Entscheidung auf der Basis von Gefühlen zu treffen, als sie auf Fakten zu basieren. Normalerweise suchen wir nicht nach Fakten, um unsere Schlussfolgerungen zu untermauern. Wir akzeptieren sie nur als Bestätigung – oder ignorieren sie.

Löse dich von deinen einschränkenden Überzeugungen und beende das emotionale Schlussfolgern

Das Hauptproblem mit falschen Gedanken, die beim emotionalen Denken ins Spiel kommen, ist, dass du, sobald du entschieden hast, dass deine Emotionen Tatsachen widerspiegeln, aufhörst, nach alternativen Erklärungen zu suchen. Deshalb sind diese Gedanken so einschränkend und so problematisch.

Wenn du dem emotionalen Schlussfolgern ein Ende setzen willst, dann solltest du nach dem Ausschau halten, was deine Gedanken infrage stellt. Du versuchst, für ein paar Sekunden innezuhalten und folgendes tun:

  • Beachte deine Gedanken. Wenn du emotionales Schlussfolgern bemerkst, denke daran, dass diese Gefühle vielleicht nicht viel damit zu tun haben, was um dich herum passiert. Versuche, objektiv zu bleiben.
  • Setze deine „ruhige Brille“ auf. Frage dich, ob du die Situation anders sehen würdest, wenn du ruhiger wärst. Versuche, die Beweise zu betrachten und zu entscheiden, ob die Gefühle, die du verspürst, in der gegebenen Situation angemessen und verständlich sind.
  • Gib deinen Gefühlen Zeit, zu gehen. Nimm dir Zeit und hinterfrage deine Schlussfolgerungen, sobald der emotionale Dorn im Auge verschwunden ist. Es ist viel einfacher, eine andere Perspektive auf die Dinge zu bekommen, sobald du dich beruhigt hast.

Verliere nie die Tatsache aus den Augen, dass emotionales Schlussfolgern eine mentale Falle ist. Es ist eine Illusion, die erscheint, wenn du Probleme hast, die Emotionen zu managen, die sich von deinen Gefühlen ernähren. Natürlich, so negativ sie auch sein mögen, Gefühle sind nie schlecht an und für sich. Sie sind da, um unser Überleben zu sichern – wie unser Verstand.

„Einen Marathon mit einem Rucksack zu laufen, ist hart und kann dich daran hindern, das Rennen zu gewinnen. Lass dich das Gepäck aus deiner Vergangenheit – schwer von Angst, Schuldgefühlen und Wut – nicht langsamer machen.“

Maddy Malhotra