Kuriositäten der Psychiatrie

Die Kuriositäten der Psychiatrie sind eng damit verbunden, wie psychische Störungen im Laufe der Geschichte verstanden wurden.
Kuriositäten der Psychiatrie

Letzte Aktualisierung: 09. August 2021

Einige der Kuriositäten der Psychiatrie haben mit Mythen zu tun, die diese junge Wissenschaft umgeben und seit ihren Anfängen für Kontroversen gesorgt haben. Tatsächlich gibt es heute noch Personen, die ihre Grundlagen als wissenschaftliche Disziplin infrage stellen.

Kritiker versichern, dass es in dieser Disziplin kein definiertes Studienobjekt gibt. Sie sind der Meinung, dass die Psychiatrie ein Zweig der Neurologie ist, wenn sie sich dem Studium des Gehirns widmet. Wenn sie den Verstand untersucht, müsste es sich um einen Teil der Psychologie handeln.

Eine der Kuriositäten der Psychiatrie besteht gerade darin, dass sie eine Disziplin mit vielen Schnittstellen ist. Es gibt auch Eigentümlichkeiten, die mit diesem beschwerlichen Weg zusammenhängen, den diese Wissenschaft zurückgelegt hat, bis sie zu dem wurde, was sie heute ist. Kommen wir also zur Sache.

Massen sind immer ein Nährboden für psychische Epidemien.

Carl Jung

Kuriositäten der Psychiatrie

Kuriositäten der Psychiatrie: der Ursprung

Einige der Kuriositäten der Psychiatrie haben mit ihrer Geschichte zu tun. Lange Zeit galten psychische Störungen als ein Übel übernatürlichen Ursprungs. Die anormalen Verhaltensweisen waren das Ergebnis der Handlung oder der Besessenheit durch böse Mächte. Eine Idee, die besonders diejenigen quälte, die Menschen liebten, die an einer psychischen Störung litten.

Die Griechen hatten eine holistische Vorstellung von Gesundheit. Aus diesem Grund trennten sie den Körper nicht vom Geist und interpretierten jede Anomalie als Ungleichgewicht der Gesamtheit. Der berühmte Arzt Galenos von Pergamon beschrieb nur zwei Störungen: Manie (gelbe Galle) und Melancholie (schwarze Galle). 

Im Mittelalter ging diese Perspektive verloren und psychische Störungen wurden als Folge teuflischer Besessenheit betrachtet. Als Amerika noch nicht von den Europäern entdeckt worden war, interpretierten verschiedene einheimische Kulturen anomale Verhaltensweisen als Zeichen magischer Göttlichkeit.

Es gibt Hinweise auf ausgeklügelte Behandlungen im indigenen Amerika. In der Kogui-Kultur des nördlichen Südamerikas gab es beispielsweise Konfessionspraktiken. Die psychisch kranke Person führte lange Gespräche mit dem Schamanen, um ihre Leiden zu zerstreuen. Die Tierradentro-Kultur benutzte rotierende Scheiben, um eine Art “Hypnose” zu erreichen und diejenigen zu heilen, die in ihren Köpfen Qualen erlitten.

Eine schreckliche Geschichte

Einige der unglücklichen Kuriositäten der Psychiatrie hängen mit den Therapien zusammen, die im Laufe der Geschichte verwendet wurden. Es ist nicht bekannt, ob es sich um Mythos oder Realität handelt, aber es gibt mehrere Hinweise auf das sogenannte “Narrenschiff “. Es ging um die Praxis, Menschen mit Störungen auf ein Schiff zu verladen und sie danach nicht mehr an Land zu lassen.

Dies war vermutlich eine häufige Art, Menschen zu isolieren, die ein unangepasstes Verhaltensmuster zeigten. Zudem waren die Bedingungen dieses erzwungenen sozialen Exils früher sehr prekär. Patienten wurden in Ställen gefesselt oder angekettet und geschlagen, wenn sie Schwierigkeiten machten. Die Verstorbenen durften nicht auf gewöhnlichen Friedhöfen bestattet werden, in den meisten Fällen mussten ihre Leichen eingeäschert werden.

Eine weitere Kuriosität der Psychiatrie hat mit einer berühmten Persönlichkeit auf diesem Gebiet zu tun: Egas Moniz, Nobelpreis für Medizin für die Erfindung der Lobotomie. Dies war eine Operation, um einige Bereiche des Gehirnlappens zu entfernen. Seine gesamte Theorie basierte jedoch auf einem einzigen Experiment, das mit einem Schimpansen durchgeführt wurde.

Kuriositäten der Psychiatrie

Zwischen Mythos und Realität

Der Bereich der psychischen Gesundheit ist ein fruchtbarer Boden für endlose Kontroversen. Es ist auch nicht zu leugnen, dass sich verschiedene Mächte bestimmte Schulen oder Ansätze genutzt haben. Vor einigen Jahrzehnten gab es psychische Erkrankungen, die typisch für den Kapitalismus waren, andere traten jedoch im Kommunismus häufiger auf. 

Eine weitere Kuriosität der Psychiatrie ist die Tatsache, dass es bisher keinen klinischen Nachweis für psychische Störungen gibt. Diese können im Verhalten, in der Sprache, in der Wahrnehmung usw. erkannt werden. Es gibt jedoch keinen Test auf ein chemisches Ungleichgewicht, keinen Scan und keine Untersuchung, um dies zu beweisen. Die Beweise, die es gibt, werden als “suggestiv”, aber nicht als beweiskräftig angesehen.

Das Ziel der Psychiatrie ist es, Menschen, die leiden, zu helfen. Auch wenn sie dies in vielen Fällen nicht erreicht hat, handelt es sich um eine äußerst wichtige Disziplin.

Es könnte dich interessieren ...
Karl Jaspers und die biografische Methode in der Psychiatrie
GedankenweltLies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Karl Jaspers und die biografische Methode in der Psychiatrie

Der deutsche Psychiater Karl Jaspers hat einen wichtigen Beitrag zu Wissenschaft und Praxis geleistet, darunter die biografische Methode in der Psy...



  • Huertas, R. (2001). Historia de la psiquiatría, ¿por qué?, ¿para qué? Frenia. Revista de historia de la psiquiatría, 1(1), 9-36.
  • Ortíz Ricaurte, Carolina (2004). Resistencia y procesos de integración indígenas. El caso de los Kogui de la Sierra Nevada. Boletín Antropológico, 22 (60), 73-88. [Fecha de Consulta 25 de Julio de 2021]. ISSN:. Disponible en: https://www.redalyc.org/articulo.oa?id=71206003