Der Unterschied zwischen Persönlichkeit, Temperament und Charakter

· 23. Juli 2018

Persönlichkeit, Temperament und Charakter sind drei Konzepte, die in der Psychologie dazu benutzt werden, Denk- und Gefühlsweisen zu beschreiben, weshalb sie eng miteinander verbunden sind. Aber dieser enge Zusammenhang hat zur Folge, dass ihre Bedeutungen sehr oft verwechselt werden.

Um die Begriffe Persönlichkeit, Temperament und Charakter richtig verwenden zu können, werden wir versuchen, diese drei Begriffe auf einfache Weise abzugrenzen und zu definieren. Bevor wir uns die Unterschiede im Einzelnen ansehen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Temperament und Charakter Teile der Persönlichkeit sind. Das heißt, beide bilden die Grundlage der Persönlichkeit.

Persönlichkeit, Temperament und Charakter sind Begriffe, die in der Psychologie verwendet werden, um unterschiedliche Denk- und Gefühlsweisen zu beschreiben.

Temperament: Unsere Wesensart

Wenn wir von Temperament sprechen, beziehen wir uns auf diesen angeborenen Teil unserer Persönlichkeit, der durch unser Erbgut bestimmt wird. Daher wird es als der biologische oder intrinsische Teil der Persönlichkeit betrachtet. Tatsächlich ist das Temperament der Persönlichkeitsfaktor, der sich am frühesten zeigt.

Bereits bei Babys ist es möglich, verschiedene Arten von Temperament zu unterscheiden. Je nach ihrer Tendenz dazu, negative oder positive Gefühle und eine gute oder schlechte Laune zu haben und diese auszudrücken, können Kinder, was ihr Verhalten anbelangt, als „einfach“ oder „schwierig“ eingeschätzt werden.

Da es genetisch bedingt und das Resultat der geerbten Komponenten ist, ist das Temperament nur schwierig zu beeinflussen, zu manipulieren oder zu verändern. Wir werden immer diese angeborene Neigung haben, obwohl wir uns Mittel aneignen können, um den Ausdruck unseres Temperaments zu bestärken oder zu verringern. Wenn wir ein Eisberg wären, wären das Temperament wohl der Teil des Eisbergs, der sich unterhalb der Wasseroberfläche befindet, der dazu in der Lage ist, eine gewisse Kontrolle auszuüben, um zu verändern, wie sich der Eisberg oberhalb der Wasseroberfläche zeigt.

Kleinkind sitzt auf dem Rasen und lacht

Hippokrates und Galenos: die Viersäftelehre

Die Theorie der Viersäftelehre, die Hippokrates im antiken Griechenland vertrat, war eine der ersten, die das Temperament zu erklären versuchte. Dieser Arzt dachte, dass sowohl die Persönlichkeit als auch der Gesundheitszustand einer Person vom Gleichgewicht zwischen vier verschiedenen Substanzen abhängen würde: gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut. Er nannte sie Körpersäfte.

Jahrhunderte später kategorisierte Galenos von Pergamon die Menschen nach ihren Temperamenten. Er unterschied vier Klassen von Menschen:

  • Cholerische Menschen (vordergründig gelbe Galle): leidenschaftliche und energische Menschen, die leicht wütend werden
  • Melancholische Menschen (vor allem schwarze Galle): traurige Individuen, werden schnell emotional und sind sehr empfänglich für Kunst
  • Phlegmatische Menschen (überwiegend Schleim): kalte und rationale Wesen
  • Blut-Menschen (Blut überwiegt): glückliche und optimistische Menschen, die Zuneigung zu anderen ausdrücken und selbstsicher sind

Charakter: die Reflexion unserer Erfahrungen

Hierbei handelt es sich um die Persönlichkeitskomponente, die das Temperament und die Gesamtheit der Gewohnheiten beinhaltet, die uns anerzogen wurden und die wir durch unsere Beziehungen gelernt haben. Das bedeutet, der Charakter ist teilweise ein angeborener, teilweise ein angeeigneter Aspekt.

Darüber hinaus ist er das Ergebnis unserer Erfahrungen und sozialen Interaktionen, die wir in unserem Leben erleben und aus denen wir etwas Bestimmtes lernen. All diese Gewohnheiten beeinflussen demnach die Ausprägung unseres Temperaments und unserer biologischen Veranlagungen. Und sie modellieren, verändern, verfeinern und formen unsere Persönlichkeit. Daher ist das Entstehen des Charakters kulturell bedingt.

Der Charakter ist nicht so stabil wie das Temperament. Da er nicht geerbt wird, zeigt er sich nicht gleich zu Beginn unseres Entwicklungsprozesses, sondern durchläuft verschiedene Phasen, bis er in der späten Jugend vollkommen ausgereift ist. Aus diesem Grund ist er beeinflussbar und kann verändert werden, wie zum Beispiel durch soziale Bildung. Heutzutage wird dieser Begriff häufig mit dem der Persönlichkeit verwechselt, weshalb sie oft als Synonym zueinander verwendet werden.

Persönlichkeit: Biologie und Umwelt

Die Persönlichkeit ist das Ergebnis von Charakter, Verhalten und deren Bewertung. Das heißt, sie umfasst mehrere Aspekte, wie es der Charakter tut. Es ist vielleicht dieses Zusammenspiel, das es für uns leichter macht, die Unterschiede zwischen Persönlichkeit, Charakter und Temperament zu erkennen.

Deswegen kann sie nicht nur als Ergebnis der genetischen Vererbung betrachtet werden, sondern auch als eine Folge der Umwelteinflüsse, denen das Subjekt unterliegt. Die Persönlichkeit ist ein individuelles Unterscheidungsmerkmal und daher charakteristisch für die Person. Darüber hinaus bleibe die Persönlichkeit laut zahlreichen Studien im Laufe der Zeit und in den von uns erlebten Situationen stabil.

„Der Charakter ist schlichtweg die Persönlichkeit, die aus ethischer Sicht beurteilt wird.“

Gordon Allport

Frau mit Tasse schaut in die Ferne

Persönlichkeitsbildung

In der Psychologie versteht man unter „Persönlichkeit“ die Gesamtheit von Kognition, Gefühlen und Verhaltensweisen, die eine Person ausmachen. Auf diese Weise denken, fühlen oder verhalten wir uns. Es ist eine Reihe von Prozessen, die miteinander interagieren und sich selbst regulieren und ein dynamisches System bilden. Die zwei am häufigsten verwendeten und anerkannten Definitionen in der Psychologie sind:

  • „Die Persönlichkeit ist die Summe der aktuellen oder potenziellen Verhaltensmuster eines Organismus, bestimmt durch die Vererbung, und die Summe der aktuellen und potenziellen Verhaltensmuster eines Organismus, bestimmt durch die Erbschaft und die Umwelt.“ – Eynseck (1947)
  • „Persönlichkeit ist das typische Verhaltensmuster, einschließlich Gedanken und Emotionen, das die Anpassung des Individuums an Lebenssituationen kennzeichnet.“ – Michel (1976)

Es gibt jedoch keine einheitliche oder klare Definition dessen, was die Persönlichkeit ist, da sie ein komplexes System ist und es so viele Erklärungsversuche wie Autoren und Strömungen gibt. Jede Philosophie oder Theorie hat ihre eigene Vorstellung dazu beigetragen und alle sind sie sich ähnlich, unterscheiden sich jedoch in teilweise entscheidenden Aspekten. Sie gehen allesamt davon aus, dass jeder Mensch einem bestimmten Muster folge, das ihn dazu bringe, sich in ähnlichen Situationen ähnlich zu verhalten. Bei diesem Muster würde eine Reihe von Variablen mit ins Spiel kommen, die es formen.

Die psychologische Strömung gibt diesen Variablen verschiedene Namen: Merkmal, Eigenschaften etc. Das Wesentliche ist, dass der Reichtum der Persönlichkeitspsychologie in all diesen Beiträgen, Theorien, Studien und Forschungen und in der Integration all dieser liegt. Persönlichkeit, Temperament und Charakter sind unterschiedliche Konzepte, und gerade in diesem Unterschied finden wir einen Teil ihres Reichtums und Wertes wieder, um durch sie unsere Verhaltensweisen zu verstehen und zu versuchen, sie vorherzusagen.