Welche Arten von Kokain gibt es und wie ist ihre Wirkungsweise?

· 2. Mai 2018

Kokain ist ein starkes Aufputschmittel. Es macht hochgradig süchtig und wird fast ausschließlich als Party- und Freizeitdroge verwendet. Kokain wurde in den 1980er Jahren als Droge populär. Sein Grundbestandteil entstammt den Blättern des Coca-Strauchs. In seiner natürlichen Form wird es schon jahrtausendelang von den indigenen Völkern Südamerikas konsumiert.

Seine chemische Reinform ist Kokain-Hydrochlorid. Diese Substanz wird bereits seit mehr als einem Jahrhundert im Labor hergestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Kokain der Hauptbestandteil vieler Elixiere und Stärkungsmittel, die für medizinische Zwecke genutzt wurden. Selbst heutzutage wird die Substanz noch als Narkosemittel bei operativen Eingriffen an Hals, Ohr und Auge verwendet.

„Coca ist die flächendeckende Antwort auf das dringendste Bedürfnis der gegenwärtigen Epoche: das Fehlen von Grenzen.“

Roberto Saviano

Kokain war auch Bestandteil verschiedener Softdrinks. Der bekannteste von ihnen ist Coca-Cola. Die ursprüngliche Formel enthielt bis zu 8 Milligramm Kokain pro Liter. Die Droge fiel jedoch aufgrund ihrer schweren Nebenwirkungen in Misskredit. Darum wurde Kokain 1903 von der Herstellungsfirma Coca-Cola nicht mehr als Zutat für den gleichnamigen Softdrink verwendet. 1914 wurde Kokain zur illegalen Droge erklärt.

Kokain ist heute nur selten in seiner chemischen Reinform zu finden. Oft wird es mit anderen Komponenten wie Stärke, Talkumpuder, Zucker oder Ähnlichem versetzt. Im Straßenjargon wird Kokain häufig als „Koks“, „Schnee“, „Flake“ (Schneeflocke) oder „Blow“ (Schlag, Hieb) bezeichnet.

Kokain-Hydrochlorid

Wie wir bereits erwähnten, ist die chemische Reinform von Kokain Kokain-Hydrochlorid, ein weißes Puder. Kokain in Puderform wird für gewöhnlich eingeatmet oder geschnupft, aber viele Konsumenten behandeln es auch, um es zu spritzen.

Die chemische Formel von Kokain-Hydrochlorid.

Obwohl die Reinheit des Stoffes nach Streckung variabel ist, ist die höchste Qualitätsstufe der Substanz bei einer Reinheit von 98 % erreicht. Auf dem Schwarzmarkt wird es von Rauschgifthändlern als „Yen“ bezeichnet. Es hat den höchsten Preis und strahlt optisch weißer und heller als andere Qualitätsstufen. Schätzungen zufolge besitzt das puderförmige Kokain im Straßenverkauf einen Reinheitsgrad von nur 5 bis 40 %. Manchmal wird es mit höchst gefährlichen Substanzen wie Amphetaminen oder bestimmten Narkosemitteln wie Lidocain oder Tetracain versetzt.

Es gibt verschiedene Varianten des „weißen Kokains“ mit einem mittleren bis niedrigen Reinheitsgrad. Die beliebteste Sorte wird „chalk“, auf deutsch „Kreide“, genannt. Dies rührt von seiner weiß-grauen, unauffälligen Färbung her. Diese Variante versetzt den Nutzer in einen höchst euphorischen Zustand. Ein anderer Typus ist das „gelbe Kokain“. Sein auffälligstes Merkmal ist sein Geruch. Es riecht nach Benzin oder Kerosin und wirkt extrem stark.

Andere Arten von Kokain

Kokain gibt es auch in Form von Crack. Die Substanz heißt Crack aufgrund des Geräusches, das es beim Verbrennen macht – „to crackle“ bedeutet übersetzt „knistern“. Der Crack-Konsum nahm zu, als die Behörden anfingen, den Zugang zu Chemikalien, die zur Herstellung von Kokain-Hydrochlorid nötig sind, mit strengen Auflagen zu begrenzen. Dadurch kletterte der Preis von Kokain auf ein Niveau, das sich viele Konsumenten nicht mehr leisten konnten. Dann gelangte verstärkt Crack in den Handel, da es 15-mal erschwinglicher ist.

Crack ist eine Mischung von Kokain-Hydrochlorid und anderen Chemikalien wie Ammoniak, Äther und Natriumhydrogencarbonat, also Natron. Für gewöhnlich wird es in der Pfeife geraucht und hat eine sehr viel stärkere Wirkung als raffiniertes Kokain. Es hat auch ein größeres Suchtpotenzial. Dies erhöht das Risiko, durch den Konsum zu sterben.

Ein weiteres Produkt, das eigentlich ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kokain ist, ist Kokainpaste, auch „Kokainsulfat“ genannt. Die Kokainpaste besteht zu bis zu 50 % aus Sulfaten, weil während des Prozesses giftige Chemikalien wie Methanol und Schwefelsäure verwendet werden. Konsumenten mischen die Kokainpaste mit Marihuana oder Tabak und rauchen sie.

Sowohl Crack als auch Kokainsulfat haben eine Wirkungsweise, die als „Flash“ oder „Blitz“ bezeichnet wird. Das heißt, beide Substanzen haben einen schnellen und sehr heftigen Effekt. Darum möchten Abhängige aufeinander folgend mehrfache Dosen konsumieren, um die Wirkung zu verlängern. Es besteht ein hohes Risiko der Überdosierung.

Die kurzfristige Wirkung von Kokain

Die Wirkung von Kokain tritt fast unmittelbar nach der Einnahme auf. Manchmal hält die Wirkung nur ein paar Minuten an, manchmal bis zu einer Stunde. Die Substanz ruft Gefühle der Euphorie hervor. Man verspürt einen starken Energieschub. Der Konsument fühlt sich geistig hellwach. Das suggerieren ihm seine Sinneseindrücke, im Besonderen sein Seh-, Hör- und Tastsinn.

Die Einnahme von Kokain verringert das Bedürfnis nach Nahrung oder Schlaf. Manche Leute nehmen Kokain, damit sie ihre Arbeit schneller erledigen können. Andere Konsumenten haben den Eindruck, dass das Kokain sie bremst.

Verwackeltes Bild einer Frau, die sich mit beiden Händen die Haare rauft.

Die Dauer und Intensität der Wirkung hängen davon ab, welche Art von Kokain wie konsumiert wird. Je schneller es vom Körper aufgenommen wird, desto intensiver, aber kurzlebiger ist die Wirkung. Manche Konsumenten werden Unruhe, Angstgefühle oder Reizbarkeit bei sich feststellen. Auch Krämpfe, Verfolgungswahn und Schwindelzustände treten häufig auf. Von einer physiologischen Warte aus gesehen, stört Kokain die Herzfrequenz und kann zu Kopf- und Magenschmerzen führen. Der Konsument muss sich dann übergeben.

Im Falle einer Überdosis kann es zu Schüttelkrämpfen oder Schlaganfällen kommen. Möglicherweise fällt der Konsument ins Koma. Der Tod tritt selten unmittelbar ein. Allerdings kann ein Herzstillstand erfolgen, der dann womöglich zum Tode führt.

Die langfristigen Auswirkungen

Die hauptsächliche langfristige Auswirkung des Kokainmissbrauchs ist eine schwere Abhängigkeit. Da das Suchtpotenzial von Kokain so hoch ist, ist es unmöglich, vorauszusagen, wie der Bedarf eines Konsumenten nach der ersten Einnahme sein wird. Es gibt zudem ein hohes Rückfallrisiko, wenn man beschlossen hat, mit dem Konsum der Droge aufzuhören. Rückfälle können selbst nach Jahren der Abstinenz noch vorkommen.

Der Körper gewöhnt sich an den Kokainkonsum, entwickelt eine Toleranz. Das bedeutet, dass der Konsument im Laufe der Zeit immer weniger zufrieden mit der Wirkung der Droge ist. Darum muss ein Süchtiger die Dosis unablässig erhöhen, um das gleiche euphorische Gefühl zu verspüren, das er zu Beginn durch eine geringere Menge erreicht hat. Mit der Zeit werden die angenehmen Gefühle, die die Droge auslöst, durch Angst, Verfolgungswahn und explosive Wut ersetzt.

In den schlimmsten Fällen führt der langfristige Kokainkonsum dazu, dass der Abhängige für ausgedehnte Zeitspannen den Bezug zur Realität verliert. Halluzinationen setzen ein – zuerst hört er Stimmen, dann kommt es zu paranoiden Psychosen. Kokain zersetzt die Persönlichkeit und zerstört sie. Es führt dazu, dass sich das Leben des Konsumenten nur noch um die Droge dreht.

Die mögliche Zukunft eines Abhängigen

Es gestaltet sich sehr schwierig, das Schicksal eines kokainabhängigen Menschen vorauszusagen. Das rührt daher, weil hier viele Faktoren Einfluss nehmen. Solange der Kokainkonsum aufrechterhalten wird, steigt kontinuierlich das Risiko, an der Sucht zu sterben. Genauso steigt das Risiko, dass die eigene Persönlichkeit als auch die Beziehungen zu anderen Menschen Schaden nehmen. Die Abhängigkeit vom Kokain zudem in die Beschaffungskriminalität.

 

Im Kreis sitzende Selbsthilfegruppe tauscht sich aus.

Selbsthilfegruppen sind immer eine hervorragende Wahl – normalerweise begleitet von einer Einzeltherapie. Momentan werden verschiedene medikamentöse Behandlungsformen getestet. Bisher hat noch keine durchschlagende Erfolge gebracht. Der Weg aus der Sucht ist lang.

Deshalb ist die beste Option stets die Prävention. Kokain ist keine Droge, die man aus Neugier probiert. Oder weil man durch seine Einnahme neue Erfahrungen machen möchte. Einmal Kokain ausprobieren – das birgt das Potenzial einer schlimmen Tragödie, deren Verlauf kaum aufzuhalten ist.