4 Arten von Mikrochauvinismus

· 9. Dezember 2017

Leider ist unsere Gesellschaft noch weit davon entfernt, den Chauvinismus ein für alle Mal zu überwinden. Wichtigstes Element jeder Strategie, um diese schlechte Angewohnheit zu bekämpfen, ist es, die Menschen zu informieren. Daher ist das Wissen über einige Arten von Mikrochauvinismus nützlich, um sie identifizieren und vermeiden zu können und zum letztlichen Ziel beizutragen: Nein zu jeder Art von Chauvinismus!

Aber da haben wir einen langen Weg vor uns. Die Situation ist so ernst, dass die Vereinigten Staaten sogar Donald Trump zu ihrem Präsidenten gewählt haben. Dieser Präsident sagte: „Wissen Sie, es spielt keine Rolle, was die Medien über Sie schreiben oder sagen, solange Sie ein junges, hübsches Stück Arsch haben.

Was ist Mikrochauvinismus?

Bevor du die gängigen Arten von Mikrochauvinismus kennenlernen kannst, ist es sinnvoll, dass wir diesen Terminus definieren. In diesem Fall halten wir uns diesbezüglich an den Psychotherapeuten Luis Bonino, der den Begriff bereits 2004 verwendete.

Für Bonino ist Mikrochauvinismus ein alltägliches und subtiles Verhalten. Er stelle tatsächlich eine Kontrollstrategie dar, meint er, die die Autonomie einer oder mehrerer Frauen bedrohe. Er könne sogar unbemerkt bleiben und von der Gesellschaft legitimiert werden.

Frau mit zugeklebtem Mund

Bonino ist der Meinung, dass Mikrochauvinismus in unserer modernen Zeit mit einer dominanten Absicht verbunden sei. Dabei bliebe Gewalt verschiedenen Ausmaßes im zwischenmenschlichen Verhalten verborgen, um die angebliche Dominanz und Überlegenheit der Männer aufrechtzuerhalten.

So glauben viele Männer, dass die Bestätigung ihrer Dominanz notwendig sei, besonders gegenüber Frauen, die sie für rebellisch halten. Auf diese Weise versuchen sie, Macht über eine Frau zu erlangen, mit der sie in irgendeiner Beziehung stehen, oder sich zumindest in eine vorteilhafte Position zu bringen.

„Die verlängerte Sklaverei von Frauen ist die dunkelste Seite in der Geschichte der Menschheit.“

Elisabeth Cady Stanton

Arten von Mikrochauvinismus

Bonino beschrieb ein Schema, in dem wir vier Arten von Mikrochauvinismus identifizieren können. In der Tat sind einige fest in unserer Kultur verankert und werden nie infrage gestellt: Da ist zum Beispiel der Kellner, der die Rechnung direkt an den Mann übergibt. Oder die Frau, die zu einer anderen Frau sagt: „Benimm dich wie eine Dame.“  Bedenke, dass sich chauvinistische Verhaltensweisen nicht ausschließlich beim männlichen Geschlecht zeigen.

Mann bezahlt Rechnung im Restaurant

Wir sprechen über weitverbreitete Gesten, und viele von ihnen werden auf unbewusste Weise ausgeführt. Diese Verhaltensweisen zeigen die Ursprünge unserer sozialen Ordnung. Unglücklicherweise bleibt der Hintergrund, vor dem sie entstehen, meist unbemerkt. Das macht sie zu einer Quelle von Ideen, die in unserer Gesellschaft vorherrschen und die wir noch nicht hinter uns gelassen haben.

Funktions-Mikrochauvinismus

Zum Mikrochauvinismus zählt der sogenannte Funktions-Mikrochauvinismus. Dieser erfüllt in der Regel einen häuslichen Zweck, ist mit traditionellen weiblichen Verhaltensweisen verbunden. Tatsächlich ist dieser Typ des Mikrochauvinismus leicht zu identifizieren.

Der Mann erwartet, fordert oder nutzt eine Verhaltensweise, die seiner Meinung nach Frauen angeboren sei, einfach weil sie Frauen sind, um ihm zu dienen und sich um ihn zu kümmern. Er delegiert automatisch bestimmte Aufgaben an die Frau, wie zum Beispiel das Putzen und Kochen. Er tut dies auf subtile Weise und erfüllt gleichzeitig Aufgaben, die von Männern erledigt werden müssen. Sein Gedankengang ist etwa dieser: „Ich wasche das Auto, also muss sie das Haus putzen.“

Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Frau selbst davon ausgeht, dass der Mann das Auto waschen müsste, weil sie ja das Haus putzt.

Verdeckter Mikrochauvinismus

Bonino beschreibt auch verdeckten Mikrochauvinismus. Hierbei rechtfertigen Männer den Missbrauch des Vertrauens einer Frau, um ein verborgenes Ziel zu erreichen. Sie gehen sehr subtil vor, was zu Verwirrung, Schuldgefühlen und sogar zum Verlust des Selbstwertgefühls einer Frau führt.

Diese Art von Mikrochauvinismus kann zum Beispiel in paternalistischen Verhaltensweisen gefunden werden. Sie ist eine Form emotionaler Manipulation, die auf doppeldeutigen Nachrichten, Einschränkungen und Entrechtung basiert.

Krisen-Mikrochauvinismus

An dritter Stelle spricht Bonino über Krisen-Mikrochauvinismus: Wenn eine Frau mehr Macht erlangt, versucht der Mann, die Kontrolle zurückzuerlangen. Manchmal gaukelt er Unterstützung vor, distanziert sich emotional, verleugnet, stellt sich als Opfer dar oder leistet passiven Widerstand.

Frau, die mit ihrem Chef spricht

Zwangs-Mikrochauvinismus

Schließlich gibt es den Zwangs-Mikrochauvinismus. In diesem Fall nutzt der Mann seine Macht, sei es körperlich, emotional oder auf andere Weise. Er zwingt die Frau, seine Argumente zu akzeptieren, was ein Gefühl der Unfähigkeit und Niederlage in ihr hervorruft. Normalerweise ist die Frau in einer solchen Situation nicht in der Lage, die aufgeführten Aussagen mit der Realität abzugleichen.

Wenn ein Mensch einen solchen Mikrochauvinismus ausübt, kontrolliert er Geld, sabotiert Kommunikation, missbraucht Raum und Zeit. Wie alle anderen Arten des Mikrochauvinismus greift auch dieser direkt die Autonomie der Frau an.

„Sexuelle, rassistische und geschlechtsspezifische Gewalt sowie andere Formen der kulturellen Diskriminierung können nicht beseitigt werden, ohne zuvor die Kultur zu verändern.“

Charlotte Bunch

Dies sind die vier Arten von Mikrochauvinismus, die Luis Bonino identifizierte. Es handelt sich bei allen um Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich sehr negativ auf die Lebensqualität von Frauen auswirken. Chauvinistische Handlungen begrenzen und untergraben das Selbstwertgefühl von Frauen. Vergessen wir nicht, dass es in unseren Händen liegt, diese Ideen durch neue zu ersetzen.