Paul Pugh: Ein Fall von pathologischem Lachen

· 19. September 2018

Paul Pugh ist ein Waliser, der eines Tages brutal angegriffen wurde. Einer der Täter traf ihn dabei sehr hart im Kopf. Nach einer Weile entwickelte Paul ein unangenehmes Symptom: pathologisches Lachen, eine Art Gehirnfunktionsstörung, die auch als krankhaftes oder zwanghaftes Lachen beschrieben wird.

Beim pathologischen Lachen handelt es sich um ein Lachen, das nicht zu kontrollieren ist und nichts mit der jeweiligen Situation zu tun hat, in der es auftritt. Wenn du das hier liest, hört es sich vielleicht komisch an, aber es ist tatsächlich eine sehr ernste Lage. Die Fachwelt kennt vielerlei Termini für diese Kondition, darunter die der „gelastischen Epilepsie„, „pseudobulbären Affektstörung“ und „Affektinkontinenz“. Es war tatsächlich Paul Pughs Fall, der den Begriff pathologisches Lachen populär machte.

„Vielleicht weiß ich am besten, warum der Mensch allein lacht: er allein leidet so tief, dass er das Lachen erfinden musste.“

Friedrich Nietzsche

Paul Pugh und seine Narben am Kopf, die von einer Verletzung herrühren, die pathologisches Lachen herbeiführten.Der Fall Paul Pugh

Paul Pughs Fall ist einer der Bekanntesten. Seine tragische Geschichte begann 2007, als er mit Freunden ausging. Auf seinem Weg nach Hause traf er auf vier Männer, die ihn ohne erkennbaren Grund zu schlagen begannen.

Die Schläge waren so stark, dass sie seinen Schädel brachen. Paul, der damals 27 Jahre alt war, lag zwei Monate lang im Koma. Danach musste er wie ein Kleinkind lernen, wie er die einfachsten Aufgaben selbst erledigen konnte: essen, sprechen, gehen usw. Aber als es schien, er hätte sich endlich von allem erholt, passierte etwas Seltsames.

Er ging zu einem Termin bei seinen Ärzten, wo sie ihm von den Folgen der Schläge berichteten. Dieses Treffen hatte eine schreckliche Wirkung auf Paul. Er verspürte einen starken Drang, zu weinen, und er tat es tatsächlich in seinem Verstand und seinem Herzen. Aber nach außen hin konnte er nur lachen. Er litt an pathologischem Lachen. Er weinte innerlich, lachte aber für die Außenwelt.

Zunächst bedeutete das soziale Ablehnung für ihn. Nach einiger Zeit erkannten die Ärzte schließlich, was mit ihm geschah. Sie diagnostizierten einen „pseudobulbären Affekt“, was bedeutet, dass es zu einer Unterbrechung der Signalwege in seinem Gehirn gekommen war, die die Regulierung von Emotionen stört.

Bei jemandem, der einen pseudobulbären Affekt aufweist, kann es zu Phasen oder Anfällen von pathologischem Lachen oder Weinen kommen. Jahre später hat Paul gelernt, 90 % der symptomatischen Episoden zu kontrollieren.

Eine rothaarige Frau kann nicht aufhören zu lachen.Pathologisches Lachen und seine Ursachen

Pathologisches Lachen kann sehr belastend für die Menschen sein, die darunter leiden. Sie neigen dazu, sich wegen ihres als „unangemessen“ wahrgenommenen Verhaltens zu isolieren. Viele sprechen davon, wie schrecklich es sei, eine intensive Emotion zu verspüren, dann jedoch eine völlig andere Emotion zum Ausdruck zu bringen, die nichts damit zu tun hat.

Pathologisches Lachen und Weinen können viele verschiedene Ursachen haben. Es entsteht normalerweise nach einem Trauma, wie es bei Paul Pugh der Fall war. Aber es gibt auch andere neurologische Bedingungen, die es verursachen können. Es gibt Fälle von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) mit Affektinkontinenz, und sie tritt bei Menschen mit Morbus Alzheimer auf. Hirntumore sind eine weitere mögliche Ursache. Es scheint, als ob jeder Zustand, der sich direkt auf das Gehirn auswirkt, zu zwanghaftem Lachen führen könne.

Paul Pugh im Gespräch

Andere Arten von pathologischem Lachen

Es gibt auch psychiatrische Fälle von pathologischem Lachen mit verschiedenen Ursachen. Hier gilt der allgemeine Begriff „emotionale Inkontinenz“. Diese hat mit mentalen Zuständen zu tun, in denen jemand seine Emotionen übertrieben ausdrückt. Betroffene Personen können nicht mit ihrem Lachen, Tränen oder anderen Emotionen an sich halten.

So können Autismus und Schizophrenie Anfälle von pathologischem Lachen verursachen. Es kann auch auftreten, wenn jemand Psychopharmaka oder Drogen konsumiert: Es ist allgemein bekannt, dass Marihuana viele Menschen dazu bringt, unkontrolliert zu lachen.

Das Verheerendste an der Situation ist, dass Menschen mit diesem Problem auch an anderen Symptomen leiden. Laut einer Studie der Abteilung für Psychologie der Universität Freiburg (Deutschland) zeigen mehr als die Hälfte der Menschen mit dieser Erkrankung noch andere Symptome als die, über die wir hier gesprochen haben. Sie leiden im Allgemeinen unter einer Abnahme des IQ und weiteren kognitiven Problemen.

Es gibt nicht viele Behandlungsmöglichkeiten für zwanghaftes Lachen. Kurz gesagt, es gibt keine Heilung. Trotz alledem sind Leute wie Paul Pugh inspirierende Beispiele, denn ihm ist es gelungen, den Moment unmittelbar vor einem Ausbruch pathologischen Lachens zu erkennen. In solchen Momenten denkt er sofort an unangenehme Bilder, die ihn vom Lachen abhalten. Leider beeinflusst sein Zustand immer noch zu großen Teilen sein Leben.