Wenn man die Liebe weder sieht noch spürt, dann gibt es sie nicht

· 3. Februar 2016

Wenn du mich nicht anrufst oder nicht bei mir bleiben kannst, dann denke ich, dass du beschäftigt bist. Wenn du mir nicht sagst, dass du mich liebst, dann denke ich, dass du Angst hast, mich bloßzustellen. Wenn du mich nicht küsst, dann denke ich, dass du traurig bist und wenn du nicht mit mir schläfst, dann denke ich, dass du müde bist, ohne zu merken, dass ich in Wirklichkeit denken sollte, dass ich deine Liebe nicht spüre, weil sie nicht existiert.

Wenn man die Liebe nicht spürt, wenn es kein gegenseitiges Interesse gibt, dann ist es eine Liebe, die nicht existiert und die auch dir nichts gibt. Es ist sehr schwierig, in diesen Dingen realistisch zu sein, aber es ist ganz und gar notwendig, wenn wir an unserer Seite jemanden haben wollen, der uns glücklich macht.

„Bleibe bei einer Liebe, die dir Antworten gibt und keine Probleme. Sicherheit und keine Furcht. Vertrauen und nicht noch mehr Zweifel.“
Paulo Coelho
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Was macht erfüllte und unerfüllte Liebe aus?

Manchmal wünschen wir uns jemanden mit all unserem Willen, wir können diesen Wunsch nicht unterdrücken, diese Person zu küssen, sie zu besitzen, sie unser zu machen. Jedoch fehlt etwas. Bei anderen Gelegenheiten spüren wir große Zuneigung und Freundschaft für jemanden, aber wir haben kein Verlangen nach ihm, wir spüren nicht diese starke sexuelle Anziehungskraft. Und manchmal, in anderen Fällen, fühlen wir uns mit der anderen Person sehr vereint, und was auch immer wir dabei fühlen, uns fehlt es an Verlangen, obwohl es vielleicht ein Gefühl der Freundschaft gibt.

Die Liebe ist kompliziert, denn es müssen nicht nur alle Komponenten da sein, die sie ausmachen, sondern sie müssen auch noch zur gleichen Zeit da sein, damit zwei Menschen eine Beziehung eingehen. Wir haben uns alle schon einmal von jemanden angezogen gefühlt, der dieses Gefühl nicht hatte, wir waren alle schon einmal in jemanden verliebt, der nicht in uns verliebt war, jedoch ist es nicht nötig zu leiden, denn Liebe ist kein Leid. Eine erfüllte Liebe besteht aus drei fundamentalen Elementen:

Eros

Eros ist das sexuelle Bedürfnis, der Ausdruck des Willens nach Besitz. In dieser Phase sind wir selbst uns am wichtigsten, es ist eine ganz und gar egoistische Phase, die sich in Sätzen ausdrückt wie: „Du bist mein“, „ich will dich nur für mich.“  Aber Eros allein reicht nicht aus. Man bleibt in einer Situation, in der etwas fehlt, eine gute Portion Eros kann uns jedoch manchmal zum nächsten Element der Liebe führen.

Philia

Philia meint die Freundschaft in der Partnerschaft, in der das Ich weiterhin den Vortritt hat, denn man kann Freundschaft als eine Art verstehen, sich selbst über seine Freunde zu lieben. Während das sexuelle Verlangen über die Jahre hinweg nachlässt, wird Philia mit der Zeit immer stärker, wenn alles gut läuft.

Agape

Agape ist die Feinfühligkeit, die Zärtlichkeit. Anders als das sexuelle Verlangen, das alles durchdringt, das scheint, als ob man es nicht anhalten kann, ist es eine Form der Liebe, die es uns ermöglicht, zu fühlen, was die Person, die wir lieben, spürt, sie lässt uns ihre Freude spüren, ihren Schmerz.

Diese drei Elemente sind in jeder Beziehung fundamental und wenn sie nicht gleichzeitig auftreten, dann funktioniert die Beziehung nicht, es wird ihr immer an etwas fehlen und bald wird eine oder beide der beteiligten Personen darunter leiden. Es gibt nicht eine Liebe, es gibt drei, und alle müssen im gleichen Moment gegeben werden.

„Wenn du eine Person verstehen willst, dann höre nicht auf ihre Worte, beobachte ihr Verhalten.“
Albert Einstein
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Was macht die Liebe aus, die man fühlt, die existiert

Du musst die Liebe auf deiner Haut, in deinem Herzen spüren. Du wirst es fühlen, wenn die andere Person nach dir verlangt und dies dir zeigt, wenn sie nach Küssen sucht, wenn sie dich aufsucht, um dir ihre Zärtlichkeit zu zeigen, wenn sie dich anruft, um zu wissen, wie es dir geht, wenn sie dir eine kräftige Umarmung gibt, wenn es dir schlecht geht.

Eine Person, die dich liebt, wird alles dafür tun, dich zu sehen, mit dir Zeit zu verbringen, Dinge mit dir zu unternehmen, mit dir Spaß zu haben. Eine Liebe, die man fühlt, ist solidarisch, weil beide in den schwierigen Zeiten füreinander da sind, niemand den anderen noch die Beziehung herabwürdigt, beide zusammen für die gemeinsamen Ziele kämpfen.

Es geht nicht darum, einer anderen Person zu gehören, unser eigenes Ich verschwinden zulassen, um in dem anderen aufzugehen, es geht darum, an einer Beziehung beteiligt zu sein, in der wir außerhalb und innerhalb der Beziehung wir selbst sind, mit Respekt und Ehrlichkeit, teilend und genießend.

Und wenn du keine Liebe spürst, wenn man dich nicht liebt, dann ist es besser, dass die Beziehung zu Ende geht, da sie dir nichts gibt, da sie dich nicht glücklich macht, weil du es verdienst, dass man dich so liebt, wie du bist und man dich das Verlangen, die Freundschaft und Zärtlichkeit spüren lässt.

„Wenn man dich nicht liebt, dann fange weder an zu bitten noch wirf dich auf die Knie. Die Liebe erbittet man nicht, noch fordert man sie ein, sie passiert einfach. Wenn sie nicht geschieht, dann zieh dich würdig zu etwas anderem zurück.“
Walter Riso
Titelbild mit freundlicher Genehmigung von Jiri Borsky